Wirtschaft
07.06.2018

Gewinne in Osteuropa sind höher als Österreichs EU-Beitrag

Direktinvestitionen: Firmen erzielten Profit in Höhe von 1,2 Prozent des BIP. Der EU-Nettobeitrag waren 0,27 Prozent.

Natürlich, die Zahlen ließen sich nicht ohne Weiteres vergleichen, räumt Gabor Hunya, Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), ein: „Das eine sind Staatsausgaben, das andere private Gewinne.“ Aber bemerkenswert sind die Zahlen doch.

Die Investitionen von Österreichs Unternehmen in den osteuropäischen EU-Ländern sind hochprofitabel. Im Vorjahr haben sie Gewinne in Höhe von 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) abgeworfen. Zum Vergleich: Österreichs Netto-Beitrag zum EU-Budget betrug 2016 rund 0,27 Prozent des BIP.

Nun besteht der Nutzen der EU-Mitgliedschaft nicht allein darin, den Firmen Gewinne im Ausland zu ermöglichen. Ebenso wenig sind diese nur auf die EU zurückzuführen. Ganz abwegig sei der Zusammenhang nicht, erklärt Hunya: „Ein großer Teil von Österreichs Einzahlungen ins EU-Budget hat dem Aufbau der Infrastruktur in den neuen Mitgliedsländern gedient.“ Was wiederum den Investoren hilft, höhere Gewinne zu erzielen.

Diese sind in Osteuropa überdurchschnittlich hoch: Die Region liefert ein Drittel der weltweiten rot-weiß-roten Erträge, obwohl nur ein Viertel des gesamten Geldes dort eingesetzt wird. Österreich blieb auch im Vorjahr der drittwichtigste Direktinvestor in der Region. An der Spitze liegen die Niederlande, was mit deren Steuersparmodellen zusammenhängt, gefolgt von Deutschland.

Neuer Nationalismus

Insgesamt hat sich der Zustrom ausländischer Investitionen um ein Viertel auf 72 Milliarden Euro eingebremst. Das sei eine Rückkehr zur Normalität nach dem Rekord von 96 Milliarden Euro (2016). Nur der Westbalkan verzeichnete 2017 ein Plus.

Neuansiedlungen boomen weiter, aber bei weniger Investitionskapital. Die entstehenden 220.000 neuen Arbeitsplätze zu besetzen könnte schwierig werden, glaubt Hunya. Der Arbeitskräftemangel behindere zusätzliche Investitionen.

Zudem zeigt sich in einigen Ländern ein neuer Wirtschaftsnationalimus: Unternehmen werden in die Hand inländischer Investoren zurückgeholt – etwa Medien- und Telekomfirmen in Tschechien. Manche werden rückverstaatlicht, wie die vormalige UniCredit-Tochter Pekao Bank, die an eine staatliche Versicherung überging. In Ungarn schrumpften ausländische Beteiligungen im Energie-, Telekom- und Bankensektor, fast das gesamte ausländische Geld floss in die produzierende Industrie.

Österreichs Nachbarländer sind mittlerweile ein großer Automobil-Cluster geworden. Sollten die USA (wie angedroht) die Importzölle auf Autos anheben, würde dies auch den Zulieferern in Mittel- und Osteuropa schaden.