Demo gegen die Verlängerung von Glyphosat

Vielerorts gibt es Proteste gegen Glyphosat.

© APA/dpa/Kay Nietfeld / Kay Nietfeld

Wirtschaft
02/27/2020

Glyphosat-Klagen: Kriegskasse von Bayer ist prall gefüllt

Die Zahl der Glyphosat-Klagen gegen Bayer ist weiter gestiegen. Bayer hat aber genug Cash für den Mega-Rechtsstreit.

von Wolfgang Unterhuber

Dem Pharma- und Agrarchemiekonzern geht es gut. Im vergangenen Jahr schnellte der Konzernumsatz um 18,5 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro nach oben.

Mehr als doppelt so viel Gewinn

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um rund 28 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro zu.

Unter dem Strich verbuchte Bayer gut vier Milliarden Euro Gewinn auch dank des Verkaufs von Unternehmensteilen. Das ist ein Plus von 141 Prozent.

Die deutlichen Zuwächse resultierten aus der umstrittenen Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto.

Zudem profitierte Bayer unter anderem von einem Wachstum der Pharmasparte und einer Erholung des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten.

Zu den gefragtesten Mitteln zählten der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.


Gute Geschäfte

Weil in wenigen Jahren der Patentschutz unter anderem für diese beiden Medikamente ausläuft, stärkt Bayer die Pharmasparte und sicherte sich so etwa vor rund einem Jahr die Rechte am Krebswirkstoff Larotrectinib.

Und auch beim Prostatakrebsmittel Darolutamid, das unter dem Markennamen Nubeqa verkauft wird, gab es Fortschritte. Es ist bereits in den USA und Japan zugelassen. Bald dürfte es voraussichtlich in Europa auf den Markt kommen.

Die Verkäufe des Tiermedizingeschäfts sowie der US-Fußpflegemarke Dr. Scholl's und der Sonnenschutzmarke Coppertone trieben den Gewinn kräftig an.

Mit den Milliarden kann der Konzern seinen Schuldenberg abtragen, der durch den Kauf von Monsanto stark gestiegen ist.

5.900 neue Glyphosat-Kläger

Das Geld kann Bayer aber auch gut gebrauchen, um den möglichen außergerichtlichen Vergleich mit den Glyphosat-Klägern zu erreichen.

Dieser könnte den Konzern nach Einschätzung von Analysten zwischen acht und zwölf Milliarden Dollar kosten.

Seit Monaten versucht der US-Staranwalt Ken Feinberg, eine Einigung zwischen Bayer und den US-Klägern zu erreichen.

Dass zuletzt mehrere geplante Gerichtsverfahren verschoben worden waren, hatte Spekulationen befeuert, dass es nicht mehr lange bis zu einer Einigung dauern könnte.

Doch Vorstandschef Baumann machte dazu keine Angaben. Er sagte nur, in dem Mediationsverfahren solle ausgelotet werden, ob ein Vergleich "zu vernünftigen Bedingungen erreichbar ist".

Die Glyphosat-Klagewelle gegen Bayer ebbt unterdessen etwas ab. Die Zahl der Kläger wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters erhöhte sich bis zum 6. Februar zwar um rund 5.900 auf etwa 48.600.

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