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Wirtschaft
02/20/2020

Glänzt Gold weiter? Viele Argumente sprechen dafür

Preisrekord in Euro. Goldexperte sagt weitere Anstiege voraus - auch weil die Rezessionsangst zunimmt.

von Christine Klafl

„Gold ist der siebente Sinn der Finanzmärkte, praktisch das Bauchgefühl“, sagt Roland Stöferle. Behält der Goldexperte und Managing Partner der Vermögensverwaltungsgesellschaft Incrementum recht, braut sich auf den Finanzmärkten ein Gewitter zusammen. Am Mittwoch stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) kurz nach Mittag auf über 1.611 US-Dollar. So teuer war das Edelmetall zuletzt 2013. Weil der Dollar aktuell recht kräftig ist, erreichte der Goldpreis in Euro mit mehr als 1.492 Euro ein Rekordhoch. An vielen Aktienbörsen gab es am Mittwoch allerdings auch Gewinne. Warum schlägt dann der Krisenseismograf Gold derart aus?

Stöferle hat dafür mehrere Argumente zur Hand. Zum einen würden sich „die Rezessionswolken verdichten, früher oder später wird die Rezession kommen“. Was schlecht für die Aktienbörsen wäre, ließe Gold heller glänzen. Das grassierende Coronavirus wird die Weltwirtschaft zwar (hoffentlich) nicht in die Rezession stürzen können. Sehr wohl werden aber etliche Bereiche leiden.

Rezessionsgefahren

Als Beispiel nennt Stöferle die Mobilfunkmesse in Barcelona, die aus Angst vor dem Coronavirus abgesagt worden ist. „Damit ging eine Wertschöpfung von 500 Millionen Euro verloren, so etwas verstärkt Rezessionsgefahren“, kalkuliert der Goldexperte.

Mangel an Alternativen

Die Wirtschaft in vielen Ländern wächst, wenn auch nicht berauschend. Im Vergleich dazu sind die Aktienmärkte blendend unterwegs, an vielen von ihnen werden neue Rekorde aufgestellt. Das hat allerdings vor allem damit zu tun, dass es Klein- und Großanlegern an Alternativen mangelt. Rund um den Globus weisen Staatsanleihen im Volumen von fast 13.000 Milliarden Euro Renditen im negativen Bereich aus. Sollten die Zinsen jemals steigen – was derzeit nicht absehbar ist –, werden Anleger aus alten Anleihen flüchten. „Gold wäre dabei ein wesentlicher Profiteur“, sagt Stöferle.

Zinstief

Noch muss der Anleger allerdings mit der Welt der Null- und Negativzinsen leben. Die Suche nach Rendite hat dazu geführt, dass sich bei manchen Veranlagungen zumindest Preisbläschen gebildet haben. Dazu zählen manche Technologie-Aktien, Immobilien oder auch Kunst. Platzen derartige Blasen, hat sich in der Vergangenheit gezeigt: Gold zählt zu den Profiteuren.

Politische Krisen haben dagegen meist nur kurz Auswirkungen auf den Preis des Edelmetalls.

Seit der Schulden- und Eurokrise 2011 hat sich der Goldpreis alles andere als berauschend entwickelt. Im Vorjahr setzte das Edelmetall allerdings zum Aufschwung an. In 70 Währungen rund um den Globus gab es neue Rekordstände, in anderen zumindest gute Entwicklungen (siehe Grafik). Das hat auch damit zu tun, dass Notenbanken im Gegensatz zu früher Gold für ihre Währungsreserven kaufen, um sich vom US-Dollar unabhängiger zu machen.

Vom Allzeithoch von gut 1.920 US-Dollar (erreicht am 6. September 2011) ist der Preis für eine Unze allerdings noch weit entfernt. Auch ganz ohne große Krisen – wohin könnte der Preis in absehbarer Zukunft noch klettern? „Auf Sicht von einem Jahr in Richtung 1.800 Dollar“, sagt Stöferle voraus.

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