Front gegen "vegane Wurst" auch in Österreich

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Foto: IStockphoto Die fleischlose Wurst  soll anders heißen.

Agrarminister Rupprechter will bessere Kennzeichnung: "Wenn kein Fleisch drinnen ist, ist das keine Wurst."

Für den Duden ist die Sache klar: Eine Wurst ist "ein Nahrungsmittel aus zerkleinertem Fleisch". Nur – wenn etwas aussieht wie eine Wurst, darf es noch lange nicht so heißen. Heißt es aber längst. Seit der vegane Lifestyle-Trend voll in die heimischen Supermarktregale einzog, wimmelt es von Bratwürsteln, Knackern, Frankfurtern oder Käsegrillern ganz ohne tierischen Inhalts. Gemüsiges tarnt sich werbewirksam als Wiener Schnitzel und ein bleiches Etwas aus Weizengluten gibt sich als Leberkäse aus.

Den heimischen Fleischhauern schmeckt das gar nicht. Innungsmeister Erwin Fellner hat schon lange ein Problem damit, dass die Namen von traditionellen Fleischerei-Erzeugnissen für den Fleischersatz herhalten müssen. "Eine Wurst besteht aus Fleisch, daher muss Fleisch drinnen sein", stellt er klar. Werde die vegetarische Ware nicht gesondert gekennzeichnet, greife der Kunde leicht daneben. Freilich werden auch Umsatzeinbußen befürchtet, der Revierkampf im Fleisch- und Wurstsortiment ist beinhart.

EU-Regulierung

Geht es nach dem deutschen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), müssen die "Pseudo-Bratwürste" bald umbenannt werden. Österreichs Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, Wurst- und Speckjausen im Parlament nicht abgeneigt, sieht das genauso. "Fleischbezeichnungen für vegane Produkte sind tatsächlich irreführend. Wenn kein Fleisch drinnen ist, ist das keine Wurst", sagt Rupprechter zum KURIER. Er will Deutschland bei der Umsetzung einer EU-weiten Regelung unterstützen. "Vor allem brauchen wir auch klare Regeln, was vegane und vegetarische Produkte sind", fügt der Minister hinzu. Konsumenten müssten wissen, was in den Lebensmitteln, die sie essen, drinnen sei.

Andrä Rupprechter Foto: KURIER/Franz Gruber Agrarminister Andrä Rupprechter

Regulierung gibt es in anderen Bereichen längst. So darf sich die Margarine nicht mehr "pflanzliche Butter" nennen und als Käse darf nur verkauft werden, was auch aus Milch hergestellt wurde. Der Begriff "Wurst" ist allerdings ebenso wenig geschützt wie das "Schnitzel". Bisher hielt Brüssel die geltenden Bestimmungen für ausreichend.

Aus Sicht der Hersteller vegetarischer Produkte soll das auch so bleiben. Für sie zählt weniger der Inhalt, als die Form des Produktes. Bei Tortellini oder Ravioli gebe es auch fleischhältige und fleischlose Varianten, wird argumentiert. "Die Konsumenten suchen ganz klar nach vegetarischen Ersatzprodukten", heißt es beim Linzer Wursthersteller Landhof, der auch vegetarische Alternativen ("die Ohne") anbietet. "Einen eigenen Namen für vegetarische Alternativen zu kreieren wäre wahrscheinlich eine Erschwernis für Konsumenten, die gewünschten Produkte zu finden."

Fleischtomate

Das "Schnitzel" wiederum bezeichnet vom Wortstamm her nur ein abgeschnittenes Stück ("Schnitt"), ursprünglich angeblich nur für Kartoffel oder Obst gebräuchlich. Beim "Wurstsalat" oder der "Fleischtomate" höre sich die Debatte ohnehin auf, ätzen die Veganer. Den Händlern scheint die ganze Aufregung ohnehin "wurscht". "Bis dato sind uns keinerlei Beschwerden oder kritische Stimmen zu etwaigen Verwechslungen mit konventionellen Würsten bekannt", heißt es bei Rewe , die mit ihrer Eigenmarke "Vegavita" (Billa, Merkur) betroffen wäre. Das vegane Sortiment befinde sich in den Filialen auch nicht unmittelbar neben dem Fleischregal. Auch bei Landhof wird betont, dass sich die vegetarischen Produkte in eigenen vegetarischen Regalen befinden.

(kurier) Erstellt am
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