Wirtschaft
05.12.2011

Griechenland: Stichwort Schuldenrückkauf

Immer mehr zeichnet sich ab, dass Griechenland über einen Rückkauf von griechischen Staatspapieren geholfen werden könnte. Die Folgen.

Der Rückkauf von griechischen Staatsanleihen kristallisiert sich als das Kernmodell der Euro-Länder für zusätzliche Hilfen an Griechenland heraus. Im Gespräch war zuletzt vor allem, ausstehende Bonds mit Geldern des provisorischen Euro-Rettungsschirms EFSF zurückzukaufen, und zwar zu einem Kurs nahe dem aktuellen - niedrigen - Marktpreis. Auf diesem Weg könnte die aus dem Ruder gelaufene Staatsverschuldung von rund 160 Prozent des jährlichen BIP merklich in Richtung 100 Prozent gedrückt werden. Welche Folgen hätte ein Rückkauf für Banken und Steuerzahler?

Der Vorteil für Griechenland

Der EFSF könnte im Rahmen des derzeit diskutierten zweiten Hilfspakets Griechenland einen Betrag X zum Rückkauf eigener Anleihen überweisen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wäre der EFSF rechtlich dazu in der Lage. Der Vorteil wäre, dass die griechische Staatsverschuldung dadurch sofort sinken würde.

Derzeit werden Hellas-Bonds mit einer Laufzeit ab fünf Jahren an der Börse nur noch zur Hälfte ihres ursprünglichen Wertes gehandelt. Nimmt man diese Kurse zum Maßstab, reichen Griechenland 50 Mrd. Euro aus, um 100 Mrd. seiner 340 Mrd. Euro Schulden zurückzukaufen. Allerdings würde Griechenland einen Aufschlag auf den Kurswert bieten müssen.

Folgen für die Banken

Für die Banken wäre ein Rückkauf von Staatsanleihen ein zweischneidiges Schwert. Der Rückkaufpreis liegt üblicherweise zwar unter dem Nennwert, aber über dem Marktpreis. Damit haben Gläubiger - Banken, Versicherungen und Fonds - einen Anreiz, die Papiere zu verkaufen. Für Banken, die ihre Griechenland-Anleihen im Handelsbuch halten, also ohnehin zu aktuellen Marktpreisen bewerten müssen, springt dann sogar ein kleiner Gewinn heraus.

Für Häuser, die die Papiere im Bankbuch halten, sie also eigentlich bis zum Ende der Laufzeit halten wollten, ist die Lage anders: Sie bilanzieren die Papiere zu Anschaffungskosten. Die Marktpreise für Hellas-Bonds liegen aber deutlich tiefer. Bei einem Verkauf müssten sie Abschreibungen verbuchen. Das kann trotzdem attraktiv für die Gläubiger sein: Denn wenn das Land zahlungsunfähig wird, müssten sie deutlich mehr abschreiben.

Die EZB

Bisher akzeptiert die EZB griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte mit Banken - allerdings mit einem Abschlag. Sollte ein Bond-Rückkauf zum Dumping-Preis von den großen Ratingagenturen den Stempel eines "teilweisen Zahlungsausfalls" erhalten, würde die EZB diese Praxis laut bisheriger Aussagen führender Notenbanker stoppen. Damit wäre den griechischen Finanzinstituten praktisch der Gang zur EZB-Tränke verwehrt, sie stünden vor dem Zusammenbruch. Zuletzt deutete sich an, dass die EZB ihre bisherige harte Haltung aufgeben könnte.

Sollte sie allerdings den Geldhahn zudrehen, sehen Fachleute noch eine allerletzte Lösung: "Dann könnte die griechische Notenbank einspringen und den einheimischen Instituten über eine Notfallkreditlinie Geld leihen - und das sogar ohne Sicherheiten", meint Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank. Ein Vorbild für eine solche Notfallkreditlinie für klamme Banken gibt es bereits in Irland.

Inzwischen werden allerdings auch Modelle diskutiert, die es mit Hilfe von Garantien der anderen Euro-Partner oder des EFSF für griechische Anleihen der EZB erlauben würden, solche Papiere auch weiterhin als Sicherheiten zu akzeptieren und damit den griechischen Banken den Zugang zu Liquidität aufrechtzuerhalten.

Folgen für die Steuerzahler

Um einen Anleihenrückkauf zu finanzieren, müsste der EFSF deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen als bisher gedacht. Damit übernähmen auch die Steuerzahler der Euro-Länder ein höheres Risiko. Denn der EFSF, der über 440 Mrd. Euro verfügt, wird von den Euro-Ländern mit Garantien von 780 Mrd. Euro abgesichert. Der österreichische Haftungsanteil soll 21,6 Mrd. Euro betragen.

Für die Kredite des EFSF muss Griechenland andererseits auch Zinsen bezahlen - allerdings deutlich weniger als am Kapitalmarkt. Sollte es trotz aller Rettungsbemühungen doch zu einer Pleite kommen, würden letztlich die Steuerzahler die Zeche zahlen.