Wirtschaft
11.01.2012

Frischer Wind für neue Anlagen

Windkraftbetreiber loben das neue Ökostromgesetz. Ende 2012 sollen bereits 850.000 Haushalte versorgt werden. Burgenland und NÖ sind top.

Es herrschte Windstille: Jahrelang sind in Österreich keine neuen Windräder errichtet worden, zu unsicher waren den Betreibern die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Novellierung des Ökostromgesetzes im Sommer 2011 bringt nun einen Investitionsschub. Alleine im Jahr 2012 wird die Windkraftleistung um ein Drittel gesteigert. 620 Mio. Euro werden in neue Anlagen investiert. "In Summe sind wir wirklich sehr zufrieden mit dem Gesetz", resümierte die Juristin der IG Windkraft, Ursula Nährer, am Mittwoch.

In Kraft ist das neue Ökostromgesetz noch nicht, da noch das "Go" der EU-Kommission fehlt. Die Windkraftlobby ist aber zuversichtlich, dass die Novelle mit Juli 2012 in Kraft treten kann. Dass die Warteliste schon beantragter Projekte abgebaut werden sollen, steht bereits seit vergangenem Sommer fest. Einmalig wurden dafür 80 Mio. Euro für Windkraft und 28 Mio. Euro für Photovoltaik zur Verfügung gestellt.

Mit dem Ergebnis, dass 2011 Verträge für mehr als 800 Megawatt Windkraftleistung vergeben wurden. Diese Anlagen werden in den kommenden Jahren gebaut. Im Vorjahr wurden laut IG Windkraft um 120 Mio. Euro 31 Anlagen mit 73 MW errichtet. Für heuer rechnet IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl mit 140 neuen Anlagen mit einer Leistung von 376 MW, womit die insgesamt installierte Windkraftleistung auf 1459 MW ansteigen würde.

Bundesländer-Vergleich: Große Unterschiede

Die neuen Windräder werden alle im Burgenland (245 MW) und in Niederösterreich (131 MW) stehen. "Die anderen Bundesländer müssen erst in die Gänge kommen", so Moidl. In der Steiermark, in Oberösterreich, Salzburg und Tirol würden zwar Projekte diskutiert, man sei aber noch nicht so weit, dass es heuer noch zur Errichtung kommt. Wegen behördlicher Hürden bzw. mangelnden Konsenses sei etwa in Oberösterreich seit 2005 nichts gebaut worden.

Dementsprechend unterschiedlich ist auch der Anteil der Windenergie am Stromendverbrauch. Im Burgenland wird dieser Anteil bis Ende 2012 von 47 auf 81,5 Prozent steigen, in Niederösterreich von 11,5 auf 14,1 Prozent. Österreichweit wird die Windkraft Ende des Jahres aber erst 4,9 (2011: 3,6) Prozent des elektrischen Endenergieverbrauchs decken können.

Derzeit produzieren Österreichs Windräder rund 2,2 Terawattstunden Strom, Ende 2012 sollen es knapp 3 Mrd. TWh werden. Damit können über 850.000 Haushalte versorgt werden.

Subventionen und Kosten

Noch muss die Windenergie aber subventioniert werden. In Österreich flossen im Jahr 2010 rund 72 Mio. Euro, insgesamt betrug die Ökostromförderung 340 Mio. Euro. Ein durchschnittlicher Haushalt musste voriges Jahr 4,9 Euro für die Windkraftförderung zahlen. Wann es keine Unterstützung mehr braucht, also die sogenannte Netzparität erreicht wird, hängt laut Moidl maßgeblich von der Entwicklung des Strompreises ab. Den sinkenden Erzeugungskosten - seit 2008 haben sich Windturbinen internationalen Schätzungen zufolge um etwa ein Fünftel verbilligt - stünden steigende Erschließungskosten gegenüber.

Hierzulande beträgt der Einspeisetarif für Strom aus Windenergie 9,5 Cent/kWh. Zum Vergleich: An der Leipziger Strombörse EEX wird eine Kilowattstunde derzeit mit 4,8 bis 5,5 Cent gehandelt.