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Wiener Aktienmarkt
11/27/2013

Etliche kapitale Fehler vereiteln Börsengänge

Die Politik ist mit schuld daran, dass die Wiener Börse keine Neuzugänge verzeichnen darf.

von Christine Klafl

Der Edelstahlhersteller Breitenfeld, der Abfallentsorger Saubermacher, der Lagerlogistik-Anbieter Knapp, der Landesversorger Energie AG, das Flugsicherungsunternehmen Frequentis und der Verpackungskonzern Constantia Flexibles sind alle in unterschiedlichen Branchen tätig. Und doch haben sie eines gemeinsam: Sie haben ihren Gang an die Wiener Börse in letzter Sekunde abgeblasen.

Bei ersteren war die beginnende Finanzkrise schuld, das Börsenklima war damals einfach zu rau. Constantia Flexibles wiederum, die seit gestern, Mittwoch, in Wien und Frankfurt notieren sollten, fanden beim hoch angesetzten Aktienpreis einfach nicht genug Abnehmer für die Papiere. Unterm Strich gab es mit der Amag den letzten Börse-Neuzugang (Initial Public Offering, kurz IPO) in Wien vor zweieinhalb Jahren. Während Deutschland heuer das beste IPO-Jahr seit 2007 (mit damals 7,85 Mrd. Euro Erlösen) feiern darf, knallen an der Wiener Börse schon lange keine Sektkorken mehr. Wer ist verantwortlich dafür?

„Die Wiener Börse jedenfalls nicht. Es gibt keine Börse, die sich so um die Emittenten bemüht“, sagt Anlegerschützer Wilhelm Rasinger. „Die Wiener Börse kümmert sich rührend, die machen einen Superjob“, streut auch Martin Hinteregger von der Erste Bank Rosen. Beide orten aber etliche andere Ursachen.

Politik: „Teile der Politik sehen den Sinn und Zweck der Börse für den Wirtschaftsstandort nicht“, ärgert sich Rasinger. Da werde die Börse als Konkurrenzveranstaltung zu den Casinos Austria dargestellt.

Privates Kapital In Österreich gebe es keinerlei Kultur, sich mit privatem Kapital (im Fachjargon Private Equity genannt) an Unternehmen zu beteiligen, um diese Beteiligung später über die Börse zu verkaufen, meint Hinteregger. In Deutschland laufe das ganz anders. Dort würden mittlerweile die meisten Börsengänge aus Private-Equity-Portfolios kommen.

Struktur der Wirtschaft: Einige große Familienunternehmen, die bei Anlegern gut ankommen würden, denken gar nicht daran, sich zu öffnen und Aktionäre mitreden zu lassen, ist aus den Banken zu hören. Die Not, viel Kapital für große Expansionsschritte zu brauchen, sei nicht groß genug.

Finanzbildung: Anlegerschützer Rasinger sieht auch in der mangelnden Finanzbildung einen Grund, warum viele Anleger Aktien nicht über den Weg trauen. „Die Financial Education bei uns ist eine Katastrophe.“

Banker: Hinteregger bleibt dennoch optimistisch. 2014 könnte das eine oder andere heimische Unternehmen doch einen Börsengang wagen. Ob in Wien, ist offen.

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