In China werden an jeder Ecke Autos verkauft. Neben europäischen Herstellern können auch deren Zulieferer davon profitieren. Sofern sie auf das richtige Produkt setzen.

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China
06/28/2014

Geschäfte in China: "Da verbrennt man nur Geld"

Experte Michael Sikora rät davon ab, mit einfachen Produkten reüssieren zu wollen.

von Robert Kleedorfer

Der Österreicher Michael Sikora lebt seit 2005 in Schanghai. Er hat die Automotive Business Consulting (abc) gegründet, die Zulieferer, Importeure und Hersteller bei ihrer Tätigkeit in China berät, darunter voestalpine, Pankl, Continental, Bosch oder Leoni. Seit 2012 ist er zudem Finanzchef des chinesischen Maschinenbauers Company.

KURIER: Wann werden die ersten chinesischen Autos auf Österreichs Straßen fahren?

Michael Sikora: Wir haben schon Werksbesichtigungen und Testfahrten organisiert. Aber ich bin in meinen Prognosen vorsichtig. Denn das preisbewusste Segment ist in Europa schon ziemlich abgedeckt. Zudem sind Chinesen Pragmatiker. Der Markteintritt in Ägypten etwa ist einfacher und der eigene Markt wächst ohnehin.

Umgekehrt hat man den Eindruck, dass alle europäischen Hersteller und wichtige Zulieferer schon in China sind.

Die Spitzen- und Leitbetriebe sind alle da. Für einfache Produkte ist aber der Zug abgefahren. China ist kein Emerging Market mehr. Wer glaubt, als Werkzeugbauer oder Spritzgusserzeuger hier willkommen zu sein, hat den falschen Ansatz. Da verbrennt man nur Geld. Für Betriebe mit weniger als 50 bis 60 Millionen Jahresumsatz zahlt es sich in der Regel nicht aus.

Um welche Produkte geht es dann?

Die Benchmark ist, ob die Technologie in China gefragt ist und wie konkurrenzfähig die Produkte lokaler Hersteller sind. Gefragt sind beispielsweise Sicherheitssysteme wie Airbags. Oft bringt der Hauptkunde eines Zulieferers diesen unter Zugzwang, mit dem Kunden mitzugehen. Dann macht man sich auf die Reise.

Gibt es Probleme für Zulieferer bei Gründung eines Tochterunternehmens in China?

Es gibt klare und einheitliche Prozedere der Firmengründung. In einer Art "One-Stop-Shop", der sogar mehrsprachig ist, ist innerhalb von drei Wochen alles erledigt. Das habe ich 2005 noch anders erlebt.

Das hört sich positiv an. Aber es gibt doch sicher auch Probleme in der täglichen Arbeit.

Die Geschwindigkeit hier ist eine andere und erschwerend sind die unterschiedlichen Zeitzonen. Das braucht Disziplin. Mühsam sind auch Banküberweisungen. Man benötigt Unterschriften und Stempel. Hintergrund ist der Versorgungsgedanke des Staates. Die Menschen brauchen Arbeit.

Wie schaut es mit den Lohnkosten aus?

Das Lohnniveau hat sich dem internationalen angenähert, ist aber regional unterschiedlich. In der Provinz ist ein Mitarbeiter zwei bis drei Mal günstiger, die Frage ist aber, ob ich dort qualifizierte Leute bekomme. Im Landesdurchschnitt beträgt das Bruttogehalt beispielsweise für Techniker 18.000 Renminbi (2100 Euro) im Monat. Bei Managern können es 35.000 Renminbi (4100 Euro) sein.

Was schätzen Sie an der Arbeit mit Chinesen?

Sie sind paktfähig, zielorientiert und pragmatisch, reden nicht lange herum und drängen auf eine Entscheidung. Strategieänderungen sind hier nicht üblich, Vereinbarungen werden gehalten. Und es gibt wenig Probleme mit der Qualität von Erzeugnissen. Wenn doch, verlaufen Nachverhandlungen auf sachlicher Ebene. Und wer mit Mitarbeitern gut umgeht und als Führungskraft wahrgenommen wird, den erwartet Loyalität.

Welche Klischees von Chinesen stimmen nicht mehr?

Die Scheu vor dem Westen haben sie abgelegt. Viele haben im Ausland studiert, sprechen Englisch. Visitenkarten in einer Zeremonie mit beiden Händen zu überreichen, ist Schnee von gestern.

Michael Sikora

Karriere

Der 1962 in Wien geborene Sikora studierte nach seiner Ausbildung zum Maschinenbauer erfolgreich Betriebswirtschaft und Handelswissenschaften. Daneben arbeitete er in einem Architekturbüro, bei der Creditanstalt sowie bei der EU-Kommission in Brüssel. Weitere Stationen waren Industriellenvereinigung, Ericsson Business Data und HP.

Automotive

2001 startete Sikora in der Autobranche durch. Zunächst als Chef des Automotive Cluster Vienna, 2004 ging er als Chief Representative der Logistikfirma Cargo Partner nach Schanghai. Dort baute er später für Hirtenberger Automotive die Repräsentanz auf. Der Hobbysportler (Segeln, Golf, Kraftsport) spricht auch Englisch, Französisch und Chinesisch.

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