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Wirtschaft
03/18/2019

Fusion soll deutsche Superbank schaffen

Deutsche Bank und Commerzbank sollen fusionieren. Dann hätte Deutschland wieder einen "nationalen Champion".

Früher war halt alles viel besser. Man nehme das Beispiel der Deutschen Bank: In den Neunzigerjahren war das 149 Jahre alte Geldinstitut das mächtigste in ganz Europa. Vor der Finanzkrise zählte die Deutsche Bank zu den weltweit größten Banken, auch durch die Finanzkrise kam das Institut ohne staatliche Hilfen. Dann der Absturz: Aus den USA kam der Vorwurf, toxische Wertpapiere hätten zur Finanzkrise beigetragen: 7,2 Milliarden Dollar Strafe zahlte die DB. Dann 2,5 Mrd. Dollar Strafe wegen Manipulation des Leitzinssatzes Libor, Vorwürfe der Geldwäsche mit Russland, Verwicklungen in Waffengeschäfte. Im Jahr 2016 warnte der Internationale Währungsfonds, die Deutsche Bank stelle für das weltweite Finanzsystem die größte Gefahr dar. Die Deutsche Bank hatte es mit der Finanzkrise verabsäumt, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Während die internationale Konkurrenz ihr Privatkundengeschäft ausgebaut hat und ihr Geld zu wachsenden Teilen auch von Kleinsparern holt, ist die Deutsche Bank viel abhängiger vom Kapitalmarkt.

Für die Bank selbst, wie auch die deutsche Politik war der stete Abstieg des Bankinstituts ein herber Dämpfer: Im August 2018 stellte Finanzminister Olaf Scholz fest: Es sei ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche, "dass die Banken (...) nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten." Und so kamen die ersten Gerüchte auf, die Deutsche Bank mittels Fusion wieder dorthin zu bringen, wo sie gesehen wird: an die Spitze.

Und nun soll es soweit sein: Nach monatelangen Spekulationen einer Fusion, sprechen Deutsche Bank und Commerzbank ernsthaft über einen möglichen Zusammenschluss und geben damit den Forderungen der Politik nach.

Nach Bekanntwerden der Fusionspläne haben die Aktien der beiden Institute an der Börse  kräftig zugelegt und standen in ihren Indizes jeweils auf dem ersten Platz. Das Wertpapier der deutschen Bank legte um 3,9 Prozent auf 8,11 Euro, die Commerzbank-Aktie sogar um 7 Prozent auf 7,64 Euro zu, den höchsten Wert seit Dezember 2018.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wollen die beiden Banken überhaupt eine Fusion?

Vor wenigen Wochen wurden Fusiongerüchte bestenfalls belächelt: So präsentierte sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bei der Bilanzvorlage Anfang Februar zuversichtlich. Die Bank habe ein "stabiles Fundament", weise eine "starke Bilanz" auf. Der Vorstand habe einen klaren Wachstumsplan für 2019: "Wir haben es selbst in der Hand."

Auch Commerzbank-Chef Martin Zielke wischte die Fusionsgerüchte von Tisch: "Das ist etwas, das nicht neu ist. Es macht aber überhaupt keinen Sinn, solche Spekulationen zu kommentieren oder sich daran zu beteiligen."

 

Welche Vorteile hätte eine Fusion?

Vor allem die Kosten könnten auf Dauer sinken. Schon im Sommer 2018, als die Gerüchte hochkochten, hatte das Analysehaus RBC die möglichen Einsparungen auf 2,1 Milliarden Euro beziffert. Bei der Modernisierung der IT und beim Megathema Digitalisierung könnten die Institute Kräfte bündeln. Mit mehr als 30 Millionen Privatkunden und größeren Marktanteilen im Firmenkundengeschäft könnte ein größeres Institut beim Thema Preisgestaltung gegenüber der Konkurrenz punkten.

 

Was spricht gegen einen Zusammenschluss?

Eine Fusion würde immens Arbeitsplätze kosten. Die Gewerkschaft Verdi rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30.000 Jobs, die Aktionärsvereinigung DSW sogar mit dem Rauswurf von bis zu 50.000 Mitarbeitern. Ende 2018 beschäftigten die beiden Institute zusammen gut 133.000 Vollzeitkräfte. Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung lässt sich aber nicht von heute auf morgen umsetzen - und er wird erhebliche Kosten verursachen. Als weitere Hürde sehen Analysten einen möglicherweise sehr hohen Bedarf an frischem Kapital. Sollte das fusionierte Institut als systemrelevant eingestuft werden, würden Aufseher dickere Puffer für Krisenzeiten verlangen. Insgesamt sind die Zweifel groß, dass eine Fusion die Probleme lösen würde - zumal die beiden Banken viele überlappende Geschäftsfelder haben.

 

Ausgangslage: Wo stehen Deutsche Bank und Commerzbank?

In der Weltspitze spielen die beiden größten börsennotierten deutschen Banken seit geraumer Zeit nicht mehr mit. In der jüngsten Rangliste der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) aus dem April 2018 liegt die Deutsche Bank nach Bilanzsumme auf Platz 15, die Commerzbank rutschte auf Rang 54 - und die aktuellen Bilanzsummen der beiden liegen noch unter den damaligen Werten. An der Börse ist die Deutsche Bank - immerhin Deutschlands größtes Geldhaus - aktuell gerade noch gut 16 Mrd. Euro wert, die Commerzbank rund 9 Mrd. Euro.

 

Was will die Politik?

Schon lange gibt es den Wunsch nach einem "nationalen Champion" - einer starken deutschen Bank, die auch international wettbewerbsfähig ist und mit den großen chinesischen und US-amerikanischen Häusern dauerhaft mithalten kann. Finanzminister Olaf Scholz stellte im August 2018 fest: Es sei ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche, "dass die Banken (...) nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten."

 

Was sind die Probleme der beiden deutschen Großbanken?

Der deutsche Bankenmarkt ist hart umkämpft, neben Privatbanken buhlen 384 Sparkassen und 875 Volks- und Raiffeisenbanken sowie etliche ausländische Institute um Privat- und Firmenkunden. Die historisch niedrigen Zinsen im Euroraum und hohe Regulierungskosten erschweren der Branche das Geldverdienen zusätzlich.

Bei der Deutschen Bank kamen hausgemachte Probleme hinzu, vor allem ein Berg juristischer Streitigkeiten, deren Beilegung Milliarden kostete und das Image des einst stolzen Branchenprimus beschädigte. Nach drei Verlustjahren in Folge hat die Deutsche Bank 2018 mit 341 Mio. Euro Überschuss gerade erst die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. In Sewings Amtszeit brach der ohnehin schon schwache Aktienkurs der Deutschen Bank um etwa ein Drittel ein, Ende Dezember 2018 war bei 6,68 Euro der historische Tiefststand erreicht.

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr zwar etwa zweieinhalb Mal so viel verdient wie die Deutsche Bank (865 Mio. Euro), sieht sich bei ihrem seit Jahren laufenden Konzernumbau inklusive des Abbaus tausender Stellen aber auch noch nicht am Ziel. Das Institut stieg im Herbst angesichts eines ebenfalls kräftig gestutzten Börsenwerts sogar vom Dax in den MDax ab.

 

Welchen Einfluss hat der Staat?

Bei der Commerzbank hat der Staat über seine Aktienbeteiligung direktes Mitspracherecht. Aber auch die Möglichkeit, Druck auf die angeschlagene Deutsche Bank aufzubauen, ist nicht zu unterschätzen. Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, der zuvor Deutschlandchef von Goldman Sachs war, traf sich offiziellen Angaben zufolge allein im vergangenen Jahr fast zwei Dutzend Mal mit führenden Vertretern der Deutschen Bank.

Auf ungeteilte Zustimmung trifft solches Engagement freilich nicht. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte schon im September dem "Handelsblatt", er wäre "vorsichtig (...) damit, Zusammenschlüsse politisch zu forcieren. Sie müssen einer betriebswirtschaftlichen Logik folgen." Weidmann bekräftigte: "Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, dass staatliche Einmischung dabei nützlich ist."