Ein Experte schätzt, dass der Computerhändler noch Waren im Wert von rund drei Millionen Euro in den Filialen liegen hat.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Insolvenz
04/11/2014

Endspurt: DiTech lockt Kunden mit Rabatten

Zwölf Filialen des insolventen IT-Händlers wurden bereits zugesperrt. Der Abverkauf läuft noch eine Woche.

von Daniela Wahl

Finale beim Abverkauf der Pleite-Firma DiTech: Der Warenabverkauf des IT-Händlers soll noch eine Woche dauern. "Der Abverkauf konzentriert sich im Wesentlichen auf die acht Wiener Filialen, auf die Shopping City Graz und Klagenfurt", sagte Christoph Vavrik vom Kreditschutzverband gegenüber Radio Wien.

12 Filialen geschlossen

Mit einem 30-Prozent-Rabatt auf alle Produkte versucht DiTech derzeit noch Kunden anzulocken, 12 Filialen sind schon zu.

Insolvenzexperte Gerhard Weinhofer von der Creditreform schätzt, dass der Computerhändler noch Waren im Wert von rund drei Millionen Euro in den Filialen liegen hat: "Das würde bei der Verbindlichkeitssumme von 30 Millionen circa eine Quote von unter zehn Prozent bedeuten", so Weinhofer.

Kein Sozialplan

Für die betroffenen Mitarbeiter wird es keinen Sozialplan geben, ausstehende Gehälter übernimmt der Insolvenzausgleichsfonds. Da es sich überwiegend um junges Personal handelt, ist die Gewerkschaft zuversichtlich, dass rasch neue Arbeitsplätze gefunden werden. Im Handel gibt es zahlreiche offene Stellen. Was die weitere Ausbildung der Lehrlinge betrifft, will die Wirtschaftskammer - ähnlich wie bei früheren Pleiten in der Branche, etwa bei Cosmos - rasch für Ersatzlehrplätze bei anderen Firmen sorgen. Konkrete Pläne sind derzeit aber noch nicht bekannt.

Bilderbuchkarriere ohne Happy End

Damian Izdebski und seine Frau Aleksandra Izdebska galten als Überflieger in der Computerszene und darüber hinaus. Jung, dynamisch, sympathisch, wortgewandt und bestens vernetzt. Gern gesehen bei Podiumsdiskussionen, bei Society-Events und politischen Veranstaltungen.

Auf den steilen Aufstieg folgt der tiefe Fall. Die Gründer der Computerhandelskette DiTech stehen mit noch nicht einmal 40 Jahren vor den Trümmern ihres bisherigen unternehmerischen Lebenswerks. DiTech ist pleite. Schon seit Herbst 2013 waren die Finanzprobleme bekannt, das schwache Weihnachtsgeschäft hat dem Unternehmen den Rest gegeben.

Begonnen hat die als "Einwanderermärchen" gehypte Bilderbuchkarriere 1999. Als die beiden polnischen Einwanderer mit 23 Jahren den Grundstein für DiTech legten. In ihrer Wiener 2-Zimmer-Wohnung, die bald mit Computern vollgeräumt war. Technikfreak und Verkaufstalent Damian machte sich – nachdem er sich seine Handelsakademie-Ausbildung als Softwareentwickler finanziert hatte – als IT-Dienstleister einen Namen. Seine Frau Aleksandra hielt ihm den Rücken frei und erledigte die Buchhaltung. Es folgte die Eröffnung des ersten Geschäfts, dem in einer überhitzten Expansion mehr als zwanzig weitere folgen sollten.

Politisches Parkett

Der Erfolg machte auch die Politik auf die beiden Einwanderer aus Warschau aufmerksam, die sich erst in Wien kennengelernt hatten. Bei einer Party, bei der Damian seiner späteren Frau beim Abwaschen geholfen hat, wie diese gern in Interviews erzählt. Meist mit dem augenzwinkernden Nachsatz, dass er das später nie mehr gemacht habe. Und der Betonung, dass sie sich in jungen Jahren wenig auf Partys herumgetrieben, sondern die Sprache gelernt und gearbeitet hätten. Wohl auch deswegen wurden sie bei Veranstaltungen gerne als Paradebeispiel erfolgreicher Integration präsentiert.

Die Eltern zweier Kinder bekamen zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem für DiTech den Titel "Bestes Computergeschäft Österreichs". Aleksandra Izdebskas Meinung war bei der ÖVP-Initiative "Österreich 2025" gefragt, bei der es darum ging, Strategien für den Wirtschaftsstandort Österreich zu entwickeln. Im ORF-Sommergespräch diskutierte sie 2010 mit Heinz-Christian Strache. Im Unternehmen kümmerte sich die ausgebildete Dolmetscherin und Übersetzerin um Personalfragen. In ihrer Freizeit bildet sie sich im Bereich der Psychologie weiter, spielt Klavier und geht gerne tauchen.

Hobby-Rallyefahrer

Ihr Mann Damian hat seiner großen Leidenschaft – dem Motorsport – vor Monaten abgeschworen. Das Team rund um den Rallyefahrer Beppo Harrach fährt mittlerweile unter einem anderen Sponsor, Damian hat seine nicht unerfolgreiche Hobby-Rallye-Rennfahrer-Karriere an den Nagel gehängt.

Dass er bei der Expansion zu sehr aufs Tempo gedrückt hat, redet er gar nicht schön: "Ich habe mich vom Erfolg des DiTech-Konzeptes und dem damit einhergehenden Wachstum blenden lassen und unterschätzt, wie wichtig es ist, dieses enorme Wachstum nachhaltig finanziell abzusichern."

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