Wirtschaft 19.04.2012

„Führungsrolle der Franzosen verblasst“

Laut einer Studie müssen beide Spitzenkandidaten Steuern erhöhen und Sozialausgaben kürzen.

Nicolas Sarkozy gegen François Hollande. Am Sonntag wird in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen alles auf ein Duell zwischen dem Amtsinhaber der konservativen Partei UMP gegen den Herausforderer der sozialistischen Partei (PS) hinauslaufen. Die Finanzmärkte sehen den möglichen Wechsel im Präsidentenamt – Umfragen zufolge führt Hollande klar – gelassen. Frankreich konnte gestern, Donnerstag, problemlos Anleihen von knapp acht Milliarden Euro am Markt platzieren. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das Dreifache.

Dennoch ist wirtschaftlich im Land alles andere als eitel Wonne. Im Jänner wurde – wie Österreich – von S&P das Tripple-A entzogen. Die Verschuldung und das Defizit sind zu hoch. "Die Zahlen sind kritisch und erfordern rasches Handeln", sagt Dominique Gautier vom Beratungsunternehmen Roland Berger zum KURIER. In einer Studie hat er die größten Herausforderungen und unterschiedlichen Lösungen der beiden Großparteien herausgearbeitet.

Champions

"Die Führungsrolle der Franzosen in Europa verblasst", stellt der Autor fest. Grund sei die rückläufige Wettbewerbsfähigkeit der Konzerne. "In der Vergangenheit haben wir internationale Champions wie Air France oder France Telecom hervorgebracht." Nun gelte es, diese auch in modernen Branchen wie Biotech oder neue Energien zu etablieren. Zudem müssen die Exporte wieder angekurbelt und der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet werden. "Wir müssen für ausländische Investoren wieder interessant werden."

Sowohl Sarkozy als auch Hollande hätten sich dem Schuldenabbau in Höhe von rund 30 Mrd. Euro verpflichtet. Während die Konservativen dies vor allem ausgabenseitig erreichen wollen, würden die Sozialisten vor allem auf Steuererhöhungen setzen. Gautier: "Für beide Parteien wird es weder ohne das eine noch das andere Mittel gehen." Privatisierungen stünden jedoch auf keiner Agenda. Beide Parteien wollen spätestens 2017 ein ausgeglichenes Budget.

In der EU-Politik wird sich laut Gautier auch unter Hollande nicht viel ändern. "Er wird Zugeständnisse machen müssen. Den Schuldenpakt wird er nicht stoppen."

( Kurier ) Erstellt am 19.04.2012