Wirtschaft 20.01.2012

Erste Group und Raiffeisen legen ihre Kapitalpläne vor

Der Chef der Erste Group, Andreas Treichl, wird auf Rang vier geführt. Sein Einkommen im Vorjahr: 2,42 Millionen Euro. © Bild: Kurier

Die Kapitalpolster sollen mit Gewinnen, die heuer nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden, gefüllt werden.

Die beiden heimischen Bankkonzerne, Erste Group und Raiffeisen Zentralbank (RZB) inklusive ihrer Osttochter Raiffeisen Bank International (RBI), wollen ihre Eigenkapitallücken ohne Staatshilfe oder Geldaufnahme über die Börse schließen. 742 Millionen Euro braucht die Erste Group, 2,1 Milliarden Euro die RZB laut Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) bis Juli 2012.

Gefüllt werden sollen die Kapitalpolster stattdessen mit Gewinnen, die heuer nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Zudem wollen die Institute ihr Geschäftsvolumen verkleinern und damit das Eigenkapitalerfordernis senken. Am Freitag haben sie die Details dieser Vorhaben der Finanzmarktaufsicht präsentiert. Sie muss nun prüfen, ob die Pläne plausibel sind und diese dann an die EBA weiterreichen.

Besonders achten will FMA-Vorstand Kurt Pribil darauf, dass es durch die geplante Reduktion von Risikogeschäften nicht zu einer Kreditverknappung für die Wirtschaft kommt. „Einen Credit Crunch will niemand“, sagte Pribil kürzlich.

Sowohl Erste als auch RZB wollen die Kapitalerfordernisse bis Juni sogar übererfüllen. Mit 20 Einzelmaßnahmen will die RZB 2,5 bis 3,6 Milliarden Euro an Eigenkapital schaffen. Die „risikogewichteten Aktiva“ – das sind vor allem Kredite – sollen dafür in der Raiffeisen Bank International (RBI) um zehn Milliarden Euro verringert werden.

Volksbank AG

Keinen Eigenkapitalplan einreichen musste die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG). Sie gilt nach dem Verkauf der Volksbank International an die russische Sberbank, der demnächst abgeschlossen sein soll, nicht mehr systemrelevant und unterliegt daher nicht mehr den Vorschriften der EBA. Im November hatte die EBA für die ÖVAG noch einen Eigenkapitalbedarf von rund einer Milliarde Euro ermittelt.

In ganz Europa unterliegen 70 Banken den EBA-Kapitalvorschriften. Sie brauchen 115 Milliarden Euro. Deutsche Institute benötigen 13,5 Milliarden Euro.

( Kurier ) Erstellt am 20.01.2012