© APA/dpa/Axel Heimken

Corona-Krise
05/08/2020

Händler bleiben auf Motorrädern sitzen

Dem Zweiradhandel drohen infolge der Corona-Krise Riesenverluste. Frühjahr ist die wichtigste Zeit für die Branche.

von Thomas Pressberger

Die Aufhebung der strengen Ausgangsbeschränkungen am 1. Mai kam für die Zweiradbranche zu spät, für eine Aufholjagd bei den verpassten Verkäufen ist es jetzt zu spät. 70 bis 80 Prozent des Jahresgeschäfts macht die Branche zwischen Mitte März und Mitte Juni, alles was danach kommt, ist nur noch Beiwerk, sagt Ferdinand O. Fischer, Sprecher des Zweiradhandels in der Wirtschaftskammer Österreich.

Eine Umfrage zur wirtschaftlichen Situation der Zweirad-Branche, an der fast 100 Betriebe teilgenommen haben, ergibt ein tristes Bild. Mehr als ein Drittel der Händler hat im April 45 bis 65 Prozent des Jahresumsatzes verloren, knapp ein Drittel sogar mehr. Das wird sich nicht mehr wettmachen lassen.

220 Millionen Euro verloren

Die Branche setzt mit dem Verkauf von Zweirädern jährlich 440 Millionen Euro um, laut Schätzungen wird die Hälfte, also 220 Millionen, heuer verloren sein. „Die Branche hat Unterstützungsmaßnahmen beantragt“, sagt Fischer. Bei den wenigsten sei allerdings bis dato Geld geflossen. Man müsse sich fragen, bei wem die Milliarden, die schon ausbezahlt wurden, gelandet seien. Viele Händler hätten Kurzarbeit beantragt, allerdings fehle bei einigen Betrieben noch immer die Bestätigung vom Arbeitsmarktservice. 38 Prozent, die Unterstützung durch den Härtefonds beantragt haben, hätten ein „Okay“ bekommen, 62 Prozent allerdings noch immer nicht.

Wenig Hoffnung

Für den Zweiradhandel beginnt die nächste Saison erst Mitte März 2021. Fischer fordert daher, dass die Kurzarbeit bis 15. März 2021 verlängert wird, einfachere Zugangskriterien zum Härtefonds sowie Verbesserungen beim Corona-Hilfsfonds. Hier müsse die Deckelung des Zuschusses mit den Fixkosten für die Zeit der Corona-Maßnahme deutlich ausgeweitet werden und die Rückzahlungsfrist des Kredits von fünf auf zehn Jahre ausgedehnt werden.

Außerdem müsse die Vergabe der Kredite durch die Banken einfacher und unbürokratischer erfolgen. Die Branche leidet seit vielen Jahren unter extrem niedrigen Margen von durchschnittlich 0,6 Prozent. Deshalb könnte diese zusätzliche Belastung für viele Händler das Aus bedeuten.

Pessimistischer Ausblick

Der Glaube, die Krise unbeschadet zu überstehen, ist bei vielen enden wollend. Knapp ein Drittel der Händler sieht die Lage eher pessimistisch, laut einem weiteren Drittel wird das Überleben daran hängen, welche Unterstützung durch den Staat tatsächlich kommen wird und für elf Prozent ist die Lage ziemlich aussichtslos.

Damit der Branche ein gröberer Crash erspart bleibt, müssten nun mehrere Punkte erfüllt werden: Zum einen müssten die Hersteller den Händlern unter die Arme greifen. Der österreichische Motorradproduzent KTM habe sich bereits bereit erklärt, in das Händlernetzwerk investieren zu wollen. „Erstmals seit vielen Jahren ist die Bitte der Händler erhöht worden“, freut sich Fischer. Er wünscht sich, dass andere Hersteller nachziehen.

Zum anderen hofft er, dass die Zweiradfahrer nicht die Motivation verloren haben, sich ein neues Fahrzeug zuzulegen. Und nicht zuletzt müsse wie gesagt der Nothilfefonds aufgestockt beziehungsweise den Händlern mehr finanzielle Hilfe zukommen. Die Branche hat in Österreich eine relevante Größe. Die Wertschöpfung, die insgesamt mit Motorrädern, Rollern und Mopeds generiert wird – also inklusive Reifen, Service, Versicherung, etc – liegt bei 2,9 Milliarden Euro, knapp ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jeder neunte Österreicher besitzt ein motorisiertes Zweirad. 41.000 Beschäftigte profitieren davon, es gibt rund 650 Zweiradhändler, davon sind 150 Markenhändler. Der Großteil der Betriebe sind kleinere Händler mit weniger als 20 Mitarbeitern.

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