Wirtschaft
18.02.2015

AdvoFin startet Sammelklage-Aktion gegen Lyoness

Konsumenten sollen fragwürdiges Vertriebssystem der Einkaufsgemeinschaft nicht durchschaut haben.

Die Grazer Einkaufsgemeinschaft Lyoness (1,2 Milliarden. Euro Umsatz, vier Millionen Mitglieder weltweit) muss sich jetzt warm anziehen. Am Dienstag hat der Prozessfinanzierer AdvoFin eine Sammelklage-Aktion für mutmaßlich geschädigte "Premium-Mitglieder" von Lyoness auf seiner Homepage gestartet. "Es geht in Österreich um 6000 bis 7000 Betroffene, die vor Jahren bei Lyoness eingestiegen sind", sagt AdvoFin-Chef Franz Kallinger zum KURIER. "Wir werden die Klageaktion aber in allen 46 Ländern anbieten, in denen Lyoness tätig ist."

Dieses "Premium-System" funktionierte laut Kallinger so: Ein Mitglied zahlt 2000 Euro auf einen Warengutschein (20.000 Euro) eines Lyoness-Partnerunternehmens (Möbelhaus) an. Der Restbetrag (18.000 Euro) sollte dann über diverse Boni und Prämien aufgefüllt werden, vor allem über die Anwerbung von Neu-Mitgliedern und deren Umsätze.

Einerseits schreibt Lyoness einem Mitglied für Eigenkäufe zwei Prozent Bonus gut, andererseits kassiert ein Mitglied für Umsätze neu angeworbener Kunden 0,5 Prozent Prämie. Unter dem Strich heißt das: Entweder der Kunde kauft selbst um 900.000 Euro ein, um 18.000 Euro Bonus von Lyoness zu kassieren, oder er wirbt Tausende Neu-Kunden an, die 3,6 Millionen Euro Umsatz generieren. Macht bei 0,5 Prozent Provision auch 18.000 Euro. "Viele haben Anzahlungen auf Gutscheine geleistet, aber hatten gar nicht die Möglichkeit, derart viele Neukunden zu werben, um die Vorteile zu erhalten", sagt Kallinger. "Auch sind die Vertragsbedingungen so undurchsichtig, dass die Konsumenten die finanzielle und rechtliche Tragweite gar nicht abschätzen konnten." Fakt ist: Den Gutschein des Möbelhauses erhält das Mitglied nicht, wenn dieser nicht voll bezahlt ist. Aber auch die Anzahlung soll von Lyoness nicht zurückgezahlt werden. Letztere will AdvoFin nun en bloc vor Gericht einklagen.

Vorwürfe bestritten

"Wir nehmen die Ankündigung, dass ein Prozessfinanzierer hier angeblich ein Potential für sein Geschäftsmodell sieht, ganz unaufgeregt zur Kenntnis", sagt Lyoness-Sprecher Mathias Vorbach. "Trotz aller Versuche, medial einen anderen Eindruck zu erwecken, hat die Zahl der Rückforderungen kontinuierlich abgenommen." Lyoness habe sich seit fast zwei Jahren zur wichtigsten Aufgabe gemacht, das Unternehmen neu auszurichten und sogenannte "Altlasten" abzuarbeiten. Vorbach: "Das ist uns sehr gut gelungen. Das belegen die stetig wachsenden Zahlen an Mitgliedern und Händlern."

Nach Angaben des Lyoness-Sprechers hat das Unternehmen in Österreich rund 450.000 Mitglieder, aber davon fallen nur etwa fünf Prozent (22.500 Personen) unter das alte umstrittene Vertriebssystem bzw. die "Altlasten". Detail am Rande: Gegen elf angezeigte Verantwortliche von Lyoness, der KURIER berichtete, ist seit Längerem bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges und des Betreibens eines Pyramidenspiels anhängig. Die Vorwürfe werden bestritten. Lyoness rechnet damit, dass am Ende des Tages das Verfahren eingestellt wird.