Wirtschaft
22.07.2017

Geldanlage: "Es kommen fünf magere Jahre"

Mit steigenden Kursen bei Staatsanleihen ist es vorbei, sagt Berater Gerhard Rehor.

Können Sie sich noch erinnern, was Sie am 28. September 2016 getan haben? Unternehmens- und Vermögensberater Gerhard Rehor ist überzeugt, dass dieser herbstliche Mittwoch in die Wirtschaftsgeschichte eingehen wird. An diesem Tag sei die 27-jährige Talfahrt der Renditen deutscher Staatsanleihen zu Ende gegangen. An diesem 28. September erreichte die Rendite mit minus 0,145 Prozent ein Rekordtief. Das heißt, Anleger waren bereit, sogar Geld draufzulegen, um die als bombensicher geltenden Papiere zu bekommen. Seit damals ging es mehr oder weniger bergauf – auf mittlerweile mehr als 0,5 Prozent Plus (siehe Grafik unten). Auslöser für die Trendwende gab es eigentlich keinen, aber tiefere Renditen wollten die Investoren offenbar nicht mehr akzeptieren.

Die seither steigenden Renditen bedeuten im Umkehrschluss, dass es mit den Anleihekursen nach unten gegangen ist (Rendite ist das Verhältnis von fixem Zinssatz zum Kurs). In den vergangenen Jahren haben Anleger, die sich für Anleihenfonds entschieden haben, davon profitiert, dass die Kurse immer weiter gestiegen sind. Damit ist es vorbei, sagt Rehor voraus. "Eines muss klar sein: Es kommen fünf wirklich magere Jahre auf uns zu", warnt der frühere Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Er hat jetzt bei großen Fondshäusern, auch solchen mit ausländischen Wurzeln, nachgefragt, welche Wertentwicklung (im Fachjargon Performance genannt) sie in ihren Euro-Rentenfonds der Bonitätsklasse "investmentgrade" erwarten. Die traurige Nachricht für Anleger: In den kommenden Jahren werden es gerade einmal 0,36 Prozent jährlich sein.

Im Minusbereich

Von diesem Wert sind die Managementgebühren der Fonds schon abgezogen, nicht aber Ausgabeaufschläge (sprich Kaufspesen) und Kapitalertragsteuer. Abzüglich Depotspesen und Inflation landet man im Minusbereich. In den vergangenen fünf Jahren erzielten diese Fonds noch einen jährlichen Wertzuwachs von 3,63 Prozent – eben weil die Kurse stiegen.

Also viel in Aktien umschichten? Anders als andere Kapitalmarkt-Experten ist Rehor nicht mehr sehr optimistisch, was die Kursentwicklung an den Aktienbörsen angeht. Aktien seien schon vergleichsweise teuer. Es stimme schon, dass die Unternehmensgewinne in den USA jetzt schon zwei Quartale lang zweistellig gewachsen sind. Enttäuschungen werden aber folgen – und mit ihnen Kurskorrekturen. Mutigeren Anlegern, die die Entwicklung aufmerksam verfolgen, rät er, "die Ohren zu spitzen". So könnte man durchaus noch in Aktien engagiert bleiben. Jene, die sich nicht laufend mit ihren Engagements beschäftigen, sollten ihren Aktienanteil langsam reduzieren. Auch weil Kursverluste an den Börsen nicht mehr mit Anleihengewinnen kompensiert werden können. "Rumpler auf der Aktienseite und die Normalisierung auf der Zinsseite abwarten", lautet Rehors Devise.

Normalität abwarten

Bis sich die Finanzwelt wieder normalisiert hat, sollte man aus Rehors Sicht Schulden zurückzahlen. "Da erspare ich mir die Kreditzinsen plus die Kapitalertragsteuer auf der Anlageseite plus die Depotgebühren", lautet seine Rechnung. Und "kaufen statt mieten", so sein Vorschlag. Eine abbezahlte Wohnung sei auch eine gute Pensionsvorsorge.

Rehor berät Reiche und Stiftungen mit aktuell etwa 1,2 Milliarden Euro an Vermögen. Die können in Zeiten wie diesen in Investments ausweichen, die Kleinanlegern kaum zur Verfügung stehen – etwa Private Equity (Risikokapital) oder Schuldscheindarlehen für Unternehmen.