Wie ein Wiener Start-up die Kosten für Erdwärmepumpen halbieren will

Erdwärmepumpen gelten als effizient, aber teuer. Ein isländischer Ingenieur will mit einem innovativen Bohrsystem Kosten senken.
Flexdrill: Saevar Einarsson und Andreas Michalka

Erdwärmepumpen sind in Österreich noch selten. Der Anteil am Wärmepumpenbestand beträgt nur rund 14 Prozent. Dabei sind Erdwärmepumpen effizienter als Luftwärmepumpen und bieten auch Kühlfunktionen. 

Die Installationskosten sind aber deutlich höher. Besonders das Bohren ist teuer und kompliziert. Der Maschinenbauingenieur Saevar Einarsson will das mit seinem Unternehmen Flexdrill ändern.

Innovatives Bohrsystem

Der Isländer, der seit vier Jahren in Wien lebt, hat ein hydraulisches Schlagbohrsystem entwickelt. Damit lassen sich geothermische Bohrungen platzsparend und kostengünstig bis 200 Meter Tiefe ausführen. Auch die Bohrzeit sei deutlich kürzer als bei herkömmlichen Bohrsystemen, sagt Einarsson dem KURIER.

Mit Flexdrill könne praktisch von der Fußmatte weg gebohrt werden, erklärt der Ingenieur. Oder auch im Keller. Denn das System braucht nur einen Quadratmeter Platz. "Wir haben einen kleinen Hammer. Eine rotierende Masse erzeugt Schlagimpulse, ähnlich wie bei einem Schlagschrauber, aber rund zehnmal stärker", erläutert Einarsson. 

Flexdrill System

Flexdrill-System

Geplant ist, das Bohrsystem an Installateure zu verkaufen. Sie sollen dann Erdwärmepumpen samt Einbau anbieten. Derzeit müssten Hausbesitzer, die eine Erdwärmepumpe wollen, eine Bohrfirma beauftragen und den Installateur hinzuziehen, sagt Einarsson. Die Kosten summieren sich dadurch bis auf das Doppelte einer Luftwärmepumpe. 

Mit dem Bohrsystem und Bohrung und Installation aus einer Hand sollen sie sich jenen von Luftwärmepumpen annähern, sagt Andreas Michalka, der Flexdrill gemeinsam mit Einarsson gegründet hat. Die Lebensdauer der Geräte sei auch deutlich länger als jene von Luftwärmepumpen.

Ziel: Eine Million Bohrlöcher bis 2035

Die Ziele des jungen Unternehmens sind ambitioniert Bis 2035 sollen mit dem Bohrsystem eine Million Bohrlöcher entstehen. Bis dahin will Flexdrill tausend Systeme verkaufen. Ein Bohrsystem soll rund 200.000 Euro kosten.  Das System befindet sich derzeit noch in der Entwicklung. Die Fertigung soll in Wien oder im Umland stattfinden. Man wolle lokale Jobs schaffen, sagen Einarsson und Michalka.

Flexdrill-Bohrschlauch

200 Meter tief bohren

Zum Einsatz kommen soll das Flexdrill-System erstmals im heurigen Sommer bei der Installation einer Erdwärmepumpe in einem Architekturbüro im 16. Wiener Gemeindebezirk.

Vor kurzem hat sein Unternehmen eine Förderung der Wirtschaftsagentur Wien bekommen. Finanziert wurde die Entwicklung davor mit kleineren Summen von Investoren, mit Geld des Wiener Hight Tech Inkubators INiTS und aus der eigenen Tasche. Einarsson und seine Frau haben dafür auch ihre Wohnung in Island verkauft. 

Familientradition

Mit Bohrern kam der isländische Ingenieur bereits früh in Kontakt. Sein Großvater leitete mehr als 20 Jahre lang bis Ende der 1980er-Jahre das nationale Bohrprogramm Islands.

Er war auch für die Planungen des Svartsengi-Geothermie-Kraftwerks verantwortlich, dessen Abfluss die berühmte Blaue Lagune im Südwesten der Insel speist. Sein Großvater habe überall nach heißem Wasser gebohrt, erzählt Einarsson: "Wo es Wärme gibt, kann man sie auch entnehmen und nutzen."

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