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Wirtschaft von innen
05/31/2015

Flughafen Wien: Schatten der Vergangenheit

Ein Flug im Privatjet und Termine in der Causa Aliyev, Upgrades für Privatflüge. Alles nur Intrigen oder doch mehr? Airport-Vorstand Julian Jäger rittert um seine Verlängerung.

von Andrea Hodoschek

Es ist alles kein Zufall. Die Verlängerung der Vorstandsverträge am Flughafen Wien ist in der heißen Phase, die Hearings der Kandidaten laufen. Ausgerechnet jetzt poppen Geschichten aus der Vergangenheit des SPÖ-nahen Airport-Vorstands Julian Jäger auf der Mittelmeerinsel Malta auf. Wenn dabei ehemalige Freunde zu erbitterten Feinden werden, bekommt das Ganze auch noch eine stark emotionale Schlagseite.

Vorweg zur Klarstellung: Die Vorfälle lassen keinerlei Rückschlüsse auf strafrechtlich relevante Handlungen zu. Die Optik allerdings ist nicht gut, Jäger würde heute sicher anders handeln, sagt er.

September 2010. Jäger ist noch CEO des börsenotierten Flughafens Malta, an dem der Airport Wien zu einem Drittel und der Staat Malta zu 20 Prozent beteiligt sind. Da kommt ein dringender Anruf von Schwager Gabriel Lansky. Der Wiener Anwalt verfolgte damals schon den ehemaligen kasachischen Botschafter in Österreich, Rakhat Aliyev und betrieb dessen Auslieferung nach Kasachstan.

Ob er nicht jemanden kenne, der in Malta gut vernetzt sei? Die Sache sei eilig. Jäger kannte jemanden – einen maltesischen Geschäftsmann (Name der Redaktion bekannt) mit besten politischen Kontakten, der Aktionär des Flughafens Malta ist und im Board saß.

Am 9. September wird aus Wien Flieger SXFCA geschickt, Jäger und der Maltese jetten nach Österreich. Jäger sitzt das erste Mal in einem privaten Jet und lässt sich fotografieren. Pech, dass dieses Foto später verteilt wird.

In der Kanzlei Lansky in der Wiener Innenstadt geht es darum, wie Aliyev aus Malta ausgewiesen werden könne. Lansky vermutete den Kasachen in Malta, war sich aber nicht ganz sicher. Er suche eine Anwaltskanzlei mit guten Kontakten für Interventionen. Ob ihm der Geschäftsmann dabei behilflich sein könne.

Er konnte. Kurz darauf gibt es in Malta einen Termin bei Anwälten, wieder ist Jäger mit dabei. Wieder geht es um die Ausweisung von Aliyev. Dann klinkt sich Jäger aus.

Die Kanzlei arbeitete prompt. Er habe den Namen Aliyev vorher noch nie gehört, beteuert der Geschäftsmann. Binnen kurzer Zeit war der Fall Aliyev in der maltesischen Öffentlichkeit omnipräsent.

Wer den Jet organisierte und bezahlte, darüber gehen die Aussagen auseinander. Während Jäger vermutet, der Maltese habe die Rechnung übernommen, sagt dieser nein. Er habe vor dem Abflug nicht einmal gewusst, worum es ging: "Sie werden doch nicht glauben, dass ich dann so dumm bin, einen Jet aus Wien zu ordern und zu bezahlen. Außerdem stehen in Malta genug Jets herum."

Gerüchte, Lansky habe eine Success Fee für den Fall der Aliyev-Auslieferung geboten – 10 Millionen Euro, davon zwei für Jäger – dementieren alle entschieden. Lansky erklärt, er habe seinem Schwager nie ein Erfolgshonorar angeboten, "das ist blanker Unsinn". Beim Maltesen beruft sich Lansky auf das Anwaltsgeheimnis. Ebenso bei der Frage, ob er den Flug bezahlte. Für die Kasachen spielte Geld bei der Verfolgung von Aliyev bekanntlich keine Rolle.

"Ich habe meinem Schwager auf dessen Wunsch einen Kontakt vermittelt. Ich habe damit niemals irgendwelche finanziellen Interessen verfolgt, noch wurden diesbezüglich irgendwelche finanziellen oder sonstigen Leistungen vereinbart", betont Jäger im KURIER-Gespräch.

Aliyev wurde übrigens nicht von Malta ausgeliefert. Er kam vorher nach Österreich zurück und wurde vor drei Monaten tot in seiner Zelle in U-Haft aufgefunden.

Auch kein gutes Bild geben die zahlreichen Gratis-Upgrades auf Flügen der Air Malta. Wären heute für jeden Vorstand eines Flughafens undenkbar. Dass sich Flughafen-Manager von einer Airline, mit der über Gebühren verhandelt wird und die auch noch der größte Kunde ist, von der Holzklasse nach vorne setzen lassen, ist grob unvereinbar und wäre heute strafrechtlich relevant. Aber damals gab es in Österreich noch kein Antikorruptionsgesetz (in Malta gibt es immer noch keines) und am Flughafen Malta keine Compliance-Regeln.

Alan Borg, damals im Management und seit Kurzem neuer Chef des Flughafens Malta, schloss 2008 per Mail ein Company-Agreement mit Air Malta über das kostenlose Upgrade von Board-Mitgliedern und Managern.

Insgesamt wurden 60 Upgrades abgerufen. Jäger fliegt zwischen 2009 und 2011 mehr als 30 Mal, davon etliche Male privat. Zielort ist meist Wien, wo seine Familie wohnt, aber auch München, Zürich, London-Heathrow und Paris-Orly.

Der Aufsichtsrat war über das Abkommen mit Air Malta nicht informiert. Musste er auch nicht. Verhaltensrichtlinien gibt es erst seit August 2011. Anfang September 2011 wird Jäger Vorstand in Wien.

Die Upgrades wurden inzwischen vom Flughafen Wien überprüft, Jäger berichtete an Aufsichtsratspräsident Ewald Kirschner, Manager der Stadt Wien. Die Upgrades waren "eine gängige Marketingvereinbarung, die nicht von mir getroffen wurde, nicht unter die Genehmigungspflicht des Boards fiel und auch von anderen Mitarbeitern genutzt wurde", sagt Jäger. Er war freilich der Boss.

Als Manager kann Jäger in Wien gemeinsam mit seinem schwarzen Vorstandskollegen Günther Ofner eine hervorragende Bilanz vorweisen. Jäger hat sich jedoch intern frühere Freunde zu Feinden gemacht.

Da wäre Markus Klaushofer, ebenfalls der Wiener SPÖ nahestehend und Jägers Nachfolger in Malta. Er half Jäger sogar bei der Vorbereitung seiner Präsentation 2011 für den Vorstandsjob in Wien. Klaushofer wurde im Jänner überraschend fristlos entlassen, der Vertrag wäre bis 2017 gelaufen. "Vertrauensverlust" hieß es offiziell, Klaushofer ging vor das Arbeitsgericht und bewarb sich ebenfalls für den Vorstand in Wien. Dass Klaushofer über den Betreiber des Duty-free-Shops in Malta eine Luxusuhr zum halben Preis erstand, war nicht der Hauptgrund für seinen Rauswurf.

In Wien gefeuert wurde Technik-Chef Christoph Edlinger, Sohn des ehemaligen SPÖ-Finanzministers. Auch Edlinger hat geklagt.

Jäger spricht von einer "gezielten Verleumdungskampagne" gegen ihn. "Ich habe hier am Flughafen aufgeräumt, nicht abgeräumt." Klarerweise mache man sich als Aufräumer auch Feinde. Darum wundere es ihn nicht, "dass wenige Wochen vor der Entscheidung über meine Wiederbestellung die unterschiedlichsten Unterstellungen in Umlauf gebracht werden". Er will sich das nicht gefallen lassen: "Solche Methoden halte ich aus, aber es ist Zeit, ihnen im Interesse des Flughafens Wien in aller Schärfe entgegenzutreten."

Klingt nach einer Fortsetzung.