Vom Erbstück zum Vermögen: Soll ich meinen Goldschmuck jetzt verkaufen – und wie?

Jul. Hügler
Beim Schmuckhändler: Gold und Silber haben Höchstpreise - aber wie verkaufen Besitzer ihre Schätze am besten?

Es ist für manche ein irritierender Moment. Ein paar Goldketterln, ein paar Anhänger, alte Ringe und Broschen – Dinge, die längst aus der Zeit gefallen sind, die keiner mehr verwendet. Beim Goldhändler dann die Überraschung. „Gestern war jemand da, der hat für seinen Goldschmuck mit ein paar Tausend Euro gerechnet. Als ich ihm sagte, das sei zusammen 67.000 Euro wert, ist er fast vom Sessel gefallen“, sagt Franziskus Kriegs-Au, bekannter An- und Verkäufer von Schmuck in der Wiener Innenstadt. In seinem Geschäft findet reger Handel statt – Menschen verkaufen, was sie haben, und kaufen, was sie schön finden. Viele würden den Wert von Gold und Silber aktuell aber stark unterschätzen. „Der Goldpreis ist so hoch, dass man den Kunden diese Preise erst mal erklären muss“, sagt der Juwelier. Und genau da liegt das Problem.

Juwelier Franziskus Kriegs-Au

Juwelier Franziskus Kriegs-Au in seinem Geschäft "Jul. Hügler" in der Wiener Innenstadt - Habsburgergasse 9

Wissen, was man hat

Dass nämlich Unwissende von manchen Händlern nicht immer ganz ehrlich behandelt werden. Da wird mitunter nicht genau gewogen, nicht genau bewertet, alles nicht ganz so genau genommen. „Das kommt immer wieder vor“, weiß Franziskus Kriegs-Au. Es würden zwar durchaus hohe Preise geboten werden, die liegen aber immer noch weit unter den tatsächlichen Edelmetallpreisen. Wer Gold, Silber, Diamanten, Edelsteine, Uhren oder Schmuck verkauft, sollte deshalb wissen, wie viel sie aktuell wert sind. Und sollte auch gut überlegen, wohin er sich für den Verkauf dieser (alten) Preziosen wendet. Institutionen wie das Dorotheum, Ögussa, Schöller Münzhandel (Tochter der Münze Österreich) oder spezialisierte Juweliere sind aber vertrauensvoll.

Zur Veranschaulichung: Ein Kilo Gold ist in seinen Abmessungen rund zwölf Zentimeter lang, fünf Zentimeter breit und knapp ein Zentimeter dick. Im Vergleich also etwa so groß wie ein durchschnittliches Smartphone. Der Wert dieses überschaubar großen Einkiloquaders? Aktuell gut 135.000 Euro.

Der Preis von Gold ist in den vergangenen Monaten und Jahren stark angestiegen, liegt aktuell bei rund 4.300 Euro bzw. 5.100 Dollar je Feinunze (das sind 31,1 Gramm). Ein Plus von fast 60 Prozent in nur einem Jahr auf Eurobasis bzw. mehr als 300 Prozent in zehn Jahren. Damals, 2016, lag der Goldkurs bei rund 1.100 Euro je Feinunze und bewegte sich im Jahresverlauf auch nicht großartig. Jetzt, seit dem Ende der Pandemie und seit 2024 besonders, jagt ein Rekordpreis den anderen.

Materialpreis – und mehr?

In den hohen Preisen liegt für Franziskus Kriegs-Au das gute Geschäft. Sein Unternehmen "Jul. Hügler" hat er 2017 wiedereröffnet – der Traditionsfamilienbetrieb ging vorher in Konkurs. Und er spezialisierte sich schnell auf den Ankauf von Schmuck und Uhren. Er ist Gold- und Silberschmied, Diamantgutachter, war Schätzmeister im Dorotheum und in der Österreich-Version der TV-Show „Bares für Rares“ Experte für Schmuck und Uhren. Kriegs-Au weiß: „Es stirbt immer wer und es gibt immer jemanden, der etwas erbt oder geschenkt bekommt. Es gibt wahnsinnig viel Altgold in Österreich – immer noch.“ Das werde sich seiner Meinung nach in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren nicht ändern, auch wenn die jüngere Generation wenig von diesen bleibenden Werten hält.

Grafik zeigt starken Anstieg von Gold- und Silberpreisen in US-Dollar seit 2021.

Gold- und Silberpreise

Für Schmuckstücke zahlt er in seinem Geschäft zumindest den Materialpreis, also jenen Ankaufswert, den Gold, Silber, Diamanten und andere Edelsteine aktuell haben. Das meiste wandere sofort in die Schmelze und wird verarbeitet. Nur besondere Stücke behält er für den Wiederverkauf in seinem Geschäft. „Die schönen Stücke erkenne ich in der Sekunde. Und ich sage meinen Kunden das auch gleich offen. Für die besonderen Objekte zahle ich dann auch mehr.“

Jedoch: Viel Spielraum für das Handwerk eines Schmuckstücks gebe es nicht. Denn generell sei Vintage-Schmuck so eine Sache. „Wir sind eine Nische, verkaufen alten Schmuck. Das ist gut für eine gewisse Klientel, die offen für Überraschungen ist und das Alte zu schätzen weiß“, erklärt er. Aber vorhersehen könne man nicht, wann und ob sich ein Schmuckstück jemals verkauft. Sein Warenlager hält Kriegs-Au deshalb auf überschaubarem Niveau. Die Ware müsse laufend rotieren, sonst sei einfach zu viel Kapital gebunden. „Ich habe Golduhren in absurdem Design, die ich zwar selbst für grandios halte, die aber wegen des Goldpreises für immer unverkäuflich geworden sind“, sagt Kriegs-Au. Und schmunzelt: „Aktuell gewinnen die Stücke in der Auslage aber täglich an Wert. Je länger sie liegen, desto mehr kosten sie. Aber das kann sich ja auch in die entgegengesetzte Richtung entwickeln.“

Richtiger Zeitpunkt?

Der stetige Preisanstieg verunsichert aber auch. Wann ist ein guter Zeitpunkt, um sich von Gold oder Silber zu trennen? Wann ist der Kurs „gut“ genug für den Verkauf? Kriegs-Au sieht das pragmatisch. „Wenn man sich für einen Verkauf entscheidet, sollte man es machen und sich nachher auch nicht ärgern“, empfiehlt er. Meist mache man ja mit dem Geld Sinnvolleres und würde sich etwas ermöglichen, das man wirklich braucht – ein Auto kaufen oder einen Dachboden ausbauen etwa. Vor allem bei Erbstücken verstehe er aber oft die Welt nicht: „Das Geerbte hat man nicht gekauft und auch nicht bezahlt, sondern geschenkt bekommen. Dass wegen Erbstreitigkeiten Familien in die Brüche gehen, ist für mich völlig absurd.“

Apropos Eigentumsverhältnisse. Die müssen genau überprüft werden, nach den Geldwäscherichtlinie und mittels eigenem Geldwäscheformular. „Ab 10.000 Euro sowieso, aber auch schon darunter müssen wir den Verkäufer fragen, woher die Wertsachen kommen und prüfen, wer Eigentümer ist“, erläutert Kriegs-Au. Der Ankauf erfolgt dann bei ihm übrigens fast immer mittels Sofortüberweisung. Der Handel mit Gold, Silber und Schmuck ist zwar Tausende Jahre alt, aber passiert dann zeitgemäß und ziemlich untraditionell: digital und direkt aufs Konto.

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