Darf ich auch schon mitkochen? Lehrlinge in der Gastronomie sind mit ihrer Ausbildung oft unzufrieden. Das liegt auch am Ausbildner

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Lehrlingsmonitor

Fünf Dinge, die Lehrlinge am meisten frustrieren

Umfrage: Ausbildung in der Gastronomie, bei Friseuren und im Handel schneidet am schlechtesten ab.

von Anita Staudacher

11/16/2015, 04:09 PM

Jeder fünfte Lehrling ist mit seinem Ausbildungsbetrieb unzufrieden, geht aus dem erstmals erstellten "Lehrlingsmonitor" hervor. Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaftsbund (ÖGB) ließen dafür 6500 Jugendliche im dritten Lehrjahr in Betrieben befragen. Die wichtigsten Ursachen für die Unzufriedenheit:

1. Berufswahl

Die richtige Berufswahl ist entscheidend. Immerhin sieben von zehn Lehrlingen geben an, auch nach Abschluss der Lehre im ausgewählten Lehrberuf bleiben zu wollen. Die größte Zufriedenheit gibt es in technisch-industriellen Berufen wie Metalltechnik, Produktions- oder Gebäudetechnik, wo die Berufswahl offenbar sehr bewusst getroffen wird. Am schlechtesten schneiden Handel, Tourismus und Friseure ab. Größere geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Zufriedenheit gebe es nicht, so Studienautor Peter Schlögl vom Österreichischen Institut für Berufsausbildungsforschung (öibf).

2. Überstunden

Jeder dritte Lehrling unter 18 Jahren leistet regelmäßig Überstunden, jeder vierte sogar unfreiwillig. Zwischen den Berufen gibt es jedoch gravierende Unterschiede. Am häufigsten müssen (unbezahlte) Überstunden in der Hotellerie, im Gastgewerbe und bei Friseuren geleistet werden. Zudem sind die Arbeitszeitaufzeichnungen oft mangelhaft. Unternehmen begründen die Überstunden mit der betrieblichen Notwendigkeit. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass Jugendliche unter 18 Jahren grundsätzlich keine Überstunden leisten dürfen.

3. Lehrinhalte

Jeder dritte Jugendliche muss häufig auch Tätigkeiten verrichten, die gar nicht zur Ausbildung gehören. "Immer noch müssen Lehrlinge die Wurstsemmel holen. Viele Lehrbetriebe sind noch nicht im Jahr 2015 angekommen", kritisiert Sascha Ernszt, Vorsitzender der Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Dabei seien die Lehrinhalte klar geregelt.

4. Qualitätsmängel

Die Lehre hält nicht das, was sie verspricht, die Ausbildner kümmern sich zu wenig um den Nachwuchs. Nur 56 Prozent der Lehrlinge geben an, dass ihre Ausbildner bekannt und regelmäßig im Betrieb anwesend sind. 40 Prozent erhalten kaum oder gar kein Feedback über ihre Ausbildungsleistung.

5. Abschlussprüfung

Die Bilanz ist ernüchternd: Ein Fünftel der Lehrlinge besteht die Abschlussprüfung nicht beim ersten Antritt, fünf Prozent treten gar nie an. Die meisten Lehrabbrecher gibt es im Handel, bei Malern sowie im Hotel- und Gastgewerbe. Nach Ansicht der Jugendlichen interessieren sich viele Lehrbetriebe zu wenig für ihre schulische Ausbildung und bieten kaum Unterstützung an. Jeder zweite Lehrling sagt, dass es bei neuen Arbeitsaufgaben zu wenig Zeit zum Ausprobieren gibt. "Hier müsste man nachschärfen", meint Studienautor Schlögl.

Weitere Details zum Lehrlingsmonitor finden Sie hier.

Ruf nach "Fachkräftemilliarde" erzürnt Wirtschaftsvertreter

AK und Gewerkschaft wollen die Lehrlingsförderung nicht nur stärker an Qualitätsmerkmale wie verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehre knüpfen, sondern auch die Finanzierung neu aufstellen.

So soll ein eigener Ausbildungsfonds geschaffen werden, in den Unternehmen ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme einzahlen müssen, wenn sie keine Lehrlinge ausbilden, obwohl sie es könnten. Die in dem Topf gesammelte „Fachkräftemilliarde“ fließt dann jenen Betrieben als Förderung zu, die qualitativ hochwertig ausbilden.

Michael Landertshammer, Bildungsexperte in der Wirtschaftskammer (WKO), wertet die Fachkräftemilliarde als „bloßen „Wunsch, die Kosten für die Lehrlingsförderung allein den Unternehmen umzuhängen“. Einen solchen Fonds gebe es außerdem bereits. Er verweist auf den Insolvenz-Entgeltfonds (IEF), der ausschließlich von Dienstgeberbeiträgen gespeist wird. Vom IEF fließt ein Teil auch in die Förderung von Lehrbetrieben.

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