Energie-Armut nahm um ein Drittel zu

APA/HERBERT PFARRHOFERAPA2061668-2 - 19032010 - WIEN - ÖSTERREICH: Ein Scheit Holz wird in einen Holzofen geworfen. Illustration zur geplanten Einführung von CO2-Steuern. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFERunbegrenzt verfügbar Wenn Wärme zum Luxus wird: Der Klimafonds startete ein "Pilotprojekt gegen Energie-Armut".

313.000 Österreicher konnten im Vorjahr ihre Wohnung nicht angemessen warm halten. Der Klimafonds startet nun ein Pilotprojekt.

Ein Grad weniger Raumtemperatur reduziert die Heizkosten um rund sechs Prozent, lautet eine Faustregel. Ein Luxusproblem, wer zu entscheiden hat, ob wirklich auf 25 Grad hinaufgeheizt werden muss, oder ob 22 Grad doch genügen.

Wenn die Raumtemperatur aber auf 15 Grad gedrosselt werden muss, weil alles andere unleistbar ist, werden gesundheitliche Beeinträchtigungen riskiert. Laut Statistik Austria konnten im Vorjahr 313.000 Österreicher ihre Wohnung „nicht angemessen warm halten“, waren also von Energie-Armut betroffen – um ein Drittel mehr als 2009.

Wann ist man von Energie-Armut betroffen?

Per Definition von Energie-Armut betroffen sind Personen, bei denen die Heizkosten mehr als zehn Prozent des Einkommens auffressen, Gas- und Strom-Abschaltungen keine Seltenheit sind und Heizung, Haushaltsgeräte oder Wohnung alt und ineffizient sind.

Es stehe zu befürchten, dass der sprunghafte Anstieg der Energie-Armut erst der Anfang sei, sagt Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds.

Hohe Kosten

Die fossilen Energieträger neigen sich dem Ende zu, Preisschwankungen nehmen zu, die Kosten steigen. Eine dreiköpfige Familie in einem Haus mit Ölheizung und Auto steuert mittelfristig auf jährliche Mehrkosten von rund 3000 Euro zu, rechnete Umweltminister Niki Berlakovich unlängst vor. Einzelne Spendenaktionen für von Energie-Armut Betroffene reichen nicht aus, sagt Vogel. Es müsse zu einem Strukturwandel kommen.

Um diesem Wandel ein wissenschaftliches Fundament zu geben, hat der Klimafonds ein mit 430.000 Euro dotiertes Pilotprojekt ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam ein Team rund um WU-Professor Karl-Michael Brunner. In den kommenden 30 Monaten werden Daten von 500 betroffenen Haushalten gesammelt und ausgewertet. Mit dabei: das Institut für nachhaltige Entwicklung, die Caritas und die Österreichische Energieagentur.

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