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Wirtschaft
09/13/2019

Fluglotsen: Gewerkschaft steuert scharf auf Konfrontationskurs

Betriebsversammlungen: Die gut verdienenden Fluglotsen hängen sich an die schlecht entlohnten Mitarbeiter der Billig-Airlines an.

von Andrea Hodoschek

Das Vorgehen der Gewerkschaft vida sorgt in der heimischen Luftfahrt für zunehmenden Unmut. Ausgerechnet am verkehrsstarken Freitag Nachmittag (ab 15 Uhr) beginnt wieder eine für zwei Stunden angesetzte Betriebsversammlung der Fluglotsen.

Es sieht ganz so aus, als ob die Lotsen im Windschatten der Airline-Mitarbeiter segeln wollen. Am Mittwoch gab es bei AUA, Lauda, Eurowings und Anisec (Level) Betriebsversammlungen, die Gewerkschaft vida fordert einen Mindestlohn von 1.700 Euro monatlich.

Dass die Gewerkschaft für schlecht bezahlte Mitarbeiter von Billig-Airlines höhere Löhne urgiert, stößt allgemein auf Verständnis. Wenn dieselbe Gewerkschaft allerdings für Fluglotsen zu Versammlungen aufruft, die zu den bestverdienenden Berufsgruppen in Österreich zählen, hält sich das Verständnis nicht nur in der Branche sehr in Grenzen.

Spitzengehälter

Im April hatten sich Gewerkschaft und die staatliche Austro Control (ACC) nach harten und langwierigen Verhandlungen für die insgesamt 1.100 Mitarbeiter auf eine Lohnerhöhungen bis zu drei Prozent sowie eine Prämie pro Kopf von 5.000 Euro geeinigt und beschlossen, ein attraktiveres Gehaltsmodell für junge, neue Mitarbeiter auszuverhandeln.

Die Einstiegsgehälter nach der dreijährigen Ausbildung liegen offiziell bei 5.000 Euro brutto monatlich. De facto aber inklusive Zulagen bei rund 7.000 Euro – da wurde aber noch keine Überstunde verrechnet.

Altgediente Fluglotsen mit vielen Überstunden, die noch im alten Kollektivvertrags-Schema sind, kommen auf Spitzengehälter von deutlich mehr als 300.000 Euro im Jahr. Da staunen selbst AUA-Kapitäne.

Die Geschäftsführung habe konkrete Angebote und eine neue Betriebsvereinbarung auf den Tisch gelegt, sagt ACC-Sprecher Markus Pohanka. Das Management habe kein Verständnis für „Flugverspätungen auf Grund einer Betriebsversammlung ohne jede Veranlassung in einer besonders verkehrsstarken Zeit, die zu Lasten von Airlines und Passagieren geht“.

Man sei bemüht, Einschränkungen möglichst gering zu halten. Anlass sei die Information über „die stockenden KV-Verhandlungen und die ausufernde Belastung auf Grund einer verfehlten Personalplanung“, konterte Betriebsratschef Daniel Liebhart, in der Gewerkschaft vida für Luftfahrt zuständig.

Auffallend ist, dass die Versammlung nur für die 200 Fluglotsen einberufen wurde, die im Tower am Flughafen die An- und Abflüge steuern. Für sie ist die vida zuständig. Die 200 Lotsen in der ACC-Zentrale in Erdberg (Überflüge) ressortieren zur offenbar moderateren Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten.

Sommerurlaub

Aber auch in der Belegschaft wird Kritik an Liebhart laut, vor allem unter den jungen Mitarbeitern. Der Betriebsratschef sei von Mitte Juli bis Ende August auf Urlaub gewesen, heißt es. Im Sommer haben Fluglotsen allerdings Hochsaison, da ist es absolut unüblich, mehrere Wochen nicht anwesend zu sein. Ätzt ein Kollege gegenüber dem KURIER: „Belegschaftsvertreter sollten doch eine gewisse Vorbildwirkung haben.“ Liebhart war zu diesem Thema nicht erreichbar.