Nächstes Jahr wird in Österreich noch weniger Mais geerntet werden. Denn die Anwendung von Neonicotinoiden zum Beizen von Pflanzen wie Mais wurde verboten.

© dpa/Roland Weihrauch

Weniger Mais
10/17/2013

Ernteerträge: Bestimmt von Glück und Zufall

Maisbauern müssen heuer Einnahmen-Ausfälle von mehr als 30 Prozent hinnehmen.

von Andreas Anzenberger

Die heimischen Landwirte haben bei der Preisgestaltung für Mais oder Weizen nichts mitzureden. Auch wenn es sich dabei um die beiden wichtigsten Agrarpflanzen handelt: Die Mengen, die in Österreich erzeugt werden, sind viel zu gering, als dass sie die Weltmarktpreise in irgendeiner Art beeinflussen könnten.

Wenn hingegen Großproduzenten wie etwa die USA auf eine sehr gut Ernte hoffen, sorgt die Erwartung auf ein größeres Angebot für sinkende Preise an den wichtigen Agrar-Börsen in Paris oder Chicago. Dumm gelaufen für die Maisbauern in Österreich, wie die Preisentwicklung an der Agrar- Börse in Paris zeigt. Wenn dann auch noch der Wettergott zürnt und – wie im Sommer diesen Jahres – zunächst heftiger Regen und dann lange Trockenheit die Erträge deutlich reduzieren, geht es an die finanzielle Substanz.

Ein Drittel weniger

Nach Schätzung der Raiffeisen Ware Austria (RWA) – besser bekannt als Lagerhäuser – wird heuer um rund ein Drittel weniger Mais geerntet werden als im Vorjahr. Statt 2,35 Millionen Tonnen werden es nur 1,59 Millionen Tonnen sein. Da die Ernte noch im Gange ist, sind die genannten Zahlen Schätzwerte. Doch RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf ist sich sicher, dass die Schätzung ziemlich genau stimmt. Überdurchschnittlich hohe Ernteausfälle gibt es vor allem in den Bundesländern Steiermark und Kärnten.

Nächstes Jahr wird in Österreich noch weniger Mais geerntet werden. Denn die Anwendung von Neonicotinoiden zum Beizen von Pflanzen wie Mais wurde verboten. Diese Methode ist ein Langzeitschutz gegen Schädlinge. Von Greenpeace und den Grünen als Bienenkiller angeprangert, wurden die Neonicotinoide auf den Index gesetzt. Dass diese Wirkstoffgruppe wahrscheinlich gar nichts mit dem Bienensterben zu tun hat, ging in der hochemotionalen Debatte unter. Es wird zwar bereits nach Ersatzstoffen für den Pflanzenschutz gesucht, aber so bald wird kein neues Mittel auf den Markt kommen.

Die Mais-Importe, vor allem für die Tierfütterung, werden daher in den kommenden Jahren deutliche steigen.

Höherer Ertrag

Ebenfalls mit deutlich sinkenden Preisen hatten die Weizenbauern zu kämpfen, aber die Erntemenge ist um 22 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Dadurch lässt sich ein Teil des Einnahmenverfalls kompensieren.

Allerding sind wegen der Wetterkapriolen auch die Ausgaben für den Pflanzenschutz und für Düngemittel gestiegen. „Qualitätssicherung ist da nur durch Pflanzenschutz und Düngemittel möglich“, lautet das Resümee von RWA-Bereichsleiter Christoph Metzker. Teuer ins Ausland verkaufen lassen sich nämlich nur die besten Qualitäten.

Hohe Wetten auf Agrarrohstoffe

Obwohl die Preise von Mais und anderen agrarischen Produkten auf dem Weltmarkt rückläufig sind, gibt es doch laufend den Vorwurf, dass Spekulanten für Steigerungen und den Hunger auf der Welt mitverantwortlich seien. So können Anleger im großen Stil auf die Preisentwicklung wetten. Der konkrete Vorwurf: Die Spekulationen täuschen eine höhere Nachfrage vor, die Preise würden daher infolge steigen. Ärmere Menschen in Entwicklungsländern könnten sich Grundnahrungsmittel kaum noch leisten.

Nach Protesten haben vor einem Jahr die ÖVAG und die RCB keine weiteren dieser Produkte mehr aufgelegt. Die Deutsche Bank hingegen hatte beschlossen, daran festzuhalten. Aus Sicht der Allianz sind Wetten auf künftige Mais- oder Weizenpreise sogar gut für die Nahrungsmittelversorgung weltweit: „Wir sehen einen Nachteil, wenn wir dieses Geschäft einstellen würden, weil die Liquidität wichtig für Farmer ist“, betont Allianz-Sprecher Nicolai Tewes. Das Anlagevolumen der Allianz beträgt 6,2 Mrd. Euro, jenes der Deutschen Bank 4,5 Mrd. Euro.

Tatsächlich laufen diese Geschäfte an Terminmärkten ab: Bauern sichern sich gegen zu niedrige Preise für ihre Ernte ab, Nahrungsmittelkonzerne gegen zu hohe. Spekulanten können auf steigende oder fallende Preise wetten und sorgen damit auf beiden Seiten für Liquidität, betont Tewes: Zudem sei das Anlagevolumen viel zu gering, um die Preise zu beeinflussen.

Unterstützung erhalten die Spekulanten nun von einer Studie der Universität Halle-Wittenberg. „Der Alarm, die Investments seien für Hungerkrisen verantwortlich, muss als Fehl-Alarm eingestuft werden“, heißt es. Im Gegenteil, sie würden zur Preisstabilität beitragen.

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