China vor einem heiklen Schwenk: Bisher haben üppige Kredite die Exporte angekurbelt, künftig soll der Konsum das Wachstum tragen.

© EPA/ZHANG ZHI

Globaler Ausblick
04/08/2014

IWF warnt Eurozone vor Deflation und Schuldenexplosion

IWF mahnt EZB, rasch zu handeln - Chinas Schwächeln und Krim-Krise sind weitere Risiken.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Besser früher als später!" Die Europäische Zentralbank soll rasch aktiv werden, um die bedrohlich gesunkene Inflationsrate zu bekämpfen, fordert der Internationale Währungsfonds. Sonst könnte der Euroraum sogar in die Deflation fallen, warnte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard am Dienstag: "Besonders die Länder im Süden hätten es dann ganz schwer, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern." Der IWF beziffert die Wahrscheinlichkeit für die Eurozone mit 20 Prozent. Von Deflation spricht man, wenn Preise und Löhne dauerhaft auf breiter Front sinken.

Für Notenbanker ein Horrorszenario: Die Staatsschulden stiegen automatisch, die Budgetsanierung wäre fast aussichtslos. Und es würde ganz schwierig, die stagnierende Wirtschaft zurück auf den Wachstumspfad zu bringen. Neben einer gelockerten Geldpolitik sei es ebenso wichtig, dass die Bankbilanzen aufgeräumt werden und die Nachfrage angekurbelt wird, betonte der Franzose.

Wachstumsmotor USA

Für bedrohlich hält der IWF auch das Schwächeln großer Länder wie China und die Krim-Krise. Die Schwellenländer müssen sich auf einen holprigen Pfad einstellen – so wie schon im Sommer 2013 und Anfang 2014.

Für den globalen Ausblick hatte der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland bis dato keine Folgen, sehr wohl aber für Russland: Der IWF senkte die diesjährige Wachstumsprognose von 1,9 auf 1,3 Prozent. Eine Eskalation der Krise hätte "bedeutende negative Effekte für die gesamte Region".

Zum Motor unter den reichen Staaten entwickeln sich die USA, deren BIP heuer voraussichtlich um 2,8 Prozent und nächstes Jahr um 3 Prozent zulegen wird. Großbritannien soll dank üppiger Geldspritzen und staatlich geförderter Billigkredite um 2,9 Prozent wachsen. Der IWF warnt jedoch: Das britische Wachstum sei unausgewogen – die Häuserpreise steigen rasch, Exporte und Investitionen schwächeln.

Das Wachstum der Weltwirtschaft soll sich von drei Prozent Plus im abgelaufenen Jahr auf 3,6 (2014) bzw. 3,9 Prozent (2015) beschleunigen. Vor drei Monaten war der Fonds sogar eine Spur optimistischer gewesen.

Österreich wird laut IWF 2014 und 2015 mit je 1,7 Prozent Plus etwa gleichauf mit Deutschland wachsen und somit weiterhin die Eurozone übertreffen.

Gedanken macht sich der IWF auch, wie die Industriestaaten ihre schwachen Wachstumschancen verbessern können. Dazu seien eine bessere Arbeitsmarktpolitik und die Öffnung für mehr Wettbewerb nötig, sagt Blanchard. Das Wachstum könnte aber auch belebt werden, wenn die Staaten abschlanken und ihre Investitionsschwerpunkte überdenken. Als Problem und Wachstumshemmnis sieht der IWF zusehends die ungleiche Vermögensverteilung in der Welt.

Zukunftsfähig?

Die IWF-Prognose stimmt optimistisch: Österreichs Wirtschaft wächst ähnlich gut wie die deutsche. Kleiner Spaßverderber-Einwand: Ein dickes Ende ist nicht ausgeschlossen, allerdings zeitverzögert. Noch zehren wir von einer guten Ausgangslage in der Vergangenheit, etwa im Bildungsbereich. Aber die Zukunftslasten wiegen schwer, wie Studien zeigen. Und da geht es bei Weitem nicht nur um die Hypo. So hat uns die Bertelsmann-Stiftung gerade den Stempel "bedingt zukunftsfähig" aufgedrückt. Es gibt Nachholbedarf bei Bildung, längerem Arbeiten und speziell bei Innovationskraft. Skandinavische Länder und die Schweiz sind hier Spitze, wir sind es nur bei Steuern. Österreich überholt hier sogar gerade Schweden, das seine exorbitant hohe Steuerquote gesenkt und Pensionsreformen längst eingeleitet hat.

Das Beratungsunternehmen Deloitte hat in einem Standort-Radar das komplizierte heimische Steuersystem kritisiert. In der Politik mehren sich zwar die Wünsche nach einer Steuersenkung, aber niemand würde es wagen, wie es die Deloitte-Experten empfehlen, radikal die "Reset-Taste" zu drücken.

Das wäre übrigens auch in anderen Bereichen ratsam, etwa bei der Verwaltung und bei der Durchdringung der Wirtschaft mit Politik, wie soeben ein KURIER-Bericht gezeigt hat: Wenn sich der Begas-Direktor beim burgenländischen Landeshauptmann schriftlich damit brüstet, acht Jobs an Rote und einen an die ÖVP vergeben zu haben, dann ist dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ...

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