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Versteigerung
10/21/2013

Frequenzauktion bringt unerwartete Milliarden

Die Mobilfunker zahlen 2 Milliarden Euro für alte Fernsehfrequenzen – viel mehr als erwartet. Handy-Tarife könnten steigen.

von Robert Kleedorfer

526 Millionen Euro. Das war die Mindestsumme, die der Telekomregulator RTR bei der Versteigerung von zusätzlichen Mobilfunkfrequenzen in Österreich festgelegt hat. Geworden ist es deutlich mehr: Um 2,014 Milliarden Euro haben Österreichs drei Mobilfunker Telekom Austria (TA), T-Mobile und Drei (Hutchison) die Frequenzen ersteigert. Das teilte die RTR am Montag mit.

„Das ist höher, als die bis zu 1,5 Milliarden, die wir intern geschätzt haben“, sagt Noch-RTR-Chef Georg Serentschy. Zum Vergleich: In Deutschland kamen bei der Versteigerung 4,5 Mrd. Euro zusammen, in der Schweiz waren es 730 Mio. Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl war die Frequenz-Auktion in Österreich die teuerste in ganz Europa. „Die hohen Kosten werden sich zu einem nachteiligen Bumerang entwickeln – für die Branche, ihre Kunden und den gesamten Wirtschaftsstandort“, kritisiert 3-Chef Jan Trionow. Die RTR bemerkt bereits seit einiger Zeit steigende Mobilfunkpreise.Sie will die Entwicklung beobachten und notfalls regulierend eingreifen.

T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth fürchtet, wie auch andere in der Branche, dass den Betreibern nun die dringend benötigten Mittel für den Netzausbau fehlen. Serentschy hingegen erwartet keine Verzögerung, sondern „vollen Schub beim Netzausbau“.

Surfen am Handy

Die Mobilfunker geben der Art und Weise, wie die Auktion gestaltet war, die Schuld an den hohen Kosten, Serentschy weist das zurück. Die Auktion sei nach internationalen Standards abgelaufen. Grund ist offiziell das rare Gut Frequenzen. Durch den Umstieg der Fernsehsender auf digitale Ausstrahlung benötigen diese weniger Frequenzen, die Mobilfunker mehr. Denn durch die stark zunehmende Nutzung von multimedialen Inhalten auf Smartphones werden große Datenmengen verschickt, die die derzeitigen Netze auf Dauer überfordern würden. Schon jetzt ist die Versorgung im ländlichen Raum teilweise ungenügend. Von den rund 2400 Gemeinden in Österreich sind derzeit 540 sehr schlecht bzw. schlecht für Internet am Handy gerüstet. Die nun versteigerten Frequenzpakete sind für die neue Mobilfunkgeneration LTE gedacht, die noch schnelleres Surfen möglich macht.

Über den Ersteigerungserlös freuen dürfen sich Finanzministerin Maria Fekter und Infrastrukturministerin Doris Bures. Der Erlös der Auktion wird zwischen den beiden Ministerien je zur Hälfte aufgeteilt. Was mit dem Geld genau geschehen soll, ist nur zum Teil klar. Denn im Budget wurden nur die Mindesteinnahmen – also 526 Mio. Euro – berücksichtigt. Mit rund 260 Mio. Euro will Bures den Breitbandausbau fördern, Fekter hat ihren Teil bereits für konjunkturstützende Maßnahmen verwendet. Auf der Hand liegt natürlich, dass ein Teil der zusätzlichen Gelder in die verstaatlichte Hypo Alpe-Adria fließt. Ob sogar der gesamte zusätzliche Betrag an Fekter geht, sei möglich, aber Sache der Koalitionsverhandlungen, heißt es aus ihrem Ministerium.

Experten sehen den Geldregen für den Staat mit gemischten Gefühlen. Denn die Betreiber könnten sich mit ihren Geboten übernommen haben, insbesondere die TA. „Sie wird einige der erstandenen Frequenzen an Hutchison weiterverkaufen“, wird gemutmaßt. Schließlich stemmt die TA die Hälfte der gesamten Auktionssumme, Hutchison hingegen hat mit 330 Mio. Euro am wenigsten erhalten. T-Mobile kaufte um 654 Millionen ein.

Die TA schloss am Montag erneut eine Kapitalerhöhung aus, will aber über andere Wege Fremdkapital aufnehmen, um den Netzausbau und mögliche Zukäufe im Ausland zu finanzieren. „Die Verschuldung wird steigen“, sagt TA-Sprecher Peter Schiefer.