Wirtschaft
20.10.2017

Faltenglätten als Family Business

Künftig will die Familie Prinz bis zu 45 Millionen Hyaluronsäure- Spritzen im Jahr produzieren.

Begonnen hat alles auf engstem Raum – hinter der Apotheke im ungenutzten Gartenhaus. Auf 18 Quadratmetern wurden die ersten Spritzen produziert. "Das war wahrscheinlich der kleinste Reinraum der Welt", schildert Andreas Prinz.

300.000 Stück waren es in drei Jahren. Fast 30 Jahre später sind aus 18 stolze 8.200 Quadratmeter geworden (Das neue Firmengebäude in Niederösterreich, das um rund 50 Millionen errichtet wurde, wird heute eröffnet). Statt 300.000 Spritzen in drei Jahren werden heute 5000 Spritzen in der Stunde produziert. Sieben Millionen im Jahr.

Befüllt werden die Spritzen von Croma Pharma mit Hyaluronsäure – seit drei Jahrzehnten die Golden Nuggets in Flüssigform der Familie Prinz.

Die körpereigene Substanz ist in fast allen Produkten enthalten. In Augentropfen nach Operationen des Grauen Stars (übrigens die häufigste Operation auf der Welt) ebenso wie als Ersatz für Gelenkflüssigkeit bei Arthrose oder in der kosmetischen Medizin. Dieser dritte und jüngste Bereich wächst mit Abstand am schnellsten. "Pro Jahr um zirka 20 Prozent. Allein in den USA existieren 15 Millionen Kundinnen, die in den kommenden Jahren eine Behandlung planen", schwärmt Andreas Prinz über das Potenzial. Gemeinsam mit seinem Bruder Martin hat er in zweiter Generation Croma Pharma zu einem Global Player ausgebaut mit 327 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von 60 Millionen Euro.

Erfolg mit Nischenprodukt

An Dimensionen wie diese dachte das Apothekerpaar Karin und Gerhard Prinz 1976 nicht, als sie auf eigene Faust begannen, Pharmazeutika zu vertreiben. "Die kleine Apotheke hat mich nicht mehr gefordert. Ich war neugierig auf Neues", erinnert sich der Gründer. Da die Konkurrenz groß war, fokussierte sich Patron Gerhard Prinz auf Nischenprodukte: Er startete mit Präparaten für Alkoholentwöhnung – oder so manch anderem außergewöhnlichen Pharmazie-Bedarf. Sein erster Auftrag waren Operationsschuhe für Feld-Operationen beim Bundesheer. "Ich war Milizoffizier und man benötigte Überschuhe, damit die Ärzte im Feld operieren können, ohne die Schuhe tauschen zu müssen." Prinz suchte und importierte auf eigenes Risiko die Schuhe aus Sao Paulo nach Österreich. Bald hieß es in der Branche, "wenn du was brauchst, geh‘ zum Prinz, der kann einfach alles besorgen".

Die Söhne übernehmen

Der Durchbruch kam mit dem Schritt vom Großhändler zum Pharmaproduzenten. Er passierte Ende der 1980er als Gerhard Prinz die ersten Versuche startete, Hyaluronspritzen zu produzieren, weil das aus Deutschland gelieferte Produkt fehlerhaft war. "Wir machten den Hersteller darauf aufmerksam und der meinte: Na dann mach’ sie eben besser!", erzählt der Patron.

Drei Monate experimentierte der Firmengründer in seinem kleinen Gartenhaus. Prinz entwickelte eine eigene Abfüllanlage. Dann wurden die ersten 500 Spritzen abgefüllt. Konnte man damals schon abschätzen, dass sich die Hyaluronsäure zu einer Goldader entwickeln wird? "Ja, durchaus. Denn es ist eine biologische Schmierflüssigkeit, bei der der Körper keine Abwehrreaktionen zeigt." Mit einer permanenten Hyaluronsäuretherapie kann man beispielsweise, eine benötigte Operation für ein neues Kniegelenk um Jahre verzögern.

Ende der 90er Jahre will dann die nächste Generation ans Ruder, da alle drei Kinder Pharmazie studierten. Zuerst stieg Martin Prinz in die Firma ein, dann zwei Jahre später 1999 auch sein jüngerer Bruder Andreas. Schwester Corinna übernahm die Apotheke. Ging der Generationenwechsel reibungslos über die Bühne? "Ja. Wir haben nie gestritten", sagt der Vater. Sohn Andreas fügt dann noch ein kleines Aber hinzu: "Den agilen Eltern mit 60 zu sagen, sie sollen jetzt die Jungen ranlassen, ist eigentlich eine Frechheit. Das Unternehmen hatte damals 30 Mitarbeiter. Mehrere Geschäftsführer trug die Firma noch nicht." Die Lösung: Sohn Martin kümmerte sich um die Produktion und Andreas um den Export.

Bis Mitte der Nullerjahre baute das Unternehmen unzählige Vertriebstöchter und einen Produktionsstandort in Polen auf. Wenig später kaufte Croma Pharma die Augenheilsparte von Corneal. Ein Unternehmen mit 28 Millionen Euro Umsatz und 200 Mitarbeitern. "Wir haben uns auf einen Schlag verdoppelt", so Andreas Prinz.

Fokus auf Ästhetik

Dann ging es Schlag auf Schlag, vor allem weil die Nachfrage an Hyaluronsäure am ästhetischen Markt so rasant wuchs und weiter wächst. In welchem Alter beginnen die Kunden mit den ersten Hyaluronsäurebehandlungen? "Meist schon mit 27. Der Wunsch nach einer schön geformten vollen Oberlippe ist der Einstieg", erzählt Prinz.

Die Brüder Prinz beschlossen 2014, sich künftig nur auf Anti-Aging zu fokussieren und verkauften an den kanadischen Pharmariesen Valeant ihre Lizenzen für Augenheilkunde und Orthopädie. "Jetzt haben wir unsere Produktpalette auch auf Botulinum Toxin und bioabbaubaren PDO-Fäden für die Hautstraffung ausgeweitet", so Andreas Prinz. Das Ziel: Croma will in der ästhetischen minimal-invasiven Medizin zum ganzheitlichen Anbieter werden.

Seine Ehefrau Valentina baut deswegen gerade die neue Beauty-Klinik Yuvell auf. Auf 400 Quadratmetern in der Wiener Innenstadt können nicht nur Kunden mit Botox , Hyaluronsäure & Co behandelt werden, sondern auch Beauty-Ärzte können hier neue Treatments testen. "Wir wollen unseren Ärzten ein Test-Lab anbieten. Bei uns können sie die neuesten Geräte testen, bevor sie ein teures Investment in ihre eigenen Klinik tätigen", so Andreas Prinz über die Idee dahinter.

Trotz des steilen Aufstiegs fehlte bis jetzt eines: Ein repräsentatives Stammhaus. Das wird heute in Leobendorf eröffnet. Herzstück ist vor allem die High-Tech-Produktion. Hier hat Martin Prinz sein ganzes Know-how hineinverpackt. Denn Hyaluronsäure zu produzieren, hat seine Tücken. Das zähflüssige Gel ist schwer zu verarbeiten. "Mit dem digitalisierten-vollautomatisierten Produktionsprozess sind wird für die nächsten zehn bis 15 Jahre Technologieführer", so Prinz.

Die neue Zielvorgabe: Die Produktion auf 45 Millionen Spritzen pro Jahr steigern . "Ich bin jetzt nur mehr der Hausmeister", meint Patron Gerhard Prinz lachend. "Nein, du bist der Grandseigneur des Hauses", konkretisiert sein Sohn Andreas.