Wirtschaft
01.06.2017

Innovationsführer Österreich? Noch lange nicht

Das Regierungsziel, bis 2020 zu den drei "Innovation Leader" in Europa zu zählen, werde bei weit verfehlt, sagt RFT-Vorsitzender Hannes Androsch

Forschungsbilanz. Es war als Vision formuliert und eine Vision wird es wohl bleiben: Das in der Forschungsstrategie der Regierung formulierte Ziel, bis 2020 zu den drei "Innovation Leader" (Innovationsführern) in Europa aufzuschließen, wird "bei weitem verfehlt". Zu diesem Befund kommt der Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch. "Wir werden nicht an der Spitze sein, sondern eher ins Mittelfeld zurückfallen", so seine ernüchternde Zwischenbilanz.

Der RFT bewertet jährlich die Leistungsfähigkeit Österreichs anhand von 74 Indikatoren in den Bereichen Bildung, Forschung, Innovation, Gründungsdynamik und Forschungsfinanzierung. Bei nur einem Drittel der Indikatoren liege Österreich derzeit auf dem Niveau der führenden Nationen Dänemark, Deutschland, Schweden und Finnland. Androsch verwies auf das neue, globale Wettbewerbsranking des Schweizer Instituts IMD, wo Österreich um einen Platz auf Rang 25 abgerutscht ist.

Rückschritte

Der RFT-Bericht sieht in einigen Bereichen durchaus eine positive Dynamik – etwa bei den Gründungen – in anderen dafür deutliche Rückschritte. So ist die Performance bezüglich Klima- und Umweltschutz "stark unterdurchschnittlich" und die wissenschaftliche Grundlagenforschung unterdotiert. "Im Vergleich dazu ist die betriebliche Forschung komfortabel ausgestattet", meint Androsch. RFT-Geschäftsführer Ludovit Garzik ortet zudem mangelnde Effizienz. Dem hohen Input stehe ein zu geringer Output gegenüber. "Wir haben die Bälle auf dem Elfmeterpunkt, aber niemanden der den Ball ins Tor schießt. Stattdessen sitzen wir auf der Zuschauerbank", verdeutlicht Garzik.

Der RFT empfiehlt der künftigen Regierung Altbekanntes wie Reformen im Bildungssyste, bessere Rahmenbedinungen für Firmengründungen oder die Stärkung privater F&E-Finanzierung. Er stellt aber auch sieben Fragen an die Parteien, wie diese gedenken, das alles umzusetzen.

Den aktuellen Leistungsbericht finden Sie auf der Homepage des Rates.