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Münzen und Barren
01/04/2017

Gold und Silber: Die Kehrseite der Medaille

Wie ein österreichischer Versandhändler für Münzen und Medaillen mit dem "Donauwalzer" viel Geld scheffelt.

von Kid Möchel

Der Jahreswechsel liegt zwar schon ein paar Tage zurück, doch der Donauwalzer schlägt nach wie vor Wellen. Die erste Gedenkmünze 2017 "150 Jahre Donauwalzer": Jetzt sichern – Befristetes Angebot – nur gültig bis 20. Jänner, wirbt die Wiener Versand-Firma "IMM Münz-Institut" in einem rot-weiß-rot ausgeflaggten Verkaufsfolder für eine neue Kupfer-Münze. IMM bietet allen interessierten Bürgern die Möglichkeit, die erste, streng limitierte 5-Euro-Gedenkmünze Österreich 2017 zum Tauschpreis von nur fünf Euro zu besitzen. (...) Die Abgabe ist begrenzt – pro Haushalt kann nur ein Mal bestellt werden. Außerdem erfolge die Ausgabe dieser Münze "im Auftrag der Republik", und sie ist ein amtliches Zahlungsmittel. Samt Versandkosten sind 7,95 Euro für die Münze zu berappen.

200.000 Stück

"Von einer streng limitierten Auflage kann keine Rede sein. Wir haben davon 200.000 Stück geprägt, das ist eine ordentliche Menge", sagt Andrea Lang von der Münze Österreich, Tochter der Oesterreichischen Nationalbank, zum KURIER. "Wir sind die einzigen, die Münzen ausgeben dürfen. Wird eine Münze aber verändert, verliert sie ihren Nennwert und ist keine Münze mehr, sondern nur noch eine Medaille." Das nennt man im Fachjargon auch "Veredelung".

Saftiger Aufschlag

Die IMM Münz-Institut, die eigentlich unter der komplexen Bezeichung "IMM Münz-Institut Institut für Münz- und Medaillenkunst GmbH" im Wiener Firmenbuch eingetragen ist, "veredelt" diverse Münzen zu Medaillen. Detail am Rande: Dieses Unternehmen mit Sitz in Wien-Landstraße gehört der "MDM Münzhandelsgesellschaft mbH & Co. KG Deutsche Münze" mit Sitz in Braunschweig.

Glänzende Einnahmen

Ein Beispiel: Die Münze Österreich verkauft die 5-Euro-Silber-Münze "150 Jahre Donauwalzer" um 18,60 Euro. Der Wiener Versandhändler IMM hat diese Münze mit etwas Gold behübscht und verlangte laut Homepage für das Sammlerstück ursprünglich 64,90 Euro. Nun wird diese Medaille zum Schnäppchen-Preis von 29,90 Euro angeboten. "Die Teil-Vergoldung steigert den Materialwert nicht wirklich", sagt ein Experte.

230 Prozent Aufschlag

Ein weiteres Bespiel: Für einen Zwei-Gramm Goldbarren mit der Aufschrift "150 Jahre Donauwalzer" verlangt IMM laut Homepage 279 Euro inklusive 20 Prozent Mehrwertsteuer. Zum Vergleich: Ein Zwei-Gramm-Goldbarren kostete am Dienstag bei der Münze Österreich 84,50 Euro – steuerfrei. Unterm Strich ergibt das eine Preis-Differenz von rund 230 Prozent.

Keine Wertanlage?

"Die Gestaltung und alles, was darum herum ist, muss ja auch bezahlt werden", sagt IMM-Prokuristin Eva Strehly zum KURIER. "Bei Banken kann man davon ausgehen, dass es um die Tageskurse geht, aber nicht im Münzhandel." Nachsatz: "Ich nehme auch nicht an, dass jemand bei uns etwas kauft, um es gleich wieder am Markt zu verkaufen." Außerdem bewerbe die IMM diese Medaillen und Barren nicht als Wertanlage, sondern als Sammlerstücke.

Das kleine Edelmetall-ABC

Münzen sind Metallgeld mit genau festgelegtem Gewicht bzw. „Feingehalt“ und aufgeprägtem Nennwert. Sie werden von der Münze Österreich hergestellt und von der Nationalbank in Umlauf gebracht. Münzen sind immer offizielles Landes-Zahlungsmittel.

Medaillen

Werden die Münzen nachträglich verändert, verlieren sie ihren Nennwert und sind keine offiziellen Zahlungsmittel mehr, sondern nur noch Medaillen.

Steuern

Beim Kauf von Anlagegold (Münzen, Barren) fällt in der Regel keine Mehrwertsteuer an, wenn die Aufschläge auf den Marktpreis geringer als 80 Prozent sind. Bei Silber fallen 20 Prozent Mehrwerststeuer an.

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