Wiener Traditionshersteller zum Goldpreis: "Verkaufen Ringe zum Tageskurs"

Die Wiener Firma Brüder Nowotny Collection Ruesch liefert 5.000 Eheringe im Monat aus. Der KURIER hat bei der Produktion zugesehen.
Wiener Traditionshersteller zum Goldpreis: "Verkaufen Ringe zum Tageskurs"

Das Gebäude im Gewerbegebiet am Rande Wiens ist eher unscheinbar. Der Firmenname findet sich lediglich am Klingelschild. Seit 1881 ist die Firma Brüder Nowotny Collection Ruesch im Schmuckgeschäft tätig. Vor mehr als 30 Jahren hat man sich auf die Herstellung von Ehe-, und Verlobungsringen spezialisiert. Täglich werden bis zu 400 Stück an Juweliere in ganz Europa ausgeliefert.

Zwei Drittel davon enthalten Gold, erzählt Geschäftsführerin Cornelia Gruber-Ruesch dem KURIER. Einige Kilogramm von dem Edelmetall werden monatlich verarbeitet. Gruber-Ruesch hat das Unternehmen, das sich seit fünf Generationen im Familienbesitz befindet, von ihrem Vater Friedrich Ruesch übernommen und leitet es jetzt gemeinsam mit ihrer Schwester Birgit Beyer-Ruesch.

Feingold, Silber, Kupfer

Grundlagen für Goldlegierungen: Feingold, Feinsilber und Kupfer.

Gefertigt wird jeder Ring einzeln, nach Eingang der Bestellung. In der Produktionshalle werden verschiedene Goldlegierungen geschmolzen. Sie bestehen aus Feingold, Feinsilber und Kupfer. Für Weißgold wird Palladium dem Feingold beigemengt. Diese Legierungen werden auf Temperaturen zwischen 1.000 und 1.300 Grad Celsius erhitzt.

Schmelzofen

Die Legierungen werden in der Induktionsschmelzmaschine erhitzt.

20 Minuten später wird das Gold abgekühlt aus der Maschine entnommen. Es wird ein Rohr geschmolzen und hat damit bereits die Ringform angenommen. In einem weiteren Arbeitsschritt wird es von der Stange gezogen und entsprechend der bestellten Maße in Form gebracht. Die Rohlinge werden zur Weiterarbeitung abgeschnitten. Je nach Design werden unterschiedliche Legierungen miteinander verbunden und die Ringe gefräst, geschliffen, poliert und graviert oder mit Edelsteinen versehen.

Ringrohlinge

Ringrohlinge in der Fertigung der Firma Ruesch.

"Spannender" Goldpreis

Wie hat sich der in den vergangenen  Jahren deutlich gestiegene und zuletzt stark schwankende Goldpreis auf das Geschäft ausgewirkt? Der Goldpreis sei vor allem in den letzten Monaten „extrem spannend“ gewesen, sagt Birgit Beyer-Ruesch. Berechnet werde in der Branche nach Tageskurs. Der gleiche Ehering könne heute etwas anderes kosten als vor zwei Wochen. 

Zwar könne man auf Erfahrungswerte und auf Basis saisonaler Effekte (in der warmen Jahreszeit wird viel geheiratet) den Einkauf planen. Gegen die Kursschwankungen absichern, könne man sich wegen der Einzelfertigung aber kaum. „Wenn wir zu einem hohen Goldpreis verkaufen, decken wir zu einem hohen Goldpreis nach und umgekehrt“, erzählt Friedrich Ruesch.

Der Anteil des Materialpreises variiert je nach Design. „Wir haben Ringe, die haben bis zu 50 Arbeitsgänge, sind aber sehr leicht. Da machen die Materialkosten weniger als 50 Prozent aus“, erzählt Ruesch. „Es gibt aber auch Ringe, die sind einfach und schwer, da machen die Materialkosten einen sehr großen Prozentsatz aus.“

Familie Ruesch

Cornelia Gruber-Ruesch (Bild links) und ihre Schwester Birigt Beyer-Ruesch haben das Unternehmen von ihrem Vater Friedrich Ruesch übernommen. 

Ringe teurer

Wegen des  Goldpreisanstiegs, aber auch wegen der Inflation ist der durchschnittliche Preis der Ringe in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Früher hat man gesagt, um 1.200 Euro geht sich ein einfaches Paar aus“, sagt Cornelia Gruber-Ruesch. Heute komme ein Paar beim Juwelier durchschnittlich auf 1.800 bis 2.000 Euro

Werden wegen des hohen Goldpreises weniger Ringe aus Gold verkauft? Bei den Stückzahlen habe es kaum Einbußen gegeben, erzählt Gruber-Ruesch. Sehr wohl greifen Kunden aber zu günstigeren Legierungen - etwa 9 oder 14 statt 18 Karat und auch zu schmäleren Ringen oder zu anderen Materialien oder Materialmischungen. Andererseits verkaufe man aber auch Siegelringe, die bis zu 5.000 Euro oder mehr kosten. „Die Schere geht weiter auseinander“, sagt Gruber-Ruesch.

Spezialisierung

Bis in die 1980er und 1990er-Jahre hat die Firma Ruesch auch anderen Schmuck, etwa Ohrringe oder Halsketten, hergestellt. Die Massenfertigung ist aber längst in Billiglohnländer wie die Türkei oder China abgewandert. Ringe seien ein beratungsintensives Produkt, sagt Beyer-Ruesch. Es müsse die Weite gemessen, die Legierung, Farbe, Steinqualität und Gravur festgelegt werden.

Die Spezialisierung auf Ringe ging auch mit einer Modernisierung des Maschinenparks einher. Früher habe man sehr viel mit der Hand, mit einfachen Pressen und Werkzeugen gemacht, erzählt Ruesch. Heute sei man mit Fräs-, Sinter- und Induktionsschmelzmaschinen auf einem sehr hohen technischen Stand. Verändert hat sich auch der Vertrieb. "Mein Großvater hat noch für den Großhandel gearbeitet und nicht direkt für Juweliere", erzählt Ruesch. Um die Abhängigkeit zu wenigen Großhändlern zu reduzieren, ist man damals dazu übergegangen, direkt den Juwelier, und somit eine breitere Masse an Einzelhändlern, zu beliefern.

Ring wird bearbeitet

Ein Ring wird bearbeitet.

Große Märkte

Der größte Markt ist Deutschland, danach kommen Österreich und die Niederlande. Wachsende Märkte findet die Firma Ruesch in Spanien und Italien. Auch außerhalb Europas will man Fuß fassen. Kontakte gebe es etwa nach Südkorea, erzählt Birgit Beyer-Ruesch. 

50 Mitarbeiter sind bei der Traditionsfirma beschäftigt. Der Großteil davon sind Goldschmiede und Techniker. Viele davon wurden auch im Unternehmen ausgebildet. Die bürokratischen Hürden dafür werden jedoch zunehmend höher und auch die Kosten steigen, beklagt Cornelia Gruber-Ruesch. Einen Lehrling bildet man aktuell  dennoch aus.

Ring

Fertiger Ring aus unterschiedlichen Metallen. 

Fairtrade-Gold

Seit 10 Jahren hat man auch Ringe aus Fairtrade-Gold im Angebot. Eheringe seien „emotionale Produkte“, sagt Friedrich Ruesch. Mit einem Preisaufschlag von 5 bis 10 Prozent könne man peruanischen Minenarbeitern helfen. Die Mehrkosten für Fairtrade fließen eins zu eins in die Gesellschaft der Kleinmineure. So können u. a. die Arbeitsbedingungen der Arbeiter verbessert werden. Der Anteil der Fairtrade-Produkte sei  im einstelligen Prozentbereich, erzählt Ruesch. Sie ergänzen sich mit breiteren Trends, etwa grünen, CO2-neutralen Hochzeiten. 

Gibt es auch Trends bei den Ringen? Aktuell sei wieder Gelbgold sehr gefragt, Weißgold gehe etwas zurück, sagt Beyer-Ruesch.

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