"Hoher Goldpreis lockt Menschen an, die andere über den Tisch ziehen"
Der in den vergangenen Jahren stark gestiegene Goldpreis hat auch die Zahl der kleinen Minen wachsen lassen. Bis zu 20 Mio. Menschen sind laut Schätzungen weltweit im kleingewerblichen Bergbau beschäftigt. Von Kursen von mehr als 5.000 US-Dollar pro Feinunze haben sie aber wenig.
Die Arbeitsbedingungen in kleinen Minen in Ländern wie Ghana, Indonesien, dem Sudan oder Peru sind deutlich schlechter als im industriellen Bergbau. Sicherheits- und Schutzbestimmungen gibt es kaum. Häufig werden die Minen auch illegal betrieben. Der Abbau, bei dem in vielen Fällen Quecksilber zum Einsatz kommt, belastet die Umwelt und sorgt für Konflikte mit Bauern und landwirtschaftlichen Betrieben. Auch Kinderarbeit ist weit verbreitet.
Meist verfügen die Betreiber auch nicht über die nötigen Marktinformationen und müssen das Gold zu niedrigeren Preisen verkaufen. Die Rede ist auch von falschen Waagen und organisierter Kriminalität. "Was so einen hohen Wert hat wie Gold, lockt Menschen an, die andere über den Tisch ziehen", sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.
Fairtrade-Goldbergbau in Peru
Prämien für faire Produktion
Die Organisation versucht, die Arbeits- und Umweltbedingungen der Produzenten zu verbessern. Seit mittlerweile 10 Jahren werden in Österreich Siegel für Fairtrade-Gold vergeben und Prämien an Goldschürfer und Kooperativen ausgeschüttet, die nach ökologischen und sozialen Mindeststandards produzieren.
Sie erhalten 95 Prozent des von der London Bullion Market Association festgelegten Goldpreises sowie eine Fair-Trade-Prämie von 2.000 Dollar pro Kilogramm. Unterstützt werden derzeit 15 Produzentenorganisationen in Peru. 3.500 Mineure sind an ihnen beteiligt. Fairtrade stellt auch sicher, die Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette sicher. Das Gold müsse getrennt produziert werden, sagt Kirner.
Eingesetzt wird das Geld etwa zur Umrüstung auf umweltfreundlichere Schürfverfahren, für Schutzausrüstung oder den Bau von Schulen und Wohnungen. Was konkret mit den Prämien passiert, wird vor Ort entschieden.
Fairtrade-Goldabbau in Peru
Fünf bis zehn Prozent Aufschlag
In Österreich wird Fair-Trade-Gold von den Firmen Brüder Nowotny Collection Ruesch und Dorotheum Juwelier angeboten. Fünf bis zehn Prozent betrage der Aufschlag, sagt Friedrich Ruesch, dessen Firma auf Eheringe spezialisiert ist.
Eheringe seien emotionale Produkte, mit dem Preisaufschlag könne Minenarbeitern geholfen werden, sagt Ruesch. Sie ergänzen auch breitere Trends, etwa grüne, CO2-neutrale Hochzeiten. Der Anteil der aus fair gehandeltem Gold produzierten Ringe liegt allerdings nur im einstelligen Prozentbereich.
Rund ein Kilogramm Fairtrade-Gold werde pro Jahr in Österreich verkauft, sagt Kirner. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben.
Fairtrade-Goldringe der Wiener Firma Ruesch
Schweizer Fonds investiert in Fairtrade-Gold
Weit mehr Fairtrade-Gold verwaltet der BKB Physical Gold Fairtrade Max Havelaar der Basler Kantonalbank. 80 Prozent des Fondsvermögens werden in Gold aus zertifizierten Minen investiert. Gelagert wird es in der Schweiz. Der Goldbestand beträgt mehrere Hundert Kilogramm.
Weltweit beträgt die an Fairtrade-Gold produzierte und verkaufte Menge mehr 200 Kilogramm jährlich. Seit 2014 wurden insgesamt mehr als 6.000 Kilogramm produziert und 12 Mio. Dollar an Prämien ausgeschüttet. In Österreich sei eine Ausweitung des Angebots aktuell nicht geplant, sagt Kirner. Dafür sei die Nachfrage zu gering.
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