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Wirtschaft
11/13/2021

"Grüner Stahl wird immer wichtiger"

Matthias Unger, Chef der Unger Steel Group, über den Weg zu CO2-ärmerem Stahl, der Emanzipation von der chinesischen Stahlproduktion und der weiteren Stahlpreisentwicklung.

von Anita Kiefer

Herr Unger, woher beziehen Sie den Stahl, den Sie weiterverarbeiten?
Matthias Unger: Der Einkauf des Stahls bei uns ist vielseitig. Wir haben die Bezugsquellen aus Europa – Deutschland, Luxemburg,  Italien, Spanien. Weltgrößter Stahlproduzent ist China, der den Marktpreis vorgibt und am stärksten bei der Erholung eine Rolle spielt.

Die Pandemie hat gezeigt, wie anfällig Lieferketten sind. Kann Europa unabhängiger vom Stahl-Giganten China werden?
Unger: Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass eine Inklusion (Miteinbeziehung, Anm.) Chinas in der Form, wie sie passiert ist, wenig funktioniert hat. Man geht jetzt in eine andere Richtung. Ich sehe, dass wir bei der Stahlproduktion und den Qualitäten unabhängiger sind. Einen chinesischen, qualitativ hochwertigen Stahl gibt es  noch nicht. Man muss sich Gedanken machen, ob das Modell der Inklusion Chinas in den internationalen Lieferketten noch zeitgemäß ist.

Die Stahlpreise gehen weiter durch die  Decke. Gründe gibt es viele, wie hohe Energie- und Transportkosten. Lagern Unternehmen auch große Mengen Stahl ein?
Unger: Was zu dieser Entwicklung natürlich beiträgt ist, dass Produkte auf Vorrat gekauft werden. Wir kaufen Produkte so gut wie nur projektbezogen. Aber auch wir machen uns Gedanken, wie man die Lieferketten verbessern kann. Man sieht aber, dass es eine Umkehr gibt hin zu mehr europäischer Produktion.

Matthias Unger

Wie wird es mit der Preisentwicklung weitergehen?
Unger: Es wird einen weiteren Anstieg geben. Ich sehe danach aber eine gesunde Stabilisierung auf hohem Niveau.

Causa prima beim Stahl ist der Weg zu einer CO2-ärmeren Produktion. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema?
Unger: Sehr wichtig. Grüner Stahl wird immer wichtiger. Beispielsweise gibt es einen starken Trend, die Lieferketten kürzer zu halten und mehr regional zu produzieren. Uns muss aber bewusst sein, dass dieser Umstieg etwas kostet. Grüner Stahl ist zu Beginn teurer Stahl. Dennoch bin ich ein starker Befürworter, weil wir als Europäer und Österreicher eine Vorreiterrolle einnehmen können. Das ist die Zukunft. Wir als Industrie sehen uns als Teil der Lösung.

BMW und Schaeffler haben angekündigt, ab 2025 nahezu CO2-frei produzierten, schwedischen Stahl beziehen zu wollen. Allein ihr Unternehmen verarbeitet jährlich 70.000 Tonnen Stahl. Wie lange müssen wir warten, bis wir alle Stahlproduktion umstellen können? Und wie teuer wird das?
Unger: Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Man kann das nicht in Zahlen gießen. Wichtig ist, dass es Initiativen gibt, diesen Umstieg zu vollziehen. Es muss uns aber bewusst sein, dass es ein weltweites Problem ist und wir auch die größten CO2-Emittenten der Welt – China und die USA –  ins Boot holen müssen. Alleine können wir es nicht schaffen.

Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es?
Unger: Das Wichtigste ist, Bewusstsein zu schaffen. Natürlich in der Politik, aber auch beim Konsumenten. Gerade bei öffentlichen Aufträgen halte ich es für sinnvoll, dass darauf geachtet wird, regionale Spieler zum Zug kommen zu lassen. Wie es die Intention gibt, im Baubereich stärker das Best-Bieter-Prinzip und nicht das Billigst-Bieter-Prinzip heranzuziehen.

Seit kurzem ist die 3-G-Pflicht am Arbeitsplatz fix. Wie leicht tun Sie sich, die umzusetzen?
Unger: Wir haben im Unternehmen eine sehr hohe Bereitschaft, mitzuhelfen. Wichtig ist, gerade bei uns im ländlichen Raum, ein entsprechendes Testangebot zu schaffen.

In Zeiten von Fachkräftemangel ist es nicht einfach, die 3-G-Regeln durchzusetzen bzw. 3-G-Unwillige zu kündigen. Fühlen sich die Unternehmen mit dieser Verantwortung allein gelassen?
Unger: In der öffentlichen Diskussion wird oft über die Verantwortung debattiert. Auf Unternehmensebene gibt es oft pragmatische Lösungen. Es ist da häufig weniger kompliziert, als es in der öffentlichen Diskussion erscheint.

Digitalisierung bzw. Start-ups sind Themen, die Ihnen wichtig sind. Sie sind auch selbst als Investor tätig. In der heimischen Start-up-Welt gibt es aktuell Lichtblicke, Stichwort Bitpanda. Trotzdem: Warum sollte sich ein Start-up Österreich als Gründungsland aussuchen, wenn es internationale Standorte haben könnte?
Unger: In Österreich findet man gute Infrastruktur vor und die Unternehmen, mit denen man zusammenarbeiten kann. Ich bin auch bemüht, Start-ups und Industrie stärker zusammenzubringen. Es gibt mittlerweile mehr Venture Capital Fonds. Aber dennoch: Wenn man es mit Deutschland vergleicht, ist die staatliche Unterstützung für diese Anschlussfinanzierung in Österreich zu gering. Ein Start-up in Berlin wird mit wesentlich mehr öffentlichen Geldern unterstützt.

Was wünschen Sie sich diesbezüglich von der Politik?
Unger: Mehr Anschlussfinanzierung, unterstützt durch den Staat. Wir müssen attraktiv sein für internationale High Potentials. Wir müssen mehr Innovation zeigen, auch was die Industrieunternehmen selbst betrifft. Ich betone in meiner Rolle bei der Jungen Industrie auch immer das Scheitern. Wir müssen zeigen, dass es auch nicht funktionieren kann.

Wo sind Sie gescheitert?
Unger: Es ist ein tägliches Scheitern. Ich habe erst kürzlich auf unserer Webseite einen eigenen Mitgliederbereich lanciert. Dort wollte ich internes Know-how freigeben. Mit dem Resultat, dass sich wenige auf dieser Plattform angemeldet haben.

 

  • Matthias Unger

Der 39-Jährige ist Geschäftsführer der burgenländischen Unger Steel Group und Bundesvorsitzender der Jungen Industrie.

  • Unger Steel Group

Das Unternehmen hat zwei Produktionsstätten, rund 20 Niederlassungen, u.a. in Dubai, und 1.200 Beschäftigte. 221 Millionen Euro
betrug der Umsatz im Jahr 2020. 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet.

 

 

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