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GfK-Umfrage
10/18/2013

Sparen? Unter dem Kopfpolster

Die Österreicher wissen nicht recht, wohin mit dem Ersparten. So wird das Geld vermehrt zu Hause gehortet.

Die Verunsicherung unter der österreichischen Bevölkerung, was sie mit ihrem Ersparten machen sollen, hat im dritten Quartal 2013 einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Trend, das eigene Geld gar nicht auf die Bank zu tragen oder in ein Finanzprodukt zu investieren, sondern zu verbrauchen oder zu Hause unter das Kopfkissen oder sonst wohin zu legen, hat sich laut einer aktuellen GfK-Umfrage am deutlichsten verstärkt. Einzig Aktienveranlagungen waren ebenfalls wieder leicht im Aufwind, während alle anderen Spar- und Veranlagungsformen an Terrain verloren oder sich nur behaupten konnten.

"Es herrscht große Unsicherheit, wie künftig eigenes Geld veranlagt werden soll, was sich rentiert und was sicher ist", fasste ein GfK-Experte am Donnerstag bei den 6. VÖIG-Fondstagen in Bad Ischl die Ergebnisse in seinem Vortag zusammen. Für die Österreicher gelte nach wie vor die Devise: "Absicherung geht vor Risiko".

Bilder: So spart Österreich

Die Sparzinsen sind im Keller – und werden "noch ein paar Jahre niedrig bleiben", so Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank.

Entsprechend ist die Lust am Sparen ist in den vergangenen Jahren gesunken: Nur 72 Prozent halten es aktuell "wichtig, Geld beiseitezulegen". 2009 waren es noch etwa 80 Prozent. Das zeigt eine aktuelle IMAS-Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.

Dennoch sparen die Österreicher mehr – der monatliche Sparbetrag wuchs heuer gegenüber dem Vorjahr von durchschnittlich 170 auf 181 Euro an.

Die Motive für das Sparen sind hauptsächlich finanzielle Absicherung und geplante größere Anschaffungen.

Fast jedem zweiten Sparer (45 Prozent) ist die Verzinsung am Sparbuch "sehr wichtig".

Für die überwiegende Mehrheit zählten Werte wie Sicherheit (70 Prozent) und schnelle Verfügbarkeit (60 Prozent) aber stärker.

Nur etwa jeder Zweite kennt den Zinssatz auf seinem Sparbuch, rund ein Drittel hat diesbezüglich "gar keine Ahnung".

APA/BARBARA GINDLAPA6517408-2 - 18012012 - SALZBURG - ÖSTERREICH: THEMENBILD - Illustration zum Thema "Sparen, Anlage und Zahlungsverkehr". Im Bild: Ein Sparbuch und Geldscheine in einem Geldinstitut am Freitag, 13. November 2009, in Salzburg (gestellte

Der Anteil der Bausparer ist seit 2010 von 58 auf 66 Prozent gestiegen.

Lebensversicherungen bewegen sich mit einem Anteil von 41 Prozent auf stabilem Niveau.

Rund jeder Vierte zahlt in die staatlich geförderte Pensionsvorsorge ein.

Auf Wertpapiere und Fonds setzt ebenfalls rund ein Viertel.

Österreicher erledigen ihre Bankgeschäfte auch immer öfter online. Rund ein Drittel loggt sich ein- oder mehrmals die Woche ein, um Bankgeschäfte zu erledigen. 15 Prozent nutzen netbanking fast täglich.

11 Prozent der Österreicher – also rund 800.000 Personen - nutzen bereits Banking-Apps. Die Zahl der Nutzer steigt überproportional stark an, so die Studie.

Was die Lust am Sparen fördern kann, sind neue Sparformen: 13 Mio. wurden bereits übers Smartphone bzw. als Rundungsbetrag beim Einkaufen auf die Sparbücher gelegt. Mit dem Sparbuch am Smartphone (Impulsspar-App) wurden hierzulande von Kunden der Erste Bank und Sparkasse bereits 5,7 Mio. Euro spontan per Knopfdruck angespart.

Über Rundungssparen, wo beim Einkaufen automatisch zum nächsten Euro aufgerundet wird und der Differenzbetrag auf ein Sparbuch wandert, sind schon 7,3 Mio. Euro gespart worden. Die neuen Sparformen wurden voriges Jahr eingeführt.

Im Detail

Der Bausparvertrag konnte laut dem GfK-Anlage-Barometer seine führende Position in der Beliebtheit unter den Anlageformen mit 40 Prozent Zustimmung verteidigen, verlor allerdings gegenüber dem vorangegangenen Quartal 3 Prozentpunkte.

Nicht viel besser ist es dem Sparbuch ergangen, es sackte in der Beliebtheit auf 38 nach 41 Prozent ab.

Das Interesse am Kauf von Grundstücken hat sich weiter auf 29 Prozent abgekühlt.

Lebensversicherungen konnten sich stabil bei 22 Prozent halten und haben Gold überholt, das nur mehr bei 20 Prozent statt bisher 24 Prozent auf Interesse stieß.

Ebenfalls verloren hat die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge (von 18 auf 16 Prozent).

Zu Hause sparen erlebte dagegen einen Boom und verbesserte sich von 11 auf 14 Prozent Zustimmung. Die private Zusatzpension verharrte bei 13 Prozent.

Schlusslichter bilden wie gewohnt die Wertpapierkategorien Aktien und Investmentfonds. Während sich Aktieninvestments im dritten Quartal einer steigenden Beliebtheit von 10 Prozent (nach 9 Prozent) erfreuen konnten, stagnierte das Interesse an Investmentfonds bei 9 Prozent.

GfK führt für das Anlage-Barometer jährlich 18.000 Interviews durch, die Auswertung erfolgt jeweils quartalsweise.

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