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Wirtschaft
01/07/2020

Geklonte Bulldogge: Das 100.000-Dollar-Baby namens Marlon

„Er ist vom Charakter her ganz gleich wie der alte Marlon“, sagt Halterin Simone J. über den ersten Klon-Hund Deutschlands.

von Simone Hoepke

Wie weit Tierliebe gehen kann, zeigt das Beispiel einer fünfköpfigen Familie aus Sachsen, die ihren vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Als ihre englische Bulldogge Marlon mit gerade einmal vier Jahren bei einer Routine-OP starb, brach für das Unternehmerpaar Simone und Sven die Welt zusammen. Ein neuer Hund kam nach Beratungen im Familienrat nicht in Frage, es sollte derselbe sein.

So wandten sich die beiden an die südkoreanische Firma Sooam Biotech Research Foundation, die angeblich erste Adresse für kommerzielles Hunde-Klonen. Seit Gründung der Firma im Jahr 2006 hat Sooam 1435 Hunde erfolgreich geklont. Marlon, der erste deutsche Klon-Hund, ist mittlerweile 15 Monate alt. „Er ist vom Charakter her ganz gleich wie der alte Marlon, hat sogar die gleichen Eigenarten“, erzählt Simone J. im KURIER-Gespräch.

„Und das, obwohl Hundetrainer im Vorfeld gesagt haben, dass er gar keinen Bezug zu uns haben wird, weil er ja in der Klinik aufgewachsen ist.“ Nur der braune Fleck über dem Auge sei nicht ganz originalgetreu, bei Marlon I war er etwas weiter oben am Kopf angesiedelt.

Geklonte Polizeihunde

Das Klonen von Hunden klingt bei uns irgendwie noch nach Science Fiction, ist in anderen Ländern aber schon weit verbreitet, betont Simone J.: „Der Großteil der südkoreanischen Polizeihundestaffel besteht aus geklonten Hunden.“ Und glaubt man diversen Medienberichten, gibt es Millionäre, die an jedem ihrer Wohnsitze von ihrem (geklonten) Hund begrüßt werden wollen.

Beim Klonen entnehmen die Forscher in Seoul das Erbgut aus einer Körperzelle des Spenderhundes und übertragen es in eine Eizelle, aus der zuvor der Zellkern entfernt wurde. Der im Labor erzeugte Embryo wird dann in die Gebärmutter eines anderen Tieres eingepflanzt, das ihn austrägt. Im Fall der englischen Bulldogge Marlon handelte es sich um eine Labradormischlings-Leihmutter.

Das ganze Prozedere kostet dem Hundebesitzer 100.000 Dollar, also gut 90.000 Euro und sorgt damit nicht nur im Internet für heftige Diskussionen. Aus Sicht von Sven J. nicht nachvollziehbar: „Wer sich einen Sportwagen für dieses Geld leistet, wird am Ende noch gefeiert.“ Er und seiner Frau wollen jetzt anderen Hundebesitzern am Weg zum Klon-Hund helfen, als Partner von Sooam bzw. als Ansprechpartner des Instituts für den deutschsprachigen Raum. Kurz vor Weihnachten ging ihre Homepage tierklonhilfe.de online, es kamen bereits acht Anfragen, sagt Simone J.. Derzeit ist das Ehepaar auf den Weg nach Seoul, mit einer Gewebeprobe eines zu Weihnachten gestorbenen Hundes. „Die Gewebeprobe muss binnen fünf Tagen in Seoul sein“, erläutert sie.

Da die Botendienste keine zeitgerechte Zustellung garantieren konnten, habe sie den Transport im Auftrag des Hundebesitzers selbst in die Hand genommen.

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