Wirtschaft
20.07.2017

Geld für die Förderung von Kleinkindern bringt meisten Ertrag

Ökonomen mahnen: Österreich tut zu wenig, um die Gründe für Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Im Vergleich mit anderen Ländern steht Österreich recht gut da, wenn es um die Ausgaben für eine aktive Arbeitsmarktpolitik geht. Mit dem Beschäftigungsbonus für zusätzliche Arbeitsplätze und der "Aktion 20.000" für Ältere sind jetzt wieder Instrumente dazugekommen. Bei der Vermeidung von Arbeitslosigkeit wird allerdings zu wenig getan. "Wir brauchen mehr frühkindliche Förderung, vor allem für Kinder aus bildungsferneren Schichten", sagt Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Höhere Studien (IHS). Gerade die Kinder mit schlechten Startchancen müsse man früh fördern. Jeder hier investierte Euro "hat den höchsten Return".

Die derzeit sehr gut laufende Konjunktur, die sich laut Prognose auch in den kommenden Jahren gut entwickeln sollte, wird dabei helfen, dass die Zahl der Beschäftigten Jahr für Jahr um durchschnittlich 1,2 Prozent steigen wird. Das ist mehr als in den vergangenen Jahren. Das wird den Arbeitsmarkt allerdings nur teilweise entspannen. Durch Zuzug, spätere Pensionsantritte und mehr Frauen, die Jobs suchen, wird die Arbeitslosenquote nicht sehr stark zurückgehen können. Die Zahlen dazu: Heuer wird die Quote im Jahresdurchschnitt 8,6 Prozent ausmachen. Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis ’21 wird die Rate mit 8,3 Prozent vorausgesagt. In den fünf Jahren davor waren es 8,2 Prozent, davor nur 6,6 Prozent.

Zuckerl verboten

Mit Blick auf die Nationalratswahl im Oktober warnte IHS-Chef Martin Kocher erneut davor, Wahlzuckerln zu verteilen. Und auch keine "Voodoo Economics" wie im US-Wahlkampf zu betreiben – also Vorschläge zu machen, die mit der wirtschaftlichen Realität nichts zu tun haben. Die Vorschläge, die Kocher in den vergangenen Wochen von der Politik gehört hat – von Abgabensenkung bis zum effizienteren Gesundheitssystem –, gefallen dem Ökonomen aber gut.

"Wachstum wird es nicht immer geben. Die Frage ist, wie Österreich dann strukturell aufgestellt ist", so Kocher. Zu den Problemfeldern, die bearbeitet werden müssten, zählt er den mangelnden Wettbewerb im heimischen Service- und Dienstleistungsbereich. Da könne die Produktivität durchaus noch gesteigert werden. Überhaupt ist das Wachstum der Produktivität in Österreich langsamer unterwegs als in anderen Ländern. Übersetzt heißt das: Österreich verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Für mehr Tempo könnten Forschungen sorgen, die auch tatsächlich in der Wirtschaft landen. Das passiere aber viel zu wenig. Die Gründe: Zu wenig Risikokapital, zu hohe regulatorische Hürden, zu wenig Grundlagenforschung.

Für die gesamte Wirtschaft gilt aber: "Der Himmel ist blau, dunkle Wolken sind keine in Sicht", so IHS-Experte Hofer.