Energieschub für digitale Zähler

Siemens AGMit den AMIS-Systemen von Siemens, so genannte intelligente Stromzähler, können Kunden ihren Stromverbrauch zeitgenau prüfen, steuern und so ihre Kosten senken.With Siemens AMIS, so-called smart electric meters, customers can precisely check and
Foto: Siemens AG Vorreiter: Die Energie AG Oberösterreich startete bereits vor Jahren mit einem Feldversuch, mittlerweile hat sie 100.000 Smart Meter installiert.

In den kommenden Jahren werden neue Stromzähler installiert. Das Wissen der Kunden über Smart Meter ist gering.

Nach jahrelangem Hickhack zwischen der Energiewirtschaft und der heimischen Regulierungsbehörde E-Control fällte der zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner nun endlich eine Entscheidung zum Thema Smart Meter. Die neuen, digitalen, oder wie sie auch vielfach genannt werden, intelligenten Stromzähler müssen bis spätestens 2019 flächendeckend in Österreich installiert werden.

Beim Konsumenten ist das Thema noch lange nicht angekommen, wie eine Umfrage von Peter Hajek Public Opinion zeigt. Die Bekanntheit von Smart Meter liegt bei gerade sechs Prozent. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, fasst der KURIER deshalb die Vor- und möglichen Nachteile der digitalen Zähler zusammen.

Die Vorteile

+ Mit Smart Metern werden die Kunden erstmals die Möglichkeit bekommen, ihren Strom- bzw. Gasverbrauch zeitnah abzulesen. Sie werden voraussichtlich einmal pro Monat darüber informiert: grafisch aufbereitet und in Verhältnis zum Vorjahres- oder Vormonatsverbrauch gestellt.

+ Durch die zeitnahe Ablesung, so die Hoffnung, werden die Konsumenten hinsichtlich ihres Verbrauchsverhaltens sensibilisiert. Energiefressende Haushaltsgeräte können identifiziert und ausgetauscht, ineffiziente Gewohnheiten geändert werden. Laut aktuellen Feldversuchen liegt das Einsparungspotenzial bei rund sieben Prozent – was auch die Kosten dementsprechend senken würde.

+ Smart Meter sind ein integraler Bestandteil der Energiewende. Je mehr dezentrale Energiequellen (z.B. Fotovoltaik am Hausdach) installiert werden, desto wichtiger ist es, dass ein entsprechender Datenaustausch mit den Netzgesellschaften erfolgt. Freilich müssen dafür auch die Stromnetze "intelligent" werden (Smart Grids). In Zukunft könnten die Energieversorger, natürlich nur mit Zustimmung der Kunden, sogar Geräte wie Waschmaschine oder Gefriertruhe ansteuern, um die stark schwankende Belastung der Netze besser in den Griff zu bekommen. Auch mit den Batterien von E-Autos könnten sich Synergien ergeben, Stichwort: Strom-Zwischenspeicherung.

Die Nachteile

- Größter Kritikpunkt ist die Datensicherheit. Da die Stromzähler im Viertelstundentakt Verbrauchsdaten übermitteln, könnten daraus Lebensgewohnheiten ausspioniert werden. Hacker könnten sich via Internet einklinken, die Daten verkaufen oder gar das ganze System lahmlegen, befürchten Kritiker. E-Control-Chef Walter Boltz kontert: Abgesehen davon, dass bereits jetzt beispielsweise bei der Fernwärme Wien Tausende fernablesbare Zähler im Einsatz seien; vor Hackerangriffen müsse man sich nicht über Gebühr fürchten, da die Energieversorger nicht am "normalen" Internet hängen, sondern eigene, geschlossene Systeme verwenden.

- Die AK befürchtet, dass die Kosten des Zähler­tauschs an die Kunden abgewälzt werden. Nein, sagt Boltz. Da die alten Zähler ohnedies in den kommenden zehn Jahren ausgewechselt werden müssen, seien die Smart Meter mit dem Messentgelt abgedeckt.

- Die Ärztekammer warnt zudem vor Elektrosmog.

Verbund leidet unter der Energiewende

Dem Verbund, Österreichs größtem Stromerzeuger aus Wasserkraft, macht der rasante Zuwachs an Wind- und Sonnenstrom in Mitteleuropa zu schaffen. Denn der massive Anstieg dieser erneuerbaren Energien, drücken den Preis für elektrische Energie an der Strombörse. Denn für den Börsenpreis sind die Betriebskosten ausschlaggebend und die sind bei Sonne und Wind nahe null. Die Folge: Das im Vorjahr fertiggestellte Gaskraftwerk Mellach des Verbund kann nicht gewinnbringend Strom produzieren. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber hofft, bis zum vierten Quartal eine Reduktion des Gaspreises mit dem Russengas-Importeur EconGas ausverhandelt zu haben. "Wir brauchen die Gaskraftwerke für jene Zeiten, in denen kein Wind geht und keine Sonne scheint", sagt Anzengruber. Wegen der zu hohen Gaspreise aber verzögere sich der Gaskraftwerksbau in ganz Europa. Weil Gas zu teuer ist, sind in Deutschland vermehrt Braunkohlekraftwerke im Einsatz. Für den Anschluss der erneuerbaren Energien ist zudem der Ausbau der Stromnetze nötig. Dies sei mangels Genehmigungen kaum machbar, beklagt Anzengruber.

(kurier) Erstellt am
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