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Sozialversicherung
06/20/2016

Freie Wahl der Krankenkassen "systemgefährdend"

Mehrfachversicherung: WGKK-Obfrau Ingrid Reischl sieht Vorschlag der Wirtschaftskammer skeptisch. Gebietskrankenkassen würden zur "Arme-Leute-Versicherung" werden.

von Anita Staudacher

Sollen sich Versicherte ihre Sozialversicherung selbst aussuchen dürfen? Die Wirtschaftskammer Wien will zumindest Angestellten, die auch Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit haben, diese freie Versicherungswahl ermöglichen – der KURIER berichtete. Mehrfachversicherte hätten dann nur noch einen Ansprechpartner, etwa die gewerbliche Sozialversicherung (SVA) oder die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), was den Betroffenen lästige Vorschreibungen ersparen könnte.

Ingrid Reischl, Obfrau der WGKK, hält von den Vorschlägen wenig. Sie fürchtet, dass anhand der Mehrfachversicherten die freie Wahl der Sozialversicherung durch die Hintertür eingeführt werden soll. Eine solche Wahlfreiheit sei daher eine "sehr schlechte Lösung" , ja sogar "systemgefährdend", so Reischl im KURIER-Gespräch. So könnten Selbstständige, die keinen Selbstbehalt mehr bei der SVA zahlen möchten oder können, einfach ins ASVG flüchten.

Die SVA könne sich dadurch bequem der "schlechten Risiken" entledigen. Die Gebietskrankenkassen blieben als "Arme-Leute-Versicherung" übrig und müssten noch mehr Risiken schultern. Schon jetzt seien diese Risiken "sehr ungleich" verteilt, meint Reischl, wobei die WGKK wegen des Großstadt-Faktors (hohe Arbeitslosigkeit, Mindestsicherungsbezieher, Flüchtlinge) die größten Lasten trage.

Versicherungspflicht

Einen Wechsel von der jetzigen Pflichtversicherung hin zur Versicherungspflicht, wie von der WK-Wien-Präsident Walter Ruck vorgeschlagen, sieht Reischl daher skeptisch. In Deutschland habe dies zu einem "Wettbewerb um die Guten" geführt, Älteren und Schwerkranke seien den Krankenkassen geblieben. Die höheren Kosten werden mittlerweile durch einen Verteilungsschlüssel solidarisch ausgeglichen, der Verwaltungsaufwand dafür ist laut Reischl jedoch enorm.

Das Problem Mehrfachversicherung könne ganz gut auch im bestehenden System gelöst werden, etwa durch bessere Vernetzung. "Dafür braucht es keinen Wechsel von der Pflichtversicherung zur Versicherungspflicht".

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