Infineon-Österreich-Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka mit einer Chip-Platte

© APA/GERT EGGENBERGER

Wirtschaft
03/01/2020

Großinvestition in Kärnten: „Ein langfristiges Bekenntnis“ für Infineon

Bis 2025 investiert der Halbleiterhersteller 1,6 Milliarden Euro in Villach. Ein langfristiges Bekenntnis zu Kärnten und Europa.

von Nikolaus Tuschar

Der Rohbau steht. Hoch, groß und omnipräsent thront Infineon über Villach. Insgesamt 1,6 Milliarden Euro werden laut Konzern in den Standort in Kärnten bis 2025 investiert. Das ist die größte Investition in diesem Sektor und das nicht nur in Österreich, sondern europaweit.

Herzstück der Baustelle ist eine vollautomatisierte Fabrik für Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Dünnwafern. Hier ist Infineon laut Österreich-Chefin Sabine Herlitschka Vorreiter. „So dünn und funktionsfähig bekommt die keiner auf der Welt hin“, erklärt Herlitschka den Vorzug ihres Produktes.

60.000 m2
Bei dem Bauvorhaben für die Chipfabrik mit rund 60.000 Quadratmetern entsteht keine einfache Werkshalle. Die Chips werden in speziellen Reinräumen hergestellt.

22,2 Grad Celsius
Die Temperatur im Reinraum muss  konstant bei 22,2 Grad Celsius gehalten werden.

0,04 Millimeter
Rund 12 Milliarden Chips werden pro Jahr gefertigt. Diese sind genau 0,04 Millimeter dick. Zum Vergleich: Druckpapier hat eine Dicke  von 0,11 Millimeter.

 

Klein und kaum wahrnehmbar sind Halbleiter unverzichtbare Begleiter unseres täglichen Lebens. Sie werden in Fahrzeugen, Smartphones und Ausweisen verbaut. Was aber ist ihre Kernaufgabe? Kurz zusammengefasst: Sie sorgen dafür, dass Strom effizient genutzt wird. Und das bedeutet im Umkehrschluss eine massive Reduktion an CO2-Ausstoß.

Um sich das bildlich vor Augen führen zu können: Die CO2-Einsparung durch die Chip-Jahresproduktion in Villach entspricht dem Äquivalent von 10.700 Flügen eines vollbesetzten A380 von Wien nach Singapur. Die unterm Strich eingesparten 8,4 Millionen Tonnen CO2 entsprechen rund dem Vierfachen aller jährlichen Pkw-Emissionen in Österreich.

„Was liegt, das pickt“

Baubeginn war 2019, Ende 2021 soll mit der Produktion begonnen werden. 400 neue Arbeitsplätze werden entstehen, denn trotz vollautomatischer Chip-Produktion müssen die Roboter überwacht und gewartet werden. Weiters wird am Gelände ein neuer Gebäudekomplex für Forschung und Entwicklung errichtet, wo 350 weitere Arbeitsplätze entstehen. Dieser ist zusätzlich mit 50 Millionen Euro veranschlagt.

Arbeitsplätze sind für Herlitschka die „neue Währung“ und die Investition für Infineon ein klares Bekenntnis zum Standort. „Die Finanzindustrie kann von heute auf morgen die Koffer packen, bei uns geht das nicht,“ führt Herlitschka aus. Der Konzern folgt damit der alten Kartenspielerweisheit „Was liegt, das pickt“ und setzt in Zukunft noch mehr auf das Herzstück des Konzerns im Süden Österreichs. Dieser Schachzug ist laut der Österreich-Chefin auch ein klares Bekenntnis zu Europa. Das Spiel der „Großen“ findet nämlich woanders statt.

Die drei führenden europäischen Halbleiterkonzerne kommen zusammen gerade einmal auf ein Drittel des Umsatzes von Marktführer Samsung. Der Jahresumsatz des südkoreanischen Riesen: satte 74 Milliarden Dollar. Und dennoch ist der Kampf „David gegen Goliath“ für Herlitschka einer, den es sich zu führen lohnt. „Die Kompetenzen in diesem Sektor müssen für uns in Europa klar greifbar bleiben,“ betont Herlitschka.

Beim Lokalaugenschein geht es zuerst in einen bereits existierenden Reinraum am Gelände. Hinter einer Glasscheibe lassen sich die Abläufe der Produktion verfolgen. Ein Roboterarm fährt die Decke entlang, greift sich die auf einer Platte gestanzten Chips und transportiert sie in Richtung Sammelpunkt.

Die Mikroelektronik galt zu Beginn der Siebzigerjahre als das „Rohöl der Zukunft“. Bereits 1953 war Siemens die Herstellung von hochreinem Silizium – dem Basismaterial der Mikroelektronik – gelungen. 1965 stellte das Unternehmen die erste serienmäßig gefertigte integrierte Schaltung vor, die zur Schlüsseltechnologie der modernen Technik wurde. 

Da aus einer Studie hervorging, dass im Raum Villach Arbeitskräfte zur Verfügung standen, entschied man sich, dort eine Fertigungsstätte für Halbleiter, Bauelemente und Transistoren zu errichten. 1999 wurde dann die Siemens-Halbleitersparte ausgegliedert und als Infineon an die Börse gebracht.

Was mit einer bescheidenen Zweigniederlassung in Kärnten begann, ist fünf Jahrzehnte später eine Fertigungsstätte von Weltformat. Aus der kleinen Entwicklung für Mikroelektronik der 80er wurde die größte Forschungseinheit Österreichs.  

 

 

Das schablonierte Endprodukt ist kaum größer als ein Stecknadelkopf. Chef auf der Baustelle ist Andreas Wittmann. „Im jetzigen Rohbau erkennt man erst, wie viel Aufwand für so eine Fabrik betrieben wird.“ In den Räumen, in denen wir heute noch stehen, wird die Luft in 18 Monaten über 1000-mal staubfreier sein als in OP-Sälen von Krankenhäusern.

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