EZB-Direktorin hält Beendigung der Anleihenkäufe für möglich

EZB-Chefin Christine Lagarde
Falls es zu einer schweren Rezession kommt.

Die EZB würde laut Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel im Falle eines Konjunktureinbruchs infolge des Ukraine-Kriegs die Pläne zur Beendigung ihrer Anleihenkäufe auf den Prüfstand stellen. "Wir haben uns sozusagen das Türchen offen gehalten, dass wir gesagt haben, wenn wir jetzt aufgrund der Ukraine-Krise in eine schwere Rezession kommen, dann muss man das nochmal überdenken," sagte Schnabel am Donnerstagabend in einem in der Videoplattform YouTube übertragenen Interview.

Wenn nicht, dann werde die Notenbank im dritten Quartal die Anleihenkäufe beenden. "Und sobald wir das gemacht haben, können wir dann jederzeit, je nachdem wie die Inflation sich bis dahin entwickelt hat, die Zinsen erhöhen", fügte die Volkswirtin hinzu.

Korrekturen

Sollte es zu massiven Marktverwerfungen kommen, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Anleihenkäufe auch wieder ausgedehnt werde müssten, sagte Schnabel. Solche Verwerfungen sind aber der EZB-Direkorin zufolge nicht eingetreten. Die Finanzmärkte hätten auf den Krieg verhältnismäßig gelassen reagiert. Auf den Aktienmärkten habe es natürlich schon einen relativ starken Einbruch gegeben. Dieser habe sich mittlerweile aber zu einem erheblichen Teil wieder korrigiert, führte das Mitglied des sechsköpfigen EZB-Führungsgremiums aus. "In den USA sind die Aktienmärkte inzwischen sogar schon wieder höher als vor dem Krieg."

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auf ihrer jüngsten Zinssitzung vor zwei Wochen aufgrund der hochschießenden Inflation im Euroraum beschlossen, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe schneller zurückzufahren und im Sommer zu beenden, wenn es der Inflationsausblick erlaubt. Damit wäre dann der Weg frei für eine Zinswende, die in den USA von der dortigen Notenbank Fed bereits vollzogen wurde. Die EZB hatte Leitzinsen letztmalig im Jahr 2011 erhöht.

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