Wirtschaft
12.11.2018

Gewerkschaft steigert während Metaller-Warnstreiks Drohpotenzial

Arbeitnehmer fordern "substanzielles Angebot". Sonst ganzer Tag Ausstand nächsten Montag.

Nach dem Beginn der Warnstreiks in der Metalltechnischen Industrie hat die Arbeitnehmerseite ihr Drohpotenzial am Montag weiter erhöht. Gebe es keine neue Verhandlungsrunde mit einem "substanziellen Angebot, wird es am 19. November richtig ernst", sagte Arbeitnehmerverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE/FSG). Die Arbeitgeber bekräftigten am Montag, bereits ein substanzielles Angebot gelegt zu haben.

Die Arbeitnehmer wollen APA-Informationen zufolge kommenden Montag ganze Schichten ausfallen lassen - also die Arbeit für acht Stunden niederlegen und nicht nur für zwei bis drei während der laufenden Warnstreiks - gibt es bis dahin keine deutlichen Fortschritte in den Verhandlungen.

Die Arbeitgeberseite bekräftigte am Montag auch nach der Erhöhung des Drohpotenzials seitens der Gewerkschaft, bereits ein substanzielles Angebot gelegt zu haben. Freilich wolle man auch weiterverhandeln hieß es auf die Frage, ob man das Angebot von 2,7 Prozent mehr Lohn/Gehalt nachbessern werde. Angebote würden nicht über die Medien ausgerichtet, dafür seien die Verhandlungen da. "Die Gewerkschaften kritisieren Stilfragen, liefern aber keine seriöse Begründung für ihre Ablehnung", kritisierte der Sprecher der Verhandler auf der Arbeitgeberseite, Christian Knill noch vor der neuen Ausstandsdrohung in einer Aussendung. Man habe bereits einen ordentlichen Schritt Richtung Kompromiss gemacht, so Knill.

Metaller-KV: Gewerkschaften rufen zu Warnstreiks auf

Das hörte sich bei Wimmer im Gespräch mit der APA ganz anders an: Er betonte neuerlich, dass das Angebot viel zu niedrig sei. Außerdem ließ er keinen Zweifel offen, dass nun einmal die Arbeitgeber am Zug seien. Man sei gesprächsbereit, aber: "Wir werden in Verhandlungen treten, wenn die Arbeitgeber bereit sind, ein substanzielles Angebot zu machen. Wir lassen uns nicht wieder - wie die vergangenen vierzig Verhandlungsstunden - an der Nase herumführen."

Der Rückhalt für die (Warn-)Streiks sei groß unter den Beschäftigten, sagte Wimmer. Viele würden sagen "endlich rührt sich etwas". Tausende Menschen würden dieser Tage die Arbeit für zwei, drei Stunden niederlegen.

Dass sich heute die Regierungsspitze neuerlich zum Metaller-KV äußerte, goutierte Wimmer nicht. Das sei nur "eine Masche": Jene, die die Warnstreiks nun indirekt kritisieren würden, seien auch jene, die nach einem ordentlichen Abschluss gerufen hätten, so Wimmer in Richtung Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ).

Streik sei zwar als letztes Mittel legitim, es gelte aber, aufeinander zuzugehen und "nicht politische Ersatzgefechte am Rücken von Arbeitnehmern und Betrieben zu führen", so Kurz und Strache in einem gemeinsamen schriftlichen Statement gegenüber der APA. Die beiden Politiker appellierten an die Sozialpartner. Nach den Worten Straches solle "nicht den Weg des Widerstandes zu gehen, sondern den der Gemeinsamkeit und sich solange an einen Tisch zu setzen, bis es eine für beide Seiten zufriedenstellende Einigung gibt".

Derzeit - von heute bis Mittwoch - finden mehr als 200 Warnstreiks in ganz Österreich statt. Am Montag war in Wien beispielsweise die Collini GmbH betroffen, deren Geschäftsführer, Johannes Collini, auf Arbeitgeberseite den Metaller-KV mitverhandelt.

Vorige Woche war die fünfte Runde im Metaller-KV - der streng genommen aus sechs einzelnen KVs besteht - gescheitert. Konkret scheiterten die Gespräche für die Metalltechnische Industrie, in der 130.000 von insgesamt 190.000 Metallern arbeiten. Bisher orientierten sich die Abschlüsse in den fünf anderen Bereichen bis auf minimale Details gänzlich am KV für die Metalltechnische Industrie. Das will Wimmer, wie er heute bekräftige, auch "mit aller Kraft verteidigen".

Heute, morgen und am Mittwoch gibt es KV-Gespräche in den kleineren Metaller-Bereichen. Abschlüsse werde es hier erst nach einem Abschluss bei der Metalltechnischen Industrie geben, so Wimmer. Heute seien die Gespräche in der Fahrzeugindustrie auch "konstruktiv" gelaufen, sagte er. Warnstreiks gibt es dort keine. Wie es in den einzelnen Metaller-Teilbereichen weitergehe, wisse man erst ganz am Ende, so Wimmer.