Wie der Iran-Krieg für Österreichs Forstwirtschaft zum Problem wird

Betriebe sind zwar zufrieden mit Holzernte und Absatz im Vorjahr, die Belastungen sind aber weiterhin groß. Durch Iran-Krieg gestützter Dieselpreis notwendig.
Forstarbeiter sägt Äste mit einer Motorsäge von einem gefällten Baum ab.

"Die Ernte stimmt, die Rechnung nicht", lautet die Analyse der Land- und Forstbetriebe Österreich (LFBÖ) zur gegenwärtigen Situation. Der Verband hat am Dienstag die Ergebnisse des vergangenen Jahres präsentiert und auf die durch den Iran-Krieg verschärfte Lage der heimischen Forstwirtschaft hingewiesen. Dabei hat zu Jahresbeginn alles noch so gut ausgesehen.

Gute Ernte, stabile Preise, starker Export

2025 gab es genug Niederschläge, dadurch kaum Schadholz und stabile Holzpreise. Beim Export von Schnittholz wurde die höchste Menge seit dem Jahr 2008 erreicht. Mit 19,5 Millionen Festmeter Holzeinschlag war der Wert gegenüber 2024 zwar um 2,65 Prozent geringer. 2024 gab es aber durch Überschwemmungen mehr Schäden in den heimischen Wäldern. Das Vorjahr brachte für Forstbetriebe eine "notwendige Verschnaufpause", sagt LFBÖ-Generalsekretär Martin Kubli.

Steigende Kosten und Regel-Wirrwarr trüben Ausblick

2026 wird wieder mit mehr Ungemach gerechnet. Die Stimmung unter den rund 700 LFBÖ-Mitgliedsbetrieben war schon vor Beginn des Iran-Kriegs deutlich negativer, wie eine Umfrage zeigt. 23 Prozent erwarten für heuer eine Verschlechterung. Vor einem Jahr waren es nur 14 Prozent. Die Hauptgründe dafür sind steigende Kosten, schwierige politische Rahmenbedingungen und der Klimawandel. Dazu kommen nun auch noch geopolitische Entwicklungen.

Die Kosten wachsen schneller als die Bäume, heißt es vom Verband. Für Maschinen und Anlagen, für die Holzernte im Allgemeinen, aber auch für die Verwaltung seien die Kosten innerhalb von fünf Jahren um 35 Prozent gestiegen, erklärt Kubli. "Selbst in guten Marktphasen, wie im vergangenen Jahr, bleibt am Ende nicht viel übrig." Durch den Iran-Krieg habe es Verschiebungen im Holzmarkt gegeben, sagt LFBÖ-Präsident Konrad Mylius. Der Absatz im arabischen Raum sei gesunken, dadurch steige das Holzangebot am Weltmarkt.

Waldbrände wie jener im kärntner Lesachtal sind fatal für Forstwirte: Sie vernichten ihre Wirtschaftsgrundlage.

Waldbrände wie jener im Kärntner Lesachtal sind fatal für Forstwirte: Sie vernichten ihre Wirtschaftsgrundlage.

Traktor-Diesel kostet 240 Euro mehr pro Tag

Außerdem seien Energiepreise und Preise für Düngemittel - von denen viele durch die Straße von Hormus transportiert werden - gestiegen. Mylius spricht von rund 240 Euro Mehrkosten pro Tag alleine für das Betanken eines Traktors an einem Arbeitstag. Ständig steigend seien auch die Kosten für den Waldumbau, der durch den Klimawandel notwendig ist. Denn: "Europa erwärmt sich schneller als andere Weltregionen." Lange Trockenperioden führen auch zu größeren Waldbränden.

EU-Verordnungen zu wenig praxistauglich

Druck erzeugen auch politische Rahmenbedingungen, allen voran die EU-Entwaldungsverordnung. Diese Kennzeichnungspflicht wurde nun bereits mehrmals verschoben, was Planbarkeit für Betriebe unmöglich mache. Die Verordnung ziele eigentlich darauf ab, die Abholzung weltweit zu reduzieren, die LFBÖ glauben aber nicht an die Wirksamkeit. Mylius: "Wie stark ist Europa noch, um der Welt Auflagen zu erteilen?" Bei der Renaturierungs-Verordnung der EU vermisse man ein Finanzierungsmodell.

Wie man den Druck auf Betriebe lindern könnte

Um den Druck auf Forstbetriebe zu reduzieren, sieht der Verband vier große Hebel. Einerseits sollten die Entwaldungsverordnung praxistauglich gestaltet und die Finanzierung der Renaturierungsverordnung geklärt werden. Außerdem sollte der Waldfonds fortgeführt werden. Er diene der Klimawandelanpassung und sei bisher ein Erfolgsprojekt gewesen. Trotz der angespannten budgetären Lage sollte das Instrument beibehalten werden.

Andererseits würde angesichts der gestiegenen Spritpreise eine Agrardieselrückvergütung helfen. Je nach Größe des Betriebs wird dabei ein pauschaler Dieselverbrauch angenommen und finanziell unterstützt. Die Maßnahme ist 2026 ausgelaufen, 2027 wieder eingeführt werden, wie die Regierung gestern verlautbart hat. Für 2027 und 2028 sind jeweils 50 Millionen Euro dafür vorgesehen. Von der Spritpreisbremse haben Land- und Forstwirte in den vergangenen Wochen ebenfalls profitiert. Noch sei aber fraglich, ob sie auch noch in den Mai verlängert wird.

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