Wirtschaft
25.02.2015

Forstinger startet Franchise-System

Autozubehör-Kette verhandelt mit potenziellen Investoren, die die Bankschulden ablösen sollen.

Die Autozubehör-Handelskette Forstinger (115 Filialen, rund 800 Mitarbeiter) hat eine bewegte und schwierige Vergangenheit hinter sich. Nachdem die Mutterfirma 2009 unter die Räder kam, versuchten diverse Sanierer das Handelsunternehmen mit dem verstaubten Ostblock-Flair wieder in die Gänge zu bringen – sie kamen nicht so recht vom Fleck.

Im Herbst 2011 übernahm der Manager Klaus Müllner das Steuer, der zuvor fast 17 Jahre für den Möbelriesen Ikea in verschiedenen Ländern tätig war. Seit 2013 ist Müllner geschäftsführender Eigentümer von Forstinger.

Mehr als drei Jahre tüftelt der Handelsexperte nun an einer neuen Strategie, um Forstinger breiter aufzustellen. Dazu gehört nicht nur der Umbau der ersten 50 Filialen, der Ausbau des Sortiments und die Modernisierung der 111 Kfz-Werkstätten. Er will er auch noch heuer ein Franchise-System aufziehen. Doch die dringendste Aufgabe ist laut Branchenkennern die Umschuldung des Unternehmens.

"Wir planen, die Bankschulden durch die Hereinnahme eines Investors abzulösen", bestätigt Müllner dem KURIER. "Es ist richtig, dass die Banken einen Schuldennachlass gewähren werden."

Schuldenschnitt

In der Bilanz 2013 von Forstinger werden die Bankschulden mit 16,7 Millionen Euro, die Betriebsmittelkredite mit 21 Millionen Euro beziffert. Wie tief der Schuldenschnitt ausfallen soll, wird nicht verraten. Müllner, der früher auch für Adidas und den Finanzinvestor Ashmore in der Türkei arbeitete, führt seit Längerem Gespräche mit einer Handvoll potenzieller Financiers. Die Verhandlungen mit einem europäischen Finanzinvestor sollen aber schon weit gediehen sein. "Unser klares Ziel ist es, die Eigenkapitalquote von heute acht Prozent mittelfristig auf 20 bis 25 Prozent auszustocken", sagt Müllner. "Auch ich werde bei der Eigenkapitalstärkung mitziehen." Nachsatz: "Das ist eine klare Ansage, dass wir an die Zukunft von Forstinger glauben."

Zwar sei der Umsatz auch 2014 leicht rückläufig und wird weniger als 120 Millionen Euro betragen, aber das operative Ergebnis wird positiv ausfallen. Die Bilanz für 2014 liegt noch nicht vor.

Wandel der Zeit

"Wir werden uns von einem reinen Autofachmarkt zu einem Mobilitätsanbieter wandeln", sagt Müllner. "Das Franchisesystem starten wir, weil es noch viele weiße Flecken in Österreich gibt, wo Forstinger noch keine Filialen hat." Vorerst werden drei bestehende Standorte in Franchise-Filialen umgewandelt. Das dürfte ein Art "Testballon" sein. Bis Ende 2016 sollen dann zehn bis fünfzehn Geschäfte von Partnern geführt werden. "Wir suchen Leute, die unternehmerisch tätig werden wollen und ihr Territorium gut kennen", sagt der Forstinger-Chef. "Internen Interessenten werden wir den Vorzug geben, es haben sich aber auch schon externe gemeldet." Nachsatz: "Wir werden Ausschreibungen machen."

Zugleich wird das Geschäftsmodell weiter umgekrempelt. "Die Seele der Unternehmens", sagt Müllner, würden das Auto, das Kfz-Zubehör und die Werkstätten bleiben. "Allerdings wollen wir auch bei Fahrrädern die Nummer eins werden, derzeit sind wir die Nummer drei", sagt der Forstinger-Chef. Bei Motorrollern im unteren Preissegment (1000 Euro) will er die Marktführerschaft weiter ausbauen.

Zugleich soll bei den Zweirädern der Bereich Service und Wartung forciert werden. Müllner: "Wir haben noch einiges vor."