Wirtschaft
03.04.2017

"Was is’n ein Restwert?"

Jugendliche, zwei Stunden ohne Handy: Besuch im Financial Life Park der Erste Group.

Eine Gruppe von Jugendlichen im letzten Pflichtschuljahr, die meisten von ihnen haben schon einen Lehrplatz. Und die sollen sich, ohne laute Maulerei, zwei Stunden lang mit Finanzthemen auseinandersetzen? Und ihre Smartphones wegsperren?

Im Erste Financial Life Park (kurz FLiP) auf dem Erste Campus beim Wiener Hauptbahnhof, gelingt das. Der Trick: Die Besucher bekommen beim Start der Tour spezielle Tablets zum Einscannen und Beantworten von Fragen.

"Schuljahr voll ausgebucht"

Auf fast 2000 , verteilt auf zwei Stockwerke, hat die Erste Group einen Parcours mit fünf verschiedenen Stationen für Geld- und Wirtschaftsthemen entwickelt. Seit der Eröffnung Ende Oktober des Vorjahres "waren schon mehr als 7000 Besucher da", erzählt FLiP-Leiter Philip List. "Und das heurige Schuljahr ist schon ausgebucht."

Was ist Inflation? Was ist Rentabilität? Zum Start gilt es, fünf Fragen zu beantworten. Dann führt einer der rund 25 freiwilligen Experten die Gruppe zur ersten Station.

Wo sogar der Erste-Chef jobbt

Heute ist Hans Grohs, der frühere Chef der Schuldnerberatung, als Freiwilliger im Einsatz. Früher hat er immer wieder dafür plädiert, dass es mehr Finanzwissen schon in den Schulen braucht. Im FLiP kann er jetzt selbst für die Wissensvermittlung sorgen.

Selbst Erste-Boss Andreas Treichl ist schon vier Mal als Freiwilliger im Einsatz gewesen. Am 24. April wird er zum fünften Mal dran sein.

Technik-Fans

Im "Konfigurator", der ersten Station, bekommen die Schüler ein virtuelles Monatsbudget und verteilen es auf die verschiedenen Lebensbereiche – vom Wohnen übers Essen bis zur Freizeit. Der anschließende Vergleich zeigt: Für Ernährung budgetieren die Jugendlichen mehr, als ein durchschnittlicher Haushalt ausgibt. Auch der Bereich Medien – zu dem Handy, Computer und Co. gehören – hat bei den Jungen viel mehr Gewicht.

Was ist ein Dauerauftrag? Das Auto hat einen Restwert von 5000 Euro, was bedeutet das? Bei der nächsten Station, dem "Reality Check", gibt es Fragen zum täglichen Umgang mit Geld. Drei aus der Gruppe müssen aufs Rad, um ihr Team durch Strampeln mit Strom zu versorgen.

Das Team wiederum schickt die Antworten aufs Tablet des Radlers. "Du musst es einscannen, Melanie", "Was is’n ein Restwert?" In den Teams geht es munter zu. Je mehr richtige Antworten, desto geringer ist der Widerstand, gegen den der Radler anstrampeln muss.

Bis Bayern

"Die Touren gibt es in drei Schwierigkeitsstufen", erzählt FLiP-Leiter List, der davor sieben Jahre lang das Marketing der Erste Group leitete. Die Führungen gibt es in Deutsch und Englisch, demnächst auch auf Slowakisch. "Jetzt kommen immer mehr Studenten zu uns. Und wir hatten schon eine Gruppe aus Bayern, die Bankwissenschaft studiert."

Die Jugendlichen sind inzwischen zur nächsten Station gezogen, bei der es spielerisch darum geht, dass sich Preis und Wert nicht immer decken müssen. Dann geht es zum Meinungsforum. Fragen wie: "Soll ich einen Handyvertrag abschließen?" oder "Wenn eine Bank in Schwierigkeiten gerät, soll sie gerettet werden?" werden diskutiert. Pro und Contra gibt es von Video-Experten, die Jugendlichen sollen sich eine Meinung bilden.

Station fünf ist der Globalisierung gewidmet. Von Kakao bis Jeans – alle Betroffenen der jeweiligen Wertschöpfungskette kommen zu Wort. Zum Abschluss gilt es, die fünf Eingangsfragen noch einmal zu beantworten. Als Finanzgenies gelten die, die bei allem richtig liegen. Geldmuffel sind die, die nur wenig richtig haben.

"Jetzt habe ich zwei Stunden lang nicht ans Handy gedacht", hat eine 16-Jährige letztens zu List gesagt. "Das war das schönste Kompliment", grinst er. Er wälzt schon Pläne, wie er FLiP-Themen auch in die Bundesländer bringen kann. Am 2. Mai wird am Erste Campus eine Sonderausstellung eröffnet. Zwei Jahre lang geht es hier um das Thema "Brexit". Bei großen Veränderungen im Brexit-Prozess wird sich auch die Ausstellung ändern.