Lügen aufgetischt: Hochwertige Inhaltsstoffe würden durch billigere ersetzt.

© FOREWER/FOTOLIA 39344855/Forewer/Fotolia

Pferdefleisch & Co
11/15/2013

EU-Parlament warnt: Betrug mit Lebensmitteln wird häufiger

EU-Staaten müssten im Kampf gegen Betrüger einheitliche Regeln finden und besser kooperieren.

von Philipp Hacker-Walton

Der Pferdefleisch-Skandal zu Jahresbeginn war womöglich nur die Spitze eines Betrug-Berges: Auch Streusalz statt Speisesalz wird angeblich aufgetischt, oder Eier aus Käfighaltung statt Bio-Eier. Immer öfter wird bei Lebensmitteln getäuscht, warnt ein aktueller Bericht aus dem EU-Parlament.

Nachdem zu Jahresbeginn in mehreren EU-Staaten in Rindfleisch-Produkten Pferdefleisch gefunden wurde, hat die niederländische EU-Abgeordnete Esther de Lange für den Ausschuss für Lebensmittelsicherheit einen umfassenden Bericht erstellt. Dessen Fazit: Das Parlament ist „besorgt über Signale, die darauf hindeuten, dass die Zahl der Betrugsfälle steigt und dass Lebensmittelbetrug ein wachsender Trend ist“.

Olivenöl, Fisch, Bio

Besonders betrugsgefährdet sind laut dem Bericht Olivenöl, Fisch, Bio-Produkte, Getreide, Honig, Kaffee, Tee, Gewürze, Wein, Fruchtsäfte und Milch.

Die Arten des Betrugs seien vielfältig: Hochwertige Inhaltsstoffe würden durch billigere ersetzt, Gewicht falsch angegeben, Tierarten (wie im Pferdefleisch-Skandal) falsch gekennzeichnet, Zuchtfisch als Wildfang, „gewöhnliche“ Lebensmittel als „bio“ verkauft.

Der Kampf gegen die Betrüger wird laut Berichterstatterin de Lange dadurch erschwert, dass einerseits die Produktionskette sehr lang ist – von Anbau bzw. Zucht über die Verarbeitung bis zum fertigen Produkt geht die Nahrung oft einen langen, grenzüberschreitenden Weg. Andererseits gibt es in den EU-Staaten keine gemeinsame Betrugsbekämpfung und noch nicht einmal eine einheitliche Definition, wann es sich um Lebensmittelbetrug handelt. Bei grenzüberschreitenden Fällen würden die Länder auch eher bilateral arbeiten anstatt Europol einzuschalten. So komme es, „dass Mitgliedsstaaten häufig Schwierigkeiten haben, betrügerischegrenzüberschreitend tätige Lebensmittelunternehmer erfolgreich strafrechtlich zuverfolgen“.

"Das Problem sind die besonders langen Lebensmittelketten"

„Das Problem sind die besonders langen Lebensmittelketten, die dazu beitragen, dass es schwieriger wird, Inhaltstoffe nachzuvollziehen“, sagt SPÖ-EU-MandatarinKarin Kadenbach, ebenfalls Mitglied des Ausschusses, zum KURIER.

„Besonders wichtig ist daher die Schaffung von mehr Transparenz.“ Wie diese verbessert werden kann? „Vor allem durch lokale und regionale kurze Ketten – damit sind auch Kontrollen leichter möglich.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.