Warum FACC ein neues Werk in Österreich baut

Luftfahrzulieferer investiert 120 Millionen in hochautomatisierte Produktion in Oberösterreich. 2025 erzielte man einen Rekordumsatz.
Eine Frau im Laborkittel untersucht ein Stück Material mit einer weißen Handschuh.

Zusammenfassung

  • FACC investiert 120 Mio. Euro in ein hochautomatisiertes Werk in Oberösterreich und schafft 300 neue Arbeitsplätze.
  • Ausschlaggebend für den Standort waren bestehende Infrastruktur, Nähe zu Forschungseinrichtungen und verfügbare Fachkräfte.
  • 2025 erzielte FACC mit 984 Mio. Euro einen Rekordumsatz, die Aktie stieg innerhalb eines Jahres um fast 80 Prozent.

Komponenten für Tragflügel, Seitenruder und Höhenruder, bis hin zu kompletten Flugzeughecks: Es sind große Teile, die der Luftfahrtzulieferer FACC künftig in seinem neuen Werk im oberösterreichischen St. Martin produzieren will. Maximal automatisiert, von Robotern und Künstlicher Intelligenz unterstützt. 

120 Mio. Euro will FACC in die neue 20.000 Quadratmeter große Produktionsstätte investieren, 300 neue Arbeitsplätze sollen dort trotz hoher Automatisierung entstehen, wie Robert Machtlinger, der Chef des Zulieferers, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien erläuterte. Im Herbst sollen die Bauarbeiten starten, Ende 2027 soll das Werk stehen, Mitte 2028 die Produktion beginnen.

Hätte man ihn vor einem Jahr gefragt, ob die FACC ein Investment dieser Größenordnung in Österreich machen werde, wäre seine Antwort „nein“ gewesen, sagt Machtlinger. Der Standort stehe wegen der hohen Personal- und Energiekosten unter Druck. Mit einem 2024 ins Leben gerufenen Effizienzprogramm steuert der Konzern dagegen. Einen nicht unwesentlichen Teil davon macht die Digitalisierung und Automatisierung aus. Ohne die würde man im Werk in St. Martin statt der geplanten 300 Mitarbeiter 650 benötigen. Man habe die Personalkosten quasi halbiert, rechnet Machtlinger vor.

Ein Mann mit Brille und Anzug lehnt an einem schwarzen Tresen.

FACC-Chef Robert Machtlinger

Reihe von Faktoren

Für den Bau in Österreich haben aber auch vorhandene Labor- und Testeinrichtungen sowie eine bereits bestehende Produktionsanlage mit modernen Maschinen gesprochen. Beides hätte man an einem anderen Standort neu errichten müssen. 

Auch die Nähe zu Forschungseinrichtungen und die Verfügbarkeit von Fachkräften habe sich zugunsten der Investition in Österreich ausgewirkt, sagt der FACC-Chef: „Die hätten wir an anderen Standorten in der Ausprägung nicht gefunden.“ 

Geprüft wurde etwa auch der Ausbau von Werken in Kroatien und auch außerhalb Europas.  Personalkosten seien in den vergangenen Jahren auch in Ländern wie China oder Indien deutlich gestiegen, sagt Machtlinger: „Wenn Europa nicht alles falsch macht, wird sich die Schere schließen.“

Investitionen tätigt FACC, das weltweit rund 3.800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, auch anderswo. Weitere 230 Mio. Euro sollen bis 2030 in Wachstumsmärkte fließen. Bezahlt macht sich bereits das 2022 im kroatischen Jakovlje errichtete Werk. Mittlerweile wurde die Fläche verdreifacht. Dort werden Innenraumkomponenten für Flugzeuge gefertigt. Die Kabinen-Sparte schrieb 2025 auch wegen der kostengünstigeren Produktion schwarze Zahlen. Insgesamt konnte das operative Ergebnis (EBIT) im vergangenen Jahr um fast die Hälfte auf 42,3 Mio. Euro gesteigert werden. Mit einem Zuwachs von 11 Prozent erzielte man mit 984 Mio. Euro einen Umsatzrekord, die Milliarde ist in Reichweite.

Die boomende Luftfahrtbranche – derzeit liegen weltweit bei den Herstellern Bestellungen für 17.770 Verkehrsflugzeuge vor – spielt dem Zulieferer in die Hände. Für das laufende Jahr rechnet Machtlinger mit einer Umsatzsteigerung zwischen 5 und 15 Prozent

Folgen des Iran-Kriegs schwer einschätzbar

Die hohe Spannbreite ist der unsicheren geopolitischen Lage und ihren Auswirkungen auf die Lieferketten geschuldet. Die Folgen des Iran-Krieges auf die Luftfahrtbranche seien derzeit schwer einschätzbar, sagt Machtlinger. FACC habe aber sowohl bei Energie als auch beim Material vorgebaut.

Aktie steigt

Die FACC-Aktie legte am Mittwoch an der Wiener Börse um mehr als zwei Prozent zu und notierte bei 13,84 Euro. Innerhalb eines Jahres hat sie sich um fast 80 Prozent verteuert.

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