© APA/Sebastian Kahnert

Wirtschaft
02/07/2020

Gute Jobs, schlechte Jobs

Die Gruppe jenr Arbeitnehmer, die in ihrem Beruf unzufrieden sind, wird seit Jahren größer. Der neue Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer zeigt, welche das sind und warum.

von Ornella Wächter

Menschen, die sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, gefördert werden und Karriereperspektiven genießen, engagieren sich mehr und wechseln seltener den Job. Die Zufriedenheit der Beschäftigten in einem solchen Arbeitsumfeld ist oft besonders hoch, die Faktoren dahinter bleiben eher konstant. Das belegen Studien der Arbeiterkammer (AK) seit vielen Jahren.

Verändert hat sich allerdings jene Gruppe mit Arbeitnehmern, die besonders unzufrieden in ihrem Job sind. Der aktuelle Arbeitsklima-Index der AK zeigt, dass sich die Gruppe der Unzufriedenen am Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren stetig ausgeweitet hat. Neben Textilarbeiterinnen, Reinigungskräften, Beschäftigten am Bau oder im Lager finden sich auch viele Berufe aus dem Dienstleistungssektor, die aufgrund der Digitalisierung zunehmend prekärer geworden sind, oder wo die Belastungen stetig höher werden, wie in der Pflege. „Es ist aber kein Branchenphänomen allein“, glaubt Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. „Wenn Menschen in Berufen mit Aufstiegschancen arbeiten, ein höheres gesellschaftliches Ansehen genießen oder mehr Gestaltungsfreiheit – in der Studie waren das vor allem Ärzte, Bankangestellte, Mitarbeiter im Marketing oder Lehrer – dann sind sie auch zufriedener mit ihrer Tätigkeit.“

Die Kluft wird größer

Der Abstand zwischen jenen, die besonders zufrieden sind, und jenen, die unzufrieden sind, ist aber über die Jahre immer größer geworden, zeigt der neue Arbeitsklima-Index. Laut diesem erreichen die zehn Prozent der zufriedensten Arbeitnehmer einen Wert von 140 Punkten, während die zehn Prozent der unzufriedensten Beschäftigten auf einen Wert von 62 kommen.„Die Polarisierung am Arbeitsmarkt nimmt stetig zu“, bestätigt Reinhard Raml, Geschäftsführer des Instituts für empirische Sozialforschung (Ifes). „Der Anteil von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation ist in den Industrieländern seit 1995 dramatisch gesunken – in Österreich um fast 17 Prozent“, so Raml. „Gleichzeitig ist die Anzahl der Jobs mit besonders hohen und mit sehr niedrigem Ausbildungsniveau stark gewachsen.“

 

Mehr als eine Million Beschäftigte sind 50+

 

Was die Arbeitszufriedenheit zunehmend nach unten verändert hat, ist der demografische Wandel. Mehr als eine Million Beschäftigte in Österreich sind älter als 50 Jahre, betont Kalliauer. Viele Betriebe hätten aber noch nicht auf die alternde Belegschaft reagiert. „Auch hier herrscht großer Druck.“

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