Erst Rekordjagd, dann massiver Absturz: Wie es jetzt mit dem Goldpreis weitergeht

Mehrere Goldbarren und gestapelte Goldmünzen liegen nebeneinander auf einer glänzenden Oberfläche.
Der Absturz zog auch Verluste bei anderen Vermögenswerten nach sich, auch Bitcoin stürzte regelrecht ab. Analysten erklären, wie es weitergehen könnte.

Zusammenfassung

  • Gold- und Silberpreise brachen nach monatelanger Rekordjagd stark ein, erholten sich aber zum Wochenbeginn leicht.
  • Auslöser des Preissturzes war die Nominierung von Kevin Warsh als US-Notenbankchef, was zu Gewinnmitnahmen und Unsicherheit über die Zinspolitik führte.
  • Analysten erwarten eine baldige Bodenbildung und sehen mittelfristig Potenzial für neue Höchststände, vor allem bei geopolitischen Spannungen.

Nach einer monatelangen Rekordjagd sackten die Preise für Gold und Silber seit Donnerstag dramatisch ab, bevor sie sich im Laufe des Montags wieder leicht erholten. Die kumulierten Verluste betrugen bei Gold zeitweise mehr als 16 Prozent, bei Silber waren es bis zu 40 Prozent

In absoluten Zahlen kostete Gold, das am vergangenen Donnerstag noch mehr als 5.500 US-Dollar je Feinunze wert war, zu Wochenbeginn weniger als 4.400 US-Dollar. Silber war am Montagvormittag weniger als 72 US-Dollar wert, nachdem es vergangene Woche noch eine Rekordhoch von mehr als 121 US-Dollar erreicht hatte. Trotz des Einbruchs sind aber sowohl Gold als auch Silber noch immer mehr wert als zu Jahresbeginn.

Goldpreis

Was ist passiert?

Nach dem massiven Anstieg der vergangenen Monate habe es nur einen kleinen Funken gebraucht, damit es zur Gegenbewegung kommt, sagt Aaron Alber, Analyst bei der Raiffeisen Bank International (RBI) zum KURIER. Der entzündete sich am Freitag, als US-Präsident Donald Trump den Ökonomen Kevin Warsh als Nachfolger von US-Notenbank-Chef Jerome Powell nominierte. Die Märkte wollten offenbar nicht so recht an eine allzu lockere Zinspolitik durch Warsh glauben. Er sprach sich zwar im Vorfeld seiner Nominierung für Zinssenkungen aus, gilt aber auch als Falke, also als Verfechter einer restriktiven Geldpolitik. Gründe, sich mit Edelmetallen gegen einen schwachen Dollar abzusichern, gab es nicht mehr zwingend. Viele Anleger hätten nun ihre Gewinne mitgenommen. 

Der Absturz bei Gold und Silber zog auch Verluste bei anderen Vermögenswerten nach sich und löste Verkäufe an den Aktienmärkten aus. Auch Bitcoin stürzte regelrecht ab. Die Kryptowährung war mit einem Kurs von weniger als 75.000 US-Dollar so billig wie seit acht Monaten nicht mehr. An den Börsen standen die Zeichen im Laufe des Montags allerdings wieder auf Erholung.  Während es in Asien noch Verluste setzte, notierte der Frankfurter DAX Montagmittag bereits wieder im Plus. 

Massive Gewinne 2025

Gold hatte im vergangenen Jahr ebenso wie Silber und andere Metalle massive Kursgewinne verbucht. 2025 betrug das Plus 65 Prozent, zu Jahresbeginn setzte sich die Rallye fort.  Treiber dafür waren unter anderem Goldkäufe durch  Notenbanken von Schwellenländern, etwa China, die sich dadurch unabhängiger vom US-Dollar machen wollten, sagt Alber. Auch die Inflationsängste, fallende Zinsen und die von Trump losgetretenen Zollkriege spielten dem Preis des Edelmetalls in die Hände. „Durch Trumps Politik ist das Vertrauen in den US-Dollar und US-Staatsanleihen angekratzt“, sagt der Analyst. Das führe dazu, dass vor allem institutionelle Investoren diversifizieren. 

Beim Anstieg von Silber und auch Kupfer, bei denen industrielle Anwendungen im Vordergrund stehen, haben auch chinesische Exportbeschränkungen bei Rohstoffen eine Rolle gespielt. Die beiden Edelmetalle seien wegen ihrer Schwankungsbreite nach wie vor als riskante Assets einzustufen. Gold habe lange Zeit als Gegenpol zu Aktien gegolten. Seien die Aktienkurse gefallen, sei Gold  gestiegen. Das sei zuletzt nicht mehr der Fall gewesen, sagt Alber: „Im vergangenen Jahr sind beide gestiegen.“

Bodenbildung in Sicht

Kurzfristig könnten noch Gewinne mitgenommen werden, sagt Alber. Der Goldpreis werde  bald einen Boden finden und sich stabilisieren. Auch Käufer von Notenbanken halten die Nachrfrage hoch, heißt es etwa bei den deutschen Analysten von Heraeus

Auf Jahressicht sieht Alber den Preis von Gold in einer Bandbreite zwischen 5.000 und 6.000 US-Dollar. Werden US-Staatsschulden Thema oder treibe Trump außenpolitische Scharmützel neuerlich auf die Spitze, könne der Goldpreis durchaus wieder auf neue Hochs klettern. 

Kommentare