Wirtschaft
01.03.2013

Fast jeder dritte Apotheker kränkelt

Spannen sinken, Kosten steigen / Experte sieht "massive Strukturprobleme".

Am Höhepunkt der Grippesaison machen die heimischen Apotheker auf ihre eigenen Leiden aufmerksam. Stagnierende Kassenumsätze und sinkende Arzneimittel-Spannen bei zugleich steigenden Personal- und Energiekosten bereiten den Branchenvertretern zunehmend Kopfschmerzen. „Die betriebswirtschaftliche Lage der Apotheken hat sich deutlich verschlechtert, die Situation ist besorgniserregend“, argumentiert Christian Müller-Uri, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, Interessensvertretung für 1330 Apotheken mit 15.500 Mitarbeitern.

Laut Studie der KMU Forschung Austria weisen 29 Prozent aller Apotheken eine negative Umsatzrentabilität auf, schreiben also Verluste. „15 Prozent davon stecken sogar sehr tief in den roten Zahlen und damit in einer misslichen Lage“, fasst Verbandsdirektor Sven Abart zusammen. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote von 10,4 Prozent sei „alarmierend“. Infolge von Kostensenkungsmaßnahmen der Krankenkassen stagniert der Umsatz mit Arzneimitteln auf Rezept, der 70 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Die Kassenspanne ist binnen fünf Jahren von 19,5 auf 17,5 Prozent gesunken. Zugleich müssten die Apotheker immer mehr soziale Aufgaben wie die Begleitung chronisch Kranker oder Drogenersatzpatienten übernehmen, so Müller-Uri: „Für die Betreuung eines Drogenkranken erhalten wir aber nur 16 Euro im Monat.“ Er fordert von den Kassen eine höhere Vergütung solcher Dienstleistungen sowie keine weitere Kürzung der Spannen.

Marktanalyst Andreas Kreutzer von Kreutzer Fischer & Partner hält die Probleme der Apotheker zum Großteil für hausgemacht. „Die Branche hat massive Strukturprobleme.“ Durch lange Wartezeiten und oft veraltete Geschäfte sinke die Kundenzufriedenheit. Durch das Fehlen von Ketten hätten Pharmagroßhändler bei der Preisfestsetzung ein leichtes Spiel. „Das ist so, als gäbe es im Lebensmittelhandel nur Greißler, aber keine Rewe oder Spar.“ Kreutzer rät den Apothekern, Standesdünkel aufzugeben und sich gegen die ohnehin nicht mehr aufhaltbare Konkurrenz aus dem Ausland vermehrt zusammenzuschließen.