Wirtschaft 05.12.2011

Fitch: Ramsch-Status für Portugal

© Bild: EPA/JOSE COELHO

Der hohen Staatsverschuldung wegen senkte die Ratingagentur Fitch Portugals Kreditwürdigkeit um eine Stufe auf Ramsch-Niveau.

Im Sommer erst hatte die Ratingagentur Moody's die Bonität Portugals auf Ramsch-Status gesenkt, mit dem riskante Anlagen gekennzeichnet werden. Nun hat Fitch nachgezogen und die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Euro-Landes um eine Note von "BBB-" auf "BB+" - also Ramsch-Status - gesenkt. Der Ausblick für das Rating ist negativ, was weitere Herabstufungen möglich macht. Damit ist Standard & Poor's (S&P) die letzte der großen Agenturen, die portugiesische Staatsanleihen noch nicht als Ramsch bewertet.

Fitch begründet die jüngste Herabstufung mit der hohen Staatsverschuldung Portugals, die bis Ende 2011 auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen dürfte. Zudem verweist die Agentur auf hohe Wachstumsrisiken. Fitch erwartet, dass die portugiesische Wirtschaft im kommenden Jahr um drei Prozent schrumpfen wird. Angestoßene Reformen dürften sich nur langfristig auswirken. Indes dürfte die angestrebt Konsolidierung der Staatsfinanzen durch die Wachstumsrisiken erschwert werden.

Portugal hat sich wie Irland schon vor langer Zeit unter den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet. Der jüngste Schritt von Fitch hat damit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Kassenlage Portugals. Da das Land Hilfsgelder erhält, ist es zurzeit nicht am Kapitalmarkt aktiv.

Generalstreik

In Portugal hat am Donnerstag ein eintägiger Generalstreik gegen das Sparprogramm der Regierung begonnen. Medien berichteten schon am frühen Vormittag von einer hohen Beteiligung. Landesweit soll es neben der 24-stündigen Arbeitsniederlegung auch rund drei Dutzend Kundgebungen geben.

Der Streik findet sechs Tage vor der geplanten Verabschiedung des umstrittenen Sparbudgets statt. Nächstes Jahr sollen unter anderem die Ausgaben für Gesundheit und Bildung um zehn Prozent gesenkt werden. Den Bediensteten und Pensionisten des Staates, die mehr als 1.000 Euro beziehen, soll das 13. und das 14. Gehalt gestrichen werden.

Als Gegenleistung für das 78 Milliarden Euro schwere Hilfspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Portugal in diesem Jahr das Budgetdefizit von 9,8 Prozent (2010) auf 5,9 Prozent senken. Das Ziel für 2012 beträgt 4,5 Prozent. Infolge dieser Bemühungen wird die Wirtschaft des Landes nach jüngster Schätzung der Regierung dieses Jahr um 1,6 und 2012 um 3,0 Prozent schrumpfen.

Das Land befindet sich in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Im März war die sozialistische Regierung daran gescheitert, dass sie ihre eigenen Sparmaßnahmen nicht durchs Parlament bringen konnte. Der Staat steht vor der tiefsten Rezession seit der Rückkehr zu einer demokratischen Staatsform 1974.

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Erstellt am 05.12.2011