Paul-Anton Esterházy sorgt sich um die wirtschaftliche Situation des Imperiums.

© KURIER/Gilbert Novy

Wirtschaft von innen
10/08/2014

Erbfolge-Krieg im Hause Esterházy eskaliert

Paul-Anton Esterházy brachte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein.

von Andrea Hodoschek

Der Streit zwischen Paul-Anton Esterházy und seinem Gegenspieler Stephan Ottrubay beschäftigt nicht nur die Zivilgerichte, sondern seit Kurzem auch die Staatsanwaltschaft. Wie aus Justizkreisen zu hören ist, hat der 28-jährige Großneffe des 1989 verstorbenen Fürsten Paul Maria Aloys Esterházy de Galantha, einem der ehemals reichsten Adeligen Europas, nun bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt eine Anzeige eingebracht. Ottrubay, Neffe der Ende August verstorbenen Melinda Esterházy, der Witwe des Fürsten, wird der Verdacht auf Beweismittel-Betrug vorgeworfen. Schwere Geschütze in dem seit schon Jahren dauernden Scharmützel.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt den Eingang der Anzeige am 29. September. "Wir prüfen derzeit, ob Ermittlungen eingeleitet werden", erklärt Sprecher Roland Koch gegenüber dem KURIER.

Der junge Esterházy betonte wiederholt, er kämpfe nicht um Geld. Sondern darum, als Begünstigter der von Großtante Melinda gegründeten Familienstiftung seine Kontrollrechte wahren zu können und Einsicht in die wirtschaftliche Gebarung zu erhalten.

Die Vorgeschichte: 2009 wurden die bescheidenen Zuwendungen aus der Stiftung, einige Tausend Euro im Jahr, an Paul-Anton und seine Mutter gestoppt. Außerdem erfuhr der junge Esterházy, dass er gar nicht mehr als Begünstigter gelte – damit hätten sich allerdings auch seine Kontrollrechte erledigt. Vorsitzender des Stiftungsvorstandes war bis Februar 2014 Ottrubay.

Nach erfolglosen Vergleichsgesprächen ging die Causa vor die Gerichte. In einem ersten Verfahren verloren die Esterházys. Das Gericht berief sich auf eine eidesstattliche Erklärung von Ottrubay, der mittlerweile über das gesamte Imperium herrscht, dass Esterházy eben kein Stiftungs-Begünstigter sei.

Dann allerdings, folgern Rechtsexperten, wären die Auszahlungen an die Nachfahren des Fürsten rechtlich nicht gedeckt gewesen – womit gegenüber dem Stiftungsvorstand der Vorwurf der Untreue an der Stiftung im Raum stehe.

Oder Ottrubay habe in seiner eidesstattlichen Erklärung nicht richtig ausgesagt. Fragen, die jetzt die Staatsanwaltschaft klären muss.

Die Sachverhaltsmitteilung gründe sich auf einen Brief und Dokumente, die seit Jahren bekannt seien, lässt Ottrubay über eine Sprecherin ausrichten. Der Großteil sei bereits zwei Mal Gegenstand von Zivilverfahren gewesen und von den Gerichten abgewiesen worden. Strafrechtliche Zusammenhänge seien bloß "taktisches Prozess-Geplänkel". Man werde die Vorwürfe bestreiten.

Der junge Esterházy sorgt sich ernsthaft um die wirtschaftliche Situation des Imperiums. Dessen Wert wurde zuletzt auf rund 800 Millionen Euro geschätzt. Ohne die Kulturgüter und Kunstschätze. Die gesamte Firmenkonstruktion ist für Außenstehende intransparent. In einzelnen Gesellschaften habe es laut Esterházy in den vergangenen Jahren hohe Millionenverluste gegeben.

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