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Wirtschaft
01/09/2019

Großpleite eines Klavierbauers mit schmerzhaften Tönen

Lady Gaga, Katy Perry, Rammstein oder Lenny Kravitz hatten Interesse an den Pianos, für Prince wurde sogar ein violettes Exemplar gebaut.

Lady Gaga, Katy Perry, Rammstein oder Lenny Kravitz bekundeten Interesse an diesen Pianos aus Österreich, ein eigens für Prince hergestelltes metallic-violettes Hybridklavier konnte aufgrund dessen Todes im April 2016 nicht mehr ausgeliefert werden. Der deutsche Liedermacher Konstantin Wecker war bereits Kunde dieser österreichischen Klaviermanufaktur mit High-Tech-Sound. Doch im vergangenen Herbst kam das Aus mit dem wohlklingenden Geschäft mit raffinierten elektronischen Klavieren und möglichen Traumkunden aus der Musikbranche.

Die Alpha Pianos GmbH mit Sitz in St. Andrä-Wördern, Niederösterreich, ein Start-Up Unternehmen ist 2009 aus der ehemaligen Entwicklungsabteilung des weltbekannten Klavierfabrikanten Bösendorfer hervorgegangen ist, schlitterte bereits im vergangenen November in die Pleite, jetzt liegen neue Fakten und Zahlen vor. Bisher haben 17 Gläubiger von rund 973.000 Euro Forderungen angemeldet, davon entfallen  rund 600.000 Euro auf Kredite.

Für 80 Prozent des "aushaftenden Betrages" sollen die Austria Wirtschaftsservice (AWS) GmbH eine Ausfallsbürgschaft und der Piano-Geschäftsführer zum Teil eine Wechselbürgschaft sowie eine persönliche Haftung übernommen haben. Etwa 72.000 Euro Forderungen sind strittig. Da wurde gestern bei der Prüfungstagsatzung offengelegt.

 

"Die Idee der Firmengründers war, eine Konzertflügeltechnik aus Holz zu nehmen und eine Elektronik zu entwickeln, die es erlaubt, das Anschlagsgefühl wie an einem akustischen Flügel beizubehalten und dabei die Vorteile elektronischer Klangerzeugung zu nutzen", wurde im Konkursantrag angeführt. Dafür habe Alpha Pianos eine neuartige Sensorik entwickelt. Zwecks Finanzierung wurden 2016 Investoren und Fördergeber aufgestellt. Offenbar rund 488.000 Euro.

„Das patentierte Alpha-Piano sollte die Vorteile eines E-Pianos mit ausgefeilter Konzertflügelmechanik verbinden. Aufgrund des hohen Preises zwischen 22.000 bis 35.000 Euro konnten jedoch nur sieben Stück verkauft werden“, weiß Creditreform-Experte Stephan Mazal. Von der Weiterentwicklung, dem M-Piano, das mit einem Preis zwischen EUR 5500 und 8900 Euro günstiger sein soll, gibt es bereits einen Prototyp.“

Aufgrund der prekären Finanzlage musste die niederösterreichische Klaviermanufaktur geschlossen werden. Mazal: „Das Unternehmen hofft nun auf den Einstieg eines Investors mit dessen Hilfe ein Sanierungsplan abgeschlossen werden könnte.“

 

Zuvor wurde das Unternehmen kurzfristig fortgeführt. Doch die Klaviere fanden keinen reißenden Absatz. So wollte die Band Rammstein angeblich ein Piano auf nächsten Tournee einsetzen, aber dafür nur ausleihen. Dem konnte der Masseverwalter nicht zustimmen. Rammstein müsste das Piano kaufen, wenn sie es einsetzen will. Masseverwalter ist der renommierte Sanierungsexperte und Anwalt Walter Anzböck.


Der Masseverwalter hat Mitte Dezember bereits bei Gericht angezeigt, "dass die Insolvenzmasse nicht ausreicht, um die Masseforderungen zu erfüllen". Auch soll sich noch kein Interessent für die Klaviermanufaktur bei ihm gemeldet haben. Indes dürfte mangels Investoren in absehbarer Zeit mit der Verwertung der Vermögenwerte (Patente, Prototyp) begonnen werden.

Das für Prince gebaute metallic-violettes Hybrid-Klavier wurde später versteigert. Zuvor kam es noch bei Prince-Gedenkkonzerten in den USA zum Einsatz.

Herbe Verluste

Im Geschäftsjahr 2017 setzte Alpha Pianos rund 141.700 Euro um, der Bilanzverlust betrug aber 1,174 Millionen Euro und der operative Jahresverlust 553.000 Euro. Alleine die Löhne und Gehälter samt sozialer Aufwendungen überstiegen den Umsatz deutlich.