Erst Ansturm, dann Absturz: Wie ein Goldhändler in Wien das Kurs-Chaos erlebte
Arthur Schnitkowski musste kurzzeitig den Ankauf von Gold und Silber stoppen.
Von Jasmin Sharma
Für mehr als 7.000 Euro kauft der Goldhändler Arthur Schnitkowski einem älteren Kunden eine goldene Kette und vier kleine Goldmünzen ab. Der Herr scheint zufrieden mit dem Angebot. „Solange es noch etwas wert ist“, sagt der Kunde scherzend.
Hätte er vergangenen Donnerstag zum Höchstpreis sein Gold verkauft, wäre er mit 7.600 Euro aus dem kleinen Goldankauf in Penzing spaziert. „Machen Sie sich keine Sorgen, Gold wird immer etwas wert sein,“ versichert der Inhaber von „Wena Edelmetallhandel“ dem Kunden. Der 23-jährige Händler hat turbulente Tage hinter sich.
Historischer Preissturz
Vergangenen Donnerstag, wo Gold seinen bisher höchsten Wert in der Geschichte erreicht hat, kaufte der Unternehmer gegen 16:00 Uhr eine große Menge Gold von einem Kunden ab. Als er kurz danach versucht hat, die Schmelze zu kontaktieren, die ihm normalerweise das Gold und Silber abkauft, um es in Barren zu verarbeiten, lehnte diese sein Angebot überraschend ab. Sie können keine Kurse fixieren und somit keinen Preis anbieten.
Der Wert für eine Feinunze Gold ist plötzlich um mehr als 200 Euro abgesunken. Der Goldhändler steckt plötzlich mit der großen Menge Gold, die er gerade für einen hohen Preis gekauft hat, fest. Schnitkowski kann nur zusehen, wie der Goldwert Euro für Euro fällt. Zwar beunruhigte ihn diese Entwicklung, es sei aber eine gewohnte Nervosität. Bisher hat er das Gold von jenem Kunden noch nicht verkauft.
Der Händler wartet darauf, dass er Silber wieder für einen guten Preis verkaufen kann.
„Am Freitag musste ich dann viele Kunden wegschicken, weil ich ihnen das Gold und Silber nicht abkaufen konnte“, erzählt Edelmetallhändler dem KURIER weiter. Dadurch, dass der Kurs tagsüber immer weiter gefallen ist, konnte der Goldhändler nichts kaufen. Zu groß war das Risiko, dass der Wert weiter sinken würde und er Verluste erleiden muss.
Auch Zahngold kann beim Edelmetallhandel verkauft werden.
Der Händler kaufte aber nach wie vor Zinn und versilberte Gegenstände ab, weshalb diese Woche sein Geschäft ohne hin offen hat. Im Gegensatz zu seinem Onkel, bei dem der 23-Jährige den Goldhandel lernte. „Mein Onkel hat seine Geschäfte in Deutschland und in der Schweiz für diese Woche geschlossen. Er möchte diese unberechenbaren Preise nicht an seine Kunden weitergeben.“ Inzwischen kauft und verkauft Schnitkowski wieder Gold und Silber. Den Kunden empfiehlt er, dass sie mit dem Verkauf von Gold und Silber warten sollen, denn der Markt würde sich bald wieder normalisieren (s. Artikel rechts). Man kann einfach mit Schmuck oder Münzen vorbeikommen. Auch ein Ausweis muss mitgenommen werden.
Das Geschäftsmodell
Um mit einem Gold- und Silberankauf ein Geschäft zu machen, muss der Händler die Edelmetalle ein paar wenige Prozent unter dem aktuellen Marktwert von den Kunden abkaufen. Danach verkauft er das Gold und Silber an die Schmelzen, die ihm einen Preis bieten, der zwischen dem Preis, für den er das Edelmetall abgekauft hat und dem aktuellen Marktpreis liegt. Wenn die Schmelzen allerdings ihre Prozentsätze erhöhen, müsste das auch der Goldhändler machen.
Schnitkowski blickt positiv auf die kommenden Wochen. Er hat zwar sein Geschäft erst im Sommer 2025 eröffnet, doch wirkt es, als hätte er historische Abstürze wie diesen schon mehrfach erlebt. „Den Goldmarkt gibt es, seit es Menschen gibt. Man muss ruhig bleiben und darauf vertrauen.“
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